Selbstvertrauen, aber keine Selbstüberschätzung

Eintracht Frankfurt: Das Ende der „Diva vom Main“

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Schon gehört? Bei der Eintracht ist immer was los...

Frankfurt - Langweilig wird es Anhängern der Frankfurter Eintracht eigentlich nie. Das Auf und Ab, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, von der bisher einzigen Deutschen Meisterschaft 1959 bis zur verpassten Meisterschaft 1992 in Rostock, vom UEFA-Cup-Sieg 1980 bis zu den vier Abstiegen, das alles ist Teil der DNA dieses Klubs. Von Peppi Schmitt

Kaum zu glauben aber ist, wie es schnell es in den letzten Jahren nach oben gegangen ist. Zur Erinnerung: Es war im Mai 2016, als die Eintracht wieder einmal am Abgrund stand und sich erst in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg vor dem fünften Abstieg retten konnte. Das scheint Lichtjahre entfernt. Zweieinhalb Jahre später spielen die Frankfurter international, haben in allen Bereichen einen Aufschwung erlebt, wirtschaftlich, sportlich, organisatorisch. Auch das Image hat sich total gewandelt. „Wir werden ganz anders wahrgenommen“, sagt Vorstand Axel Hellmann.

Nicht selten wurde in der Vergangenheit von der „Diva vom Main“ gesprochen und geschrieben. Den Beinamen „Diva“ haben die Frankfurter wegen ihrer Sprunghaftigkeit erhalten. „Wikipedia“ schreibt, die Diva werde einerseits mit „Hochmut“ in Verbindung gebracht, andererseits aber auch mit „Einzigartigkeit“. Das hat in der langen Geschichte des Vereins häufig zugetroffen. Jetzt nicht mehr. Von Hochmut ist nichts zu spüren. Über viele Jahren war die Eintracht bekannt dafür, gegen die „Großen“ der Liga gut auszusehen, gegen die Kleinen aber, wohl aus Überheblichkeit, zu verlieren. Das schlechteste Beispiel rührt aus dem Jahr 1972, als die Frankfurter innerhalb einer Woche den Tabellenführer Bayern München mit 2:1 im eigenen Stadion geschlagen hatten - das war damals das Debüt des späteren Rekordspielers Karl-Heinz Körbel - und eine Woche darauf beim Schlusslicht Rot-Weiß Oberhausen 0:1 verloren haben.

Doch diese „Diva“ gibt es nicht mehr. Leichtfertigkeiten gegen vermeintlich unterlegene Gegner wurden ausgemerzt. Und so können die Frankfurter am Freitag eigentlich ziemlich beruhigt zum Spiel beim Tabellenletzten VfB Stuttgart fahren. Klubs, bei denen die „rote Laterne“ der Liga leuchten, haben ihren Schrecken verloren. Der frühere Trainer Niko Kovac hat mit seiner Frankfurter Mannschaft damit Schluss gemacht. Er hat in der Saison 16/17 den Hamburger SV mit einem 3:0 in Hamburg auf den letzten Platz geschossen und in der Rückrunde auch den Letzten und späteren Absteiger Darmstadt 98 2:0 geschlagen. In der vergangenen Saison haben die Frankfurter das Schlusslicht 1. FC Köln gleich zweimal besiegt (1:0 und 4:2). In der laufenden Spielzeit wurde Abstiegskandidat Hannover 96 4:1 besiegt und in der Europa-League der Letzte, Apollon Limassol, auch mit 2:0 geschlagen.

Eintracht-Zeugnis gegen 1. FC Nürnberg

Kevin Trapp: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Evan Ndicka N Dicka: Note 2 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Gelson Fernandes: Note 4 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Jonathan de Guzman: Note 4 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Luka Jovic: Note 4 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Sebastien Haller: Note 2 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Mijat Gacinovic: Note 4 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
David Abraham: Note 3,5 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Makoto Hasebe: Note 2,5 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marc Stendera: Keine Note © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Danny da Costa: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Allan Souza: Kein Note © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Training
Filip Kostic: Note 3,5 © Hübner
Eintracht Frankfurt - Apollon Limassol
Ante Rebic: Note 4 © dpa

Es gibt sie also nicht mehr, die überhebliche Diva. Dafür die andere, die „einzigartige“, die schöne, die mondäne Diva. Das liegt an einer ausgesprochen realistischen Herangehensweise an die Aufgaben, die Trainer Adi Hütter und seine Spieler pflegen. Selbstvertrauen ja, Selbstüberschätzung nein. Das ist das Motto des Trainers. Nach dem 1:1 in Nürnberg am letzten Sonntag hat er nur kurz auf die Belastungen in den Wochen zuvor hingewiesen und dann gleich den Blick nach vorne aufs Spiel in Stuttgart gerichtet. Die Trainingswoche werde dazu führen, „dass wir eine bessere Leistung zeigen.“ Dabei ist es hilfreich, dass die Frankfurter nicht von Personalproblemen geplagt werden. Es gibt keine Sperren und keine Ausfälle gegenüber den letzten Spielen. Im Gegenteil: Nach und nach kehren jene Spieler in den Trainingsbetrieb zurück, die lange verletzt waren. Carlos Salcedo, Chico Geraldes und Timothy Chandler sind auf dem Weg, bald wieder Alternativen für die Mannschaft zu sein.

Quelle: op-online.de

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