Eintracht und die heilende Wirkung des Pokalendspiels

Salcedo: „Lohn abholen für die Saison“

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Frankfurt - Es gibt Ärzte, die Diagnosen stellen und Behandlungen vorgeben. Es gibt Physiotherapeuten, die sich rund um die Uhr um die Spieler kümmern. Und es gibt bei der Frankfurter Eintracht mit Klaus Luisser auch einen Fitness-Trainer, der den Profis immer wieder Blut abnimmt und im Zuge der Prophylaxe damit versucht, möglichen Blessuren zuvorzukommen. Von Peppi Schmitt

Das beste Heilmittel bei den Frankfurtern aber scheint das Ziel Berlin zu sein. Mit dem Pokalendspiel im Blick geht die Gesundung der Spieler (noch) schneller voran als im Normalfall. So war das vor einem Jahr, als sich eine Woche vor dem Endspiel zum letzten Bundesligaspiel der Saison gegen RB Leipzig mit Jesus Vallejo und Alexander Meier zwei Spieler zurückgemeldet hatten, mit denen nach längeren Verletzungsausfällen eigentlich keiner mehr gerechnet hatte. Und so ist es diesmal wieder. Seit Anfang der Woche stehen alle Profis im Trainingsbetrieb, Trainer Niko Kovac bietet sich eine breite Auswahl, um für das Spiel auf Schalke am Samstag und eine Woche später gegen die Bayern schlagkräftige Mannschaften aufs Feld zu schicken.

Die Knieverletzung wegen der Timothy Chandler noch am letzten Samstag gegen den HSV hatte ausgewechselt werden müssen, hat sich als harmlose Prellung herausgestellt. Jonathan de Guzman, der seit dem Heimspiel am 21. April gegen Hertha BSC wegen einer Oberschenkelzerrung passen musste, hat den Anschluss wieder geschafft. Alex Meier hat gegen den HSV nach fast einem Jahr Verletzung ein umjubeltes Comeback gefeiert. Ante Rebic, beim Auswärtsspiel in Bremen am 1. April mit einem Muskelfaserriss vom Platz gegangen, kann auch wieder spielen. Der überraschendste Rückkehrer aber war und ist Carlos Salcedo.

Der 24 Jahre alte mexikanische Innenverteidiger hatte sich beim Länderspiel gegen Kroatien am 28. März einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. „Er muss operiert werden, die Saison dürfte beendet sein“, hatte damals der Frankfurter Trainer Kovac erklärt. Doch die Mediziner in Mexiko haben ein kleines Wunder vollbracht. Die Operation ist ebenso optimal verlaufen wie die Reha danach. Salcedo hat sich schon nach fünf Wochen in Frankfurt zurückgemeldet und hat schon gegen den HSV am letzten Spieltags ein überraschendes Comeback gefeiert. „Mir geht es gut, ich bin heilfroh, nach meiner Verletzung wieder spielen zu dürfen", sagt er, die Schulter bereite keine Probleme mehr. „Ich fühle mich immer besser und immer stärker“, sagt der Verteidiger, den sie in seiner Heimat „El Titan“ nennen.

Der Eintracht tut die Rückkehr besonders gut, denn fürs Spiel auf Schalke ist mit Makoto Hasebe ja noch ein wichtiger Abwehrspieler wegen seiner roten Karte aus dem Hertha-Spiel gesperrt. Im Pokalendspiel darf der Japaner aber spielen. Salcedos Zweikampfstärke können die Frankfurter also gut gebrauchen. Die Zielsetzung für ihn und seine Kollegen ist klar. „Wir wollen uns den Lohn abholen für eine ganze Saison“, sagt er, es gelte „zu vollenden“, was man sich erarbeitet habe. Ein Punkt müsste der Eintracht genügen, um sich für die Europa-League-Qualifikation zu qualifizieren. Es sei denn, der VfB Stuttgart würde beim Meister in München gewinnen.

