Nach Wechsel

Eintracht Frankfurt gegen FC Augsburg: Martin Hintereggers schwerster Gang

+
Martin Hinteregger hat sein Glück in Frankfurt gefunden. Jetzt kehrt er mit seinem Herzensverein zum FC Augsburg zurück. 

Martin Hinteregger kehrt mit Eintracht Frankfurt nach Augsburg zurück. Für den Österreicher dürfte es ein schweres Spiel werden. 

Frankfurt - 6:0 gegen Lettland, das war für Martin Hinteregger und die österreichische Nationalmannschaft am letzten Freitag nur eine lockere Pflichtaufgabe. Am Dienstag erwartet der Profi der Frankfurter Eintracht mit seinen Kollegen dagegen eine ganz besondere Herausforderung. Österreich spielt in Polen, Hinteregger bekommt es mit Robert Lewandowski zu tun, dem Star der Bayern und der polnischen Nationalmannschaft. Aber das ist noch gar nichts zu dem, was den Abwehrrecken der Eintracht am nächsten Samstag erwartet. Dann spielen die Frankfurter in Augsburg, Hinteregger gegen seine ehemaligen Kollegen und ein ganzes Stadion. 

Aus Augsburg ist der 27 Jahre alte alte Österreicher nach Frankfurt gekommen, hat dort sein Glück gefunden. Nach einem halben Jahr Vertrag auf Leihbasis hat er nach heftigen Streitigkeiten, vielen Irrungen und Wirrungen einen Fünfjahresvertrag bis 2024 unterschrieben. Die Eintracht hat wohl „nur“ sieben Millionen Euro an Ablöse bezahlt, nicht wie zunächst gefordert zwölf. „Ich fühle mich hier so wohl wie sonst nirgends“, hat er gesagt. Eine Vertragsklausel, dass Hinteregger gegen Augsburg nicht spielen darf, gibt es wohl auch nicht. „Wir haben eine Lösung gefunden, die allen gerecht wird, mit denen alle ihr Gesicht wahren können“, hatte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic gesagt.

Martin Hinteregger: Bei der Rückkehr nach Augsburg muss er sich auf eine Reaktion der Fans einstellen

Ob das in Augsburg alle so sehen? Die Fans ganz sicher nicht. Hinteregger muss sich auf Pfiffe einstellen, womöglich auch auf Schmähgesänge. Sein Abschied aus der Fuggerstadt war wenig „gentlemanlike“ und hat eigentlich gar nicht zu jenem so zuverlässigen Profi gepasst, wie sie ihn in Frankfurt kennengelernt haben. Den ersten Schritt nach Frankfurt ist er im Februar gegangen. Hinteregger hatte den ehemaligen Augsburger Trainer Manuel Baum nach zehn sieglosen Spielen und einer 0:2-Niederlage in Mönchengladbach kritisiert. „Ich kann über ihn nichts Positives sagen und will nichts Negatives sagen“, hatte er formuliert. 

Das war vage, aber trotzdem deutlich. Die Augsburger waren sauer, Hinteregger wurde suspendiert. In Frankfurt griffen sie begeistert zu. Trainer Adi Hütter wusste aus gemeinsamen Tagen in Salzburg zu welchen Leistungen „Hinti“ fähig sein könnte. Und wurde nicht enttäuscht. Hinteregger spielte gut bis sehr gut, gerade im Europapokal. Sogar der Elfmeterfehlschuss im Halbfinale von London wurde ihm verziehen. Die Eintracht-Fans lieben ihn, haben ihm sogar einen eigenen Song gewidmet.

Martin Hinteregger will für Eintracht Frankfurt spielen – Wechsel nach wochenlangem Hin und Her

Im Sommer aber musste Hinteregger zurück nach Augsburg, die Leihvereinbarung war ausgelaufen. Und es begann ein unschönes Schauspiel. Hinteregger sagte jedem, der es hören wollte (in Frankfurt) und auch jenen, die es nicht hören wollten (in Augsburg), dass er mit dem FCA nichts mehr am Hut hatte und nur für die Eintracht spielen wolle. Es gab ein paar Provokationen, die nicht alle nachzuprüfen sind. Er soll mit einem Eintracht-Rucksack zum Augsburger Training gekommen sein. Was später bestritten wurde. Er soll ein Mannschaftsfoto des FCA geschwänzt haben. Was später als Missverständnis dargestellt wurde. Und er wurde im Trainingslager angetrunken gefilmt. Was niemand bestreiten konnte. 

Danach klappte der Wechsel von einem auf den anderen Tag doch noch. Aus den zunächst geforderten 15 Millionen Euro Ablösesumme sollen erst zwölf, dann sieben geworden sein. Grund für den überraschenden Nachlass: Hinteregger soll in Gesprächen mit FCA-Manager Stefan Reuter deutlich gemacht haben, dass er in Augsburg jedenfalls nicht mehr spielen würde. „Der Eindruck hat sich verfestigt, dass Hinteregger unseren Weg nicht zu 100 Prozent mitgeht", sagte Reuter.

Wechsel von Martin Hinteregger zu Eintracht Frankfurt auch sportlich die richtige Entscheidung

So unschön die Begleitumstände auch waren, sportlich war es für den Spieler und die Eintracht die richtige Entscheidung. Hinteregger kam zurück, war sofort drin im Team. Und ist auch nicht mehr wegzudenken. Manuel Baum übrigens hat längst seinen Frieden mit Hinteregger gemacht. Seit seiner Entlassung, mit der Hinteregger nichts zu tun hatte, ist Baum beim DFB als Trainer der U 20 tätig. 

„Wir fordern immer Spieler mit einer speziellen Einstellung, die nicht dem Schema F entsprechen", sagt Baum heute, „Hinti ist ein außergewöhnlicher, hochtalentierter Spieler, dessen Einstellung etwas spezieller ist". So kann man es auch sehen. Vielleicht sehen sich die beiden ja am Samstag. „Sollte ich ihn treffen, würde ich Hinti nicht aus dem Weg gehen“, sagte Baum. Und Hinteregger geht sowieso niemandem aus dem Weg.

Von Peppi Schmitt

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare