Eintracht kann Spieler nicht halten

Gehälter für Stars bringen Pokalsieger an seine Grenzen

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Marius Wolf und Omar Mascarell (von rechts, hier mit David Abraham) verdienen bei ihren künftigen Vereinen weitaus mehr als bei der Eintracht.

Frankfurt - Drei Pokalsieger sind weg. Das alleine wäre für die Frankfurter Eintracht vielleicht nicht so schlimm. Aber es sind nicht irgendwelche Spieler, es sind drei der besten, drei, die den Unterschied ausgemacht haben. Von Peppi Schmitt

Torwart Lukas Hradecky geht zu Bayer Leverkusen, Mittelfeldspieler Omar Mascarell zu Schalke 04, Angreifer Marius Wolf zu Borussia Dortmund. Warum also kann die Eintracht ihre Besten nicht halten, obwohl sie selbst durch die Teilnahme an der Europa-League an sportlicher Attraktivität gewonnen hat und so viel Geld zur Verfügung hat wie noch nie in ihrer langen Geschichte? Die Antwort ist denkbar einfach: Viel Geld hilft nicht immer, weil die anderen noch mehr Geld haben.

Bei allen Transfers ging es nicht in erster Linie um sportliche Perspektiven, sondern nur ums Geld. Ob Hradecky beim Werksverein oder Wolf und Mascarell bei den Champions-League-Teilnehmern aus dem Pott, sie alle können bei ihren neuen Arbeitgebern deutlich mehr verdienen als in Frankfurt. Die drei Stars haben sich freundlich verabschiedet, in den sozialen Medien auch ein paar Tränchen vergossen, am Ende aber war es ihnen in erster Linie um den Verdienst gegangen. Was einem Fußballprofi grundsätzlich nicht zu verdenken ist.

Die Eintracht war anscheinend machtlos. Bei Hradecky hatten die Verantwortlichen über viele Monate versucht, den Torwart zum Bleiben zu überreden. Die finanziellen Angebote wurden immer weiter nach oben geschraubt. Am Ende hätte der Finne, so heißt es, bis zu drei Millionen Euro pro Saison verdienen können. In Leverkusen sollen es bis zu fünf sein. Da erübrigen sich weitere Fragen, da auch der Vertrag ausgelaufen ist.

Mascarell und Wolf verdienen weitaus mehr

Ähnlich liegen die Fälle Wolf und Mascarell, freilich mit dem gravierenden Unterschied, dass sie beide noch laufende Verträge in Frankfurt hatten. Allerdings mit für die Eintracht ungünstigen Klauseln. Auch sie verdoppeln (mindestens) ihre Einkünfte beim BVB und auf Schalke und damit schießen auch die Honorare für ihre jeweiligen Berater nach oben. Eine wirklich persönliche Bindung zur Eintracht, wie beispielsweise bei Alex Meier, gibt es auch nicht, so dass die Entscheidungen auch da schnell gefallen waren. Nach dem durchaus professionellen Motto: Frankfurt ist schön, Euros sind schöner.

Und der Verein? Der wurde speziell bei Mascarell vom Erfolg überrollt. Den Mittelfeldspieler hatten sie aus den Niederungen (Sporting Gijon) aus Spanien geholt. Die Vertragsrechte lagen bei Real Madrid. Die Eintracht hat ihn erst ausgeliehen, dann gekauft. Doch Real war schlau genug, um eine Rückkaufoption von vier Millionen Euro ins Vertragswerk zu verankern. Dass Mascarell zu den „Königlichen“ zurückkehren würde, war eigentlich schwer vorstellbar bei der Qualität, die der dreimalige Champions-League-Sieger zu bieten hat. Doch Real ist nicht nur sportlich das Maß aller Dinge, auch finanziell sind die Madrilenen nicht auf den Kopf gefallen. Mascarell wurde schnell zu einem Verkaufsobjekt für Deutschland. Die „Bild“ schrieb vor ein paar Wochen von einer „Auktion“, die um den Spieler veranstaltet wurde. Im Grunde war dies zutreffend. Real hat ihn schließlich meistbietend verkauft.

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Angeblich muss Schalke zehn Millionen Euro an Real zahlen, die wiederum vier an die Eintracht. Die Frankfurter hätten also ihrerseits sechs Millionen an Ablöse stemmen müssen, um ihn zu behalten. Das wäre machbar gewesen. Aber in Bezug auf das Gehalt waren sie machtlos. Mascarell ist letztlich dahin gegangen, wo er am meisten verdienen kann. Auf Schalke sollen es angeblich sechs Millionen Euro pro Saison sein. „Da können wir nicht mithalten“, hat Eintracht-Manager Bruno Hübner gesagt. Und dann helfen auch die guten Kontakte von Sportvorstand Fredi Bobic nach Madrid nicht mehr.

Bei Wolf ist es noch dümmer gelaufen. Eine Ausstiegsklausel von fünf Millionen Euro hat sich die Eintracht in den Vertrag verhandeln lassen, als sie ihn aus Hannover für läppische 500.000 Euro geholt hat. Die Entwicklung, die Wolf hingelegt hat, konnte keiner so erwarten. Im Vergleich zu den Preisen für andere, eher mittelmäßige Spieler, hat er ganz sicher zu wenig Geld eingebracht. Und doch hat die Eintracht für ihn zehnmal so viel eingenommen, als sie ausgegeben hat. Und Wolf selbst? Verdient jetzt viermal so viel beim BVB wie in Frankfurt. So läuft die fußballerische Marktwirtschaft.

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Bei Ante Rebic droht den Frankfurter ein ähnliches Szenario, freilich noch deutlich gewinnbringender. Die Eintracht könnte mit seinem Verkauf nach der WM die wirtschaftliche Substanz weiter stärken, würde aber an sportlicher Substanz noch einmal deutlich verlieren. Mahnende Beispiele, nicht zu viel Klasse abzugeben, gibt es genug. Aber haben es die Frankfurter überhaupt selbst in der Hand?

Quelle: op-online.de

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