Eintracht müde: Aber warum?

Nach 0:3 gegen Hertha ist „Europa“ in Gefahr

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Das 0:3 durch Esswein als Schlusspunkt der Partie gegen Hertha BSC.

Frankfurt - Eintracht nach Europa? Das könnte ein Traum bleiben. Der Euphorie nach dem Einzug ins Pokalfinale ist die höchste Heimniederlage der Saison gefolgt. Das 0:3 (0:0) gegen Hertha BSC könnte weitreichende Folgen haben. Von Peppi Schmitt

Platz sechs in der Liga ist beim schwierigen Spielplan mit Auswärtsspielen in München und auf Schalke nur mit sehr viel Fantasie zu erreichen. Und selbst die Verteidigung von Platz sieben erscheint nicht sicher. Bei allen durchaus berechtigten Erklärungsansätzen wie dem Kräfteverschleiß vom letzten Mittwoch, den hohen Temperaturen in der Arena und den unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen bleibt, dass die Eintracht gegen Hertha nicht mit jener Entschlossenheit zu Werke gegangen ist, wie es für dieses Europa-„Endspiel“ nötig gewesen wäre. Das hatte bei der Aufstellung begonnen und sich dann auf dem Spielfeld fortgesetzt. Über weite Strecken schien nur das Publikum wirklich um die Bedeutung der 90 Minuten zu wissen. „Wir haben alles gegeben, was drin war“, hatte Trainer Niko Kovac einen anderen Blick auf die Dinge, „es waren Kleinigkeiten, die entschieden haben.“ Einen Vorwurf wollte er seiner Mannschaft schon gar nicht machen. Aber auch Kovac räumte ein, „dass wir noch den einen oder anderen Punkt brauchen, sonst fallen wir raus.“ Raus aus den ersten Sieben, raus aus den Europa-Plätzen. Und dies wäre im Gegensatz zur letzten Saison dann wirklich eine Enttäuschung.

Für Kovac war schon am Samstag beim ersten Heimspiel nach dem Bayern-Theater nichts mehr wie es vorher war. Vor dem Spiel wurde bei der Nennung seines Namens durch den Stadionsprecher lautstark gepfiffen. Und als sich die Niederlage abzeichnete, flüchteten sich die Fans in Sarkasmus. „SGE wir sind da, jedes Spiel ist doch klar, Spieler kommen, Trainer gehen – scheißegal, die SGE“, wurde in der Kurve gesungen. Den Abgang nach München, vor allem die Art und Weise, werden sie dem 46 Jahre alten Kroaten nicht verzeihen. Es ist tiefes Misstrauen eingezogen gegenüber dem Trainer. Der Vorstand wird alle Hände voll zu tun haben, die Wogen in den nächsten drei Wochen zu glätten. Eine Niederlagenserie wie letztes Jahr vor dem Finale (ein Punkt aus vier Spielen) würde vieles erschweren. „Diese Niederlage war nicht geplant“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic ehrlich, „sie tut uns weh“.

Eintracht-Zeugnis gegen Hertha BSC Berlin

Deutlich wurde einmal mehr, dass die Frankfurter am Ende ihrer Kräfte sind. In manchen Fällen ist das nachvollziehbar, in anderen nicht. Warum Profis wie Marco Fabián oder Jetro Willems zunächst geschont werden mussten, erschließt sich nicht jedem. Fabián ist zwar aus einer Verletzung gekommen, hat aber gerade sechs Einsätze in dieser Saison, darunter nur zwei über 90 Minuten. Willems kommt auf zwanzig Spiele, nicht zu viel für einen Fußballprofi. Diese beiden mussten neben den angeschlagenen Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf raus, die spielersuche Qualität wurde also auch freiwillig ausgedünnt. Andere kamen rein und wirkten genauso platt. Mijat Gacinovic ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Sein letztes Spiel über die gesamte Distanz hat er im Februar in Stuttgart bestritten. Genau wie Aymen Barkok, der wie ein Fremdkörper wirkte, ohne Selbstvertrauen, ohne Esprit, ohne Tempo. Beide müde? Und da ist noch Sébastien Haller. Was ist aus dem Mittelstürmer im letzten Vierteljahr geworden? Eine knappe halbe Stunde in Leverkusen, ein gute halbe Stunde gegen Hoffenheim, mehr hat er zuletzt nicht gespielt. Von was also könnte er müde sein?

Eintracht verliert klar gegen Hertha BSC Berlin: Bilder

Ob sich der Trainer bei seiner Rotation verzockt hat, ist schwer zu beurteilen, weil ja niemand die Trainingsleistungen der Spieler und den wahren konditionellen Zustand, der bei der Eintracht ja mit außerordentlicher Penibilität Tag für Tag und Woche für Woche festgestellt wird, wirklich kennt. Zumindest auf dem Platz hat vieles nicht gestimmt. Auch taktisch nicht. Die beiden Außenverteidiger zum Beispiel, Danny da Costa rechts und Timmy Chandler links, blieben weit unter ihren Möglichkeiten. Sie hatten aber auch keine Unterstützung, weder rechts noch links gab es einen „zweiten Mann“, der anspielbereit gewesen wäre und für Platz und Raum gesorgt hätte. Nach vorne ging im Grunde gar nichts. Selbst herausgespielt hat die Eintracht keine einzige Chance. Dennoch hatten sie die beiden besten Gelegenheiten des Spiels. „Wir haben Geschenke verteilt, Frankfurt hat sie nicht angenommen“, sagte der Berliner Trainer Pal Dardai. Luka Jovic (Kovac: „Den macht er normal im Schlaf“) und Mijat Gacinovic, der die Latte traf, vergaben die Führung.

Womöglich haben sie bei der Eintracht nach dem Schalke-Spiel dann doch zu viel über körperliche und mentale Müdigkeit nachgedacht, gesprochen und danach aufgestellt. Erstaunlich jedenfalls ist eines: Die Abwehrriege der „Oldies“ mit David Abraham, Makoto Hasebe (bis zur roten Karte) und Marco Russ, die auf Schalke die Hauptlast getragen hatten, spielte auch diesmal durch. Alle drei gehörten sie zu den besten Frankfurtern. Klasse, Erfahrung, Motivation und Wille hatten über Mattigkeit gesiegt. Das wäre sicher für alle der richtige Ansatz gewesen.

Quelle: op-online.de

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