SGE nach Niederlage angriffslustig

Fredi Bobic: "Die Champions-League bleibt unser Traum"

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Fredi Bobic ist heiß auf die Champions League.

Eintracht Frankfurt hat die bittere Niederlage im Elfer-Drama gegen den FC Chelsea noch nicht verdaut. Doch der Blick geht schon jetzt auf das Geleistet und die Zukunft.

London/Frankfurt - Es schüttete wie aus Eimern, als die Frankfurter Eintracht weit nach Mitternacht das Stadion an der Stamford Bridge per Bus verließ. Es schien als weine der Fußball-Himmel um eine große Mannschaft, die nicht den Lohn für ehrliche, leidenschaftliche und tolle Arbeit erhalten und denkbar knapp das ganz große Ziel verpasst hatte. „Wir haben diese Niederlage nicht verdient“, sagte Sportvorstand Fredi Bobicnach dem 3:4 im Elfmeterschießen beim FC Chelsea, das die Engländer ins Finale nach Baku und die Eintracht ins Tal der Tränen schickte.

Die Eintracht ist ausgeschieden ohne verloren zu haben. In zwei Halbfinal-Spielen plus Verlängerung hatten die Frankfurter der Millionen-Mannschaft des FC Chelsea Paroli geboten. Und mehr als das. Sie waren in London ab der zweiten Halbzeit das bessere Team. „Wir werden sehr enttäuscht ins Bett gehen, aber mit ganz breiter Brust aufwachen“, sagte Bobic. Der Verlierer wurde begeistert gefeiert. Die Fans sangen voller Inbrunst die Vereinshymne „Im Herzen von Europa“. Es war ein würdiger Abschied aus dem europäischen Fußball.

Kevin Trapp war fassungslos

Als Sebastian Rode (Knie verdreht) auf Krücken von dannen humpelte, war das ein symbolisches Bild. Die Spieler waren am Ende, körperlich und mental. „Ich bin total leer“, sagte Danny da Costa. „Ich bin unglaublich enttäuscht, aber auch richtig stolz“, sagte Torhüter Kevin Trapp, bevor auch er zum Bus schlurfte. Der Nationalspieler kämpfte mit seinen Gefühlen. „Ich wollte der Mannschaft im Elfmeterschießen das Endspiel schenken“, sagte er, „aber ich habe es nicht geschafft.“

Einen Elfmeter hatte er abgewehrt, aber da Martin Hinteregger und Goncalo Paciencia zweimal an Chelseas Keeper Kepa scheiterten, hat das nicht gereicht. So wenig wie das Tor von Luka Jovic zum 1:1 und die Elfmetertreffer von Sébastien Haller, Johnny de Guzman und Jovic. Bei Chelsea hatte Azpilicueta verschossen, doch Barkley, Jorginho, David Luiz und Hazard getroffen. „Sie hatten zu wenig Engländer beim Elfmeterschießen“, sagte Bobic mit einem etwas gequälten Lächeln. Trapp war fassungslos: „Es wird eine ganze schwere Nacht, vor allem für mich persönlich.“

Fand feiern Eintracht Frankfurt nach dem Abpfiff

Es war nur ein kleiner, aber umso stärkerer Trost, dass die Frankfurter Mannschaft noch lange nach dem Abpfiff auf dem Rasen von ihren ebenso traurigen wie begeisterten Fans gefeiert wurden. Das und eigentlich viel mehr hatten sich die Spieler verdient. Frankfurt wäre nach den beiden Halbfinal-Begegnungen der richtige Finalist gewesen. Jetzt wird es ein Londoner Derby in Baku in Aserbaidschan.

„Die hätten sich auch im Hyde Park treffen können“, sagte Fredi Bobic ein wenig spöttisch. Wer die Emotionslosigkeit von Zuschauern und Spielern des FC Chelsea gesehen hat, konnte den Frust der Eintracht verstehen. Auch die UEFA dürfte eher traurig sein, zwei rein englische Endspiele in den beiden Wettbewerben kann eigentlich nicht im Sinne der Erfinder sein.

Eintracht Frankfurt verliert in Europa nur einmal

Die Eintracht hat von vierzehn Europapokal-Begegnungen nur eine einzige verloren, in Lissabon in Unterzahl. Und steht jetzt doch mit leeren Händen da. Doch das ist nur der erste, oberflächliche Blick. Immerhin 30 Millionen Euro sind nach der Europareise hängengeblieben. Dazu hat die Eintracht noch viel mehr gewonnen, was mit Geld nicht zu bezahlen ist, für sich, für die Region, für die Bundesliga und für den ganzen deutschen Fußball. Diese Mannschaft hat Europa erobert und Frankfurt wieder auf die sportliche Landkarte gesetzt. So leidenschaftlich und gerade deshalb so gut hat schon viele Jahre kein deutscher Klub mehr in der Europa-League gespielt.

„Ich bin unglaublich stolz, was wir geleistet haben“, sagte Trainer Adi Hütter, dem es gelungen war, die Mannschaft nach dem 1:6 von Leverkusen aufzurichten und sie nach einer eher schwächeren ersten Halbzeit erneut auf Kurs zu bringen. „Wir waren die bessere Mannschaft und hätten den Sack zumachen müssen“, klagte Hütter, „es war international unser bestes Spiel“. Doch Schüsse des eingewechselten Haller wurden zweimal von der Linie gekratzt, als der Keeper bereits überwunden war. Und dann kam das vermaledeite Elfmeterroulette.

Fans hätten sich das Finale verdient

Auch und gerade die Fans hätten sich das Finale verdient. Sie haben sich in London von der allerbesten Seite gezeigt. „Es hat sich wieder wie ein Heimspiel angefühlt“, sagte Trapp, „ich denke, da wird noch die eine oder andere Träne fließen.“ Die Fans waren zwar auch traurig, aber es war ihnen nicht zum Heulen. Im Gegenteil: Eintracht Frankfurt ist ganz sicher der „Finalist der Herzen“.

Alle, die den Fußball lieben, werden sich wünschen, dass dieser Verein aus dem Herzen von Europa auch in der nächsten Saison in Europa spielt. „Die Champions-League bleibt unser Traum“, sagte Sportboss Bobic fast schon trotzig. Dazu bedarf es Punkte an den letzten beiden Spieltagen gegen Mainz und Bayern. Schwer vorstellbar nach den Anstrengungen und Enttäuschungen von London, gut vorstellbar bei der Mentalität dieser Spieler.

Die Angst aus den ersten Acht zu fliegen und quasi alles zu verlieren gibt es zwar. Aber die Liebe der Fans kann den Adlern keiner mehr nehmen. „Egal was rauskommt, es war eine überragende Saison“, sagte Bobic als der neue Tag schon angebrochen war, „wenn es ein Freilos geben sollte, müsste es die Eintracht kriegen“.

Von Peppi Schmitt

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Quelle: op-online.de

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