Eintracht-Zeugnis gegen den HSV

Eintracht Frankfurt: Zeugnis mit Spielernoten
Lukas Hradecky: Mit einigen starken Paraden war er ein souveräner Rückhalt für die Mannschaft. Note 2,0 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Carlos Salcedo: Unauffällig, aber solide. Note 3,5 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Marco Russ: Sicherer Rückhalt in der Abwehr, zweikampf- und kopfballstark. Note 3,0 © Hübner
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Timothy Chandler: Musste verletzungsbedingt früh ausgewechselt werden, keine Note © Hübner
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David Abraham: In der Abwehr sicher, bereitete mit einer schönen Flanke den vielumjubelten Meier-Treffer vor. Note 2,5 © Hübner
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Jetro Willems: Einsatzfreudig, laufstark und sowohl in der Offensive als auch nach hinten mit einer engagierten Leistung. Note 2,5 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Danny da Costa: Ihm gelang nicht alles, aber er machte zumindest seine Seite dicht. Note 3,5 © Hübner
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Gelson Fernandes: Laufstärkster Eintracht-Spieler (13 Kilometer), zweikampfstark als Abräumer vor der Abwehr. Note 3,0 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Omar Mascarell: Machte viele Löcher dicht und erzielte den wichtigen Treffer zum 2:0 - es war sein erstes Bundesligator. Note 3,0 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Sebastien Haller: Schoss zwar kein einziges Mal auf das gegnerische Tor, aber leitete den Führungstreffer ein und zeigte auch sonst eine engagierte Leistung. Note 2,5 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Pressekonferenz Boateng
Kevin-Prince Boateng: Da Fernandes und Mascarell die zentralen Defensivpositionen im Mittelfeld übernahmen, spielte er offensiver, allerdings ohne Durchschlagskraft. Wirkte ausgepumpt und schlapp. Note 4,5 © Jan Huebner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Marius Wolf: Spielte wieder besser als zuletzt und belohnte sich und die Mannschaft mit dem Führungstreffer. Note 3,0 © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Mijat Gacinovic: Mit viel Einsatz versuchte er, die schlechten Auftritte der letzten Spiele vergessen zu machen, das gelang ihm. Note 3,5 © Hübner
Eintracht Frankfurt - Hamburger SV
Alexander Meier: Sein Comeback ist ein Fußballmärchen, erzielte das 3:0 mit all seiner Routine. Ohne Note © dpa

Die Eintracht hat in diesen letzten Tagen der Saison zwei Endspiele, das ist sonst nur den ganz großen Klubs Europas vorbehalten. Die Frankfurter wollen es genießen, wollen die Aufgaben nacheinander mit der gleichen Konzentration und Intensität angehen. Der vor allem Journalisten nervende Spruch, „das nächste Spiel ist immer das wichtigste“, trifft in diesem Fall zu und wird von Salcedo auch genau so ausgedrückt. „Schalke steht im Fokus“, versichert er. Der Pokal sei erst ab Sonntag wichtig. Das Finale sei dann ein „wunderbarer Abschluss“ einer gelungenen Saison, sagt er, „es wäre in magischer Moment, wenn wir einen Titel gewinnen, davon könnte ich meinen Kindern erzählen.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mexikaner trotz der großen Spielerauswahl sowohl gegen den Vizemeister Schalke als auch gegen den Meister Bayern von Beginn an spielen wird, ist hoch. Konditionell fühlt er sich topfit, die Verletzung hatte ihm nicht nur Schmerzen bereitet, sie hatte ihm auch ein wenig Zeit verschafft, zu verschnaufen. Das kann sich auf den letzten Metern noch auszahlen. Und an Motivation wird es ihm schon gar nicht fehlen. Zum einen braucht Salcedo gute Leistungen, um auf den mexikanischen Zug zur Weltmeisterschaft nach Russland aufzuspringen, zum anderen spielt er in Frankfurt um eine Verlängerung seines Engagements. Aktuell ist er von Deportivo Guadalajara nur bis zum 30. Juni 2018 ausgeliehen, die Eintracht besitzt jedoch eine Kaufoption, angeblich in Höhe von drei Millionen Euro. Salcedo würde gerne bleiben, das hat er mehrfach betont. Ob die Eintracht mit ihm plant, ist noch offen. Der scheidende Trainer Kovac hatte betont, „die Tendenz geht dahin, dass wir ihn halten." Doch was denkt der Nachfolger Kovacs? Gespräche sollen erst nach dem Pokalfinale stattfinden.

Quelle: op-online.de

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