Erst ein bisschen besser als letztes Jahr

Eintracht und der Blick zurück: Bobic und Hütter haben die Mannschaft weiterentwickelt

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Ein Blick zurück auf die Eintracht in der Vergangenheit...

Eintracht Frankfurt so gut wie nie? Das ist schwer vergleichbar. Wir werfen einen Blick zurück.

Frankfurt - Bei Meisterschaft (1959) oder UEFA-Pokalgewinn (1980) oder den fünf DFB-Pokalsiegen hatten die Frankfurter auch gute Mannschaften, die guten Fußball gespielt haben. So stark wie lange nicht mehr? Das würde jeder unterschreiben. Dabei genügt der Blick ein Jahr zurück und es fällt auf: Auch im Frühjahr 2018 hatte die Eintracht sich eine ähnliche Ausgangsposition erspielt wie jetzt. Auch damals standen die „Adler“ nach dem 26. Spieltag auf dem fünften Tabellenplatz, hatten bei 42 Punkten nur zwei Zähler Rückstand auf den vierten, den ersten Champions-League-Platz. Jetzt sind es 46 Punkte, immerhin vier mehr, und nur ein Punkt Rückstand. Was heute der europäische Pokal mit dem Einzug ins Viertelfinale ist, war damals der Einzug ins Halbfinale des deutschen Pokals. Ganz so neu ist der „Aufstieg“ der Eintracht also nicht. Er schreitet vielmehr seit dem Fast-Abstieg 2016 kontinuierlich voran.

Eine Kontinuität, und das ist erstaunlich, die übrigens nicht für das spielende Personal gilt. Auch da fördert der Blick zurück in den März des letzten Jahres Erstaunliches zutage. Beim 2:3 in Dortmund am 11. März, hatten nur zwei Spieler (Danny da Costa und Makoto Hasebe) in der Anfangself gestanden, die auch jetzt beim 1:0 gegen Nürnberg dabei waren. Zum Aufgebot gehört haben damals wie heute noch Sebastian Haller, Ante Rebic, Luka Jovic und Johnny de Guzman. Insgesamt ein halbes Dutzend also. Die Eintracht hat sich also verändert und verbessert. Das zumindest ist der Eindruck der letzten Wochen. Trainer Adi Hütter bezeichnet die Eintracht mit Bezug auf die nun schon seit dreizehn Spielen andauernde Serie ohne Niederlage als „Spitzenmannschaft“. Das kann er mit Fug und Recht behaupten, denn die Frankfurter haben in diesem Jahr nicht nur gegen Abstiegskandidaten wie Hannover und Düsseldorf gespielt, sie haben sich auch mit Dortmund, Leipzig und Mönchengladbach gemessen. Und in Europa zwei in der Champions-League gestartete Mannschaften wie Schachtjar Donezk und Inter Mailand besiegt.

Die Personalpolitik vor der letzten Saison war schon erfolgreich. Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf waren die Personifizierungen der mutigen spielerischen Zugewinne. Doch in dieser Saison, im letzten Sommer und jetzt im Winter, haben die Spielerverpflichtungen die nächste Qualitätsstufe erreicht. Mit Kevin Trapp und Filip Kostic sind im Sommer 2018 Spieler gekommen, die ihre Extraklasse Woche für Woche unter Beweis stellen. Mit Evan Ndicka wurde ein Rohdiamant entdeckt. Und im Winter haben Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner mit Martin Hinteregger, Sebastian Rode und Almamy Touré nicht unbedingt spektakulär, aber ungemein effektiv nachgerüstet.

Den größten der vielen kleinen Schritte aber haben die Frankfurter mit Trainer Adi Hütter gemacht. Ihm ist es gelungen, talentierte und etablierte Spieler besser zu machen. Makoto Hasebe hat sich mit 35 Jahren von einem guten Spieler zu einem Klassespieler entwickelt. Danny da Costa ist nicht nur „Dauerbrenner“ und „Dauerläufer“, sondern vor allem Garant für modernes Flügelspiel. Dass er von Bundestrainer Joachim Löw nicht in die neue Nationalmannschaft berufen wurde, kann nicht jeder verstehen. Gelson Fernandes, vor einem Jahr Mitläufer, ist jetzt Vordenker. Sébastien Haller und Luka Jovic haben sich in ihrem zweiten Bundesligajahr in die vorderste Riege der europäischen Stürmer geschossen und gespielt.

Hütter hat die Eintracht auch taktisch weiterentwickelt. Er zeigt der Mannschaft mehr Lösungen auf als es sein Vorgänger getan hat. Die Spielweise ist schöner, offensiver, irgendwie ursprünglicher. Offensive pur, aber nicht zum Selbstzweck. Zuletzt hat die Eintracht auch wieder gelernt, Spiele 1:0 zu gewinnen. Doch ein letzter Blick zurück dient als Warnung: Im vergangenen Jahr haben die Frankfurter von den letzten acht Bundesligaspielen nur noch zwei gewonnen und sind auf den achten Rang zurückgefallen. Die wahren Bewährungsproben kommen also noch. Wie sagt doch Aushilfskapitän Fernandes: „Wir haben noch gar nichts erreicht.“

Von Peppi Schmitt

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Quelle: op-online.de

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