Eintracht Frankfurt

SGE-EL-Quali: Emotionale Minuten nach dem Abpfiff

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Gert Krams von Flora Tallinn feiert nach dem Spiel die Fans der Eintracht.

Flora Tallinn verliert gegen Eintracht Frankfurt und die Spieler bedanken sich bei den Fans des Gegners - und die reagieren ergreifend.

Frankfurt - Es war ein wundervoller Abend draußen im Stadtwald am gestrigen Donnerstag. Ein lauer, nicht zu warmer Sommertag neigte sich dem Ende entgegen, Eintracht Frankfurt spielte endlich wieder Fußball im Waldstadion, das Haus war natürlich gefüllt. Das Stadion öffnete zum „Saison-Kick-Off“ ein paar Stunden früher als üblich, die überwiegende Mehrheit der Zuschauer kamen ganz in weiß, wenn auch ohne Rosenstrauß. Der Gegner der Hessen, Flora Tallin aus der estnischen ersten Liga, und deren etwa 50 angereiste Fans hatten sich schon im Hinspiel als fantastischer Spielpartner gezeigt. 

SGE gegen Flora Tallinn: 50.000 Fans feiern

Die auf dem Platz, weil sie der Eintracht zwar tapfer Widerstand leisteten, aber sich am Ende dann doch der Macht aus der ehemals stärksten Liga der Welt geschlagen geben mussten. Und die auf den Rängen, weil sie die zahlreich angereisten Anhänger der Frankfurter Eintracht in der Hauptstadt Estlands vor Wochenfrist mit offenen Armen und großen Herzen begrüßt hatten.

Schon lange vor dem üblichen Aufwärmprogramm waren die Spieler von Flora sichtlich beeindruckt durch den Spielertunnel auf den frisch verlegten Rasen der Arena gekommen, hatten mit großen Augen ins noch leere Oval geschaut, und ihre Eindrücke per Smartphone dokumentiert. Man hatte ihnen davon erzählt was sie hier erwarten würde, ein Spiel vor knapp 50.000 Zuschauern, eine Choreo würde es geben, wie das in Frankfurt inzwischen zum Ritual geworden ist, wenn „wir spielen Europa“ auf dem Plan steht. Nicht schlecht sowas, selbst für Profis. Zumal dann, wenn die eigenen Ligaspiele auch mal vor 500 zahlenden Zuschauern ausgetragen werden, wenn’s gut besucht ist auch mal tausend mehr.

Martin Hinteregger: Rührender Empfang

Und auch Eintracht Frankfurt tat einiges dafür, dass der Abend zu einem Erlebnis wurde. Unmittelbar vor dem Spiel wurde der verlorene Sohn Martin Hinteregger den Fans präsentiert, der die „Hinti! Hinti“-Rufe sichtlich gerührt entgegennahm, ein Moment für die Ewigkeit, wie die Chronisten bei derart emotionalen Ausbrüchen gerne vermerken.

Danach gab es ein Fußballspiel eher durchwachsener Qualität, was nicht an den Gästen lag, sondern am Bundesligisten, der seine Pflicht erfüllte und gewann, nicht zu hoch, soviel Gastfreundschaft muss sein und man ist ja, ein weiterer Satz aus der Floskelwolke des Sportreporters, „mitten in der Vorbereitung“. Und, ganz wichtig, „man kann noch nicht soweit sein“.

Was nach dem Spiel allerdings geschah, hatten auch die alten Haudegen auf der Pressetribüne so noch nicht erlebt. Die Spieler der unterlegenen Mannschaft, alles andere als Verlierer, applaudierten erst den paar Dutzend eigenen Anhängern, um sich dann umzudrehen, und dem ganzen Stadion ihren Respekt und ihre Dankbarkeit für ein solches Erlebnis zu zollen.

Es geschieht Außergewöhnliches

Dieses Zeichen kam an, besonders bei den Hardcore-Fans in der Nordwestkurve. Der Applaus prasselte von den Rängen zurück, man skandierte „Tallinn! Tallinn“, und war dann doch erstaunt, als Gert Kams, der Kapitän der Esten, schnurstracks und noch immer winkend auf die an diesem Abend weiße Wand der Eintracht-Fans zulief, über die Werbebande sprang und seine Spielführerbinde in die Menge warf. Der Gegner! Der Verlierer! Die Binde! Man stelle sich das mal vor.

Und als dann sogar noch einer der Unterlegegen sein Trikot opferte, zu den Fans hinaufstieg und man sich herzlich umarmte und abklatschte, da wusste man als Besucher, dass man Zeuge eines besonderen Moments der Freundschaft und der Herzlichkeit geworden war. Völlig ungeplant, und somit völlig überraschend. Das alles im Moloch Frankfurt, wo doch bekanntlich bei jedem Fußballspiel die Sicherheit der Zuschauer und Akteure gefährdet ist. Schade, dass nicht überliefert ist, ob Peter Beuth vor Ort war. Er hätte sich wohl auch gewundert.

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