Was passiert mit dem Talent?

Angebliches Interesse des FC Turin an Barkok: „Kein Angebot“

+
Gegen den 1. FSV Mainz 05 schoss Aymen Barkok in der Saison 2016/2017 sein zweites Tor, in der vergangenen Runde traf er allerdings nicht mehr, spielte aber auch nur neunmal.

Frankfurt - Das Gerücht hält sich hartnäckig: Der FC Turin, etablierter Erstligist in Italien und in der abgelaufenen Saison Neunter, bemüht sich um Aymen Barkok. Von Peppi Schmitt

Bestätigt hat diese im Grunde überraschende Personalie niemand. So richtig erklärbar wäre sie auch nicht. Denn Barkok hat keine besonders gute Saison hinter sich. Gerade einmal auf neun Einsätze ist er in der Bundesliga gekommen. Kein einziges Mal hat er über die volle Distanz gespielt. Die Entwicklung des Talents ist ins Stocken geraten, das ist offensichtlich. Sie ist aber auch noch längst nicht abgeschlossen, denn Barkok ist erst zwanzig Jahre alt. Genauso sehen sie das auch bei der Eintracht. Diese sportliche Einschätzung ist mehrheitsfähig, sie hat der ehemalige Trainer Niko Kovac in Einvernehmen mit Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner getroffen.

Barkok bei einem anderen Club Spielpraxis verschaffen, damit könnten sie sich bei der Eintracht anfreunden, ihn endgültig zu verkaufen, eher nicht. „Wir würden ein Ausleihgeschäft bevorzugen“, hat Manager Bruno Hübner dieser Zeitung gesagt. Ein Verkauf mit Rückkaufklausel wäre eine zweite Möglichkeit. Barkok steht noch bis 2020 bei der Eintracht unter Vertrag.

Vom Potenzial des offensiven Mittelfeldspielers sind sie in Frankfurt überzeugt. Ob er den Willen und das Durchsetzungsvermögen hat, dies auch auf Dauer in der Liga umzusetzen, das ist die spannende Frage, die sich viele stellen. Ein schmaler Grat also, auf dem sich die Eintracht mit der von ihr zu steuernden Zukunftsplanung in der Personalie Barkok bewegt. Denn der feine Techniker taugt auch gut dazu, die eigene Nachwuchsarbeit in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Über die SG Praunheim, Rot-Weiss Frankfurt und die Offenbacher Kickers ist der Sohn marokkanischer Eltern 2013 an den Riederwald gekommen. Dort hat er in der B- und der A-Jugend gespielt, eher unauffällig. Doch vor zwei Jahren hat Niko Kovac ihn nach oben zu den Profis geholt. Der ehemalige Eintracht-Trainer hatte bei seinen Besuchen am Riederwald etwas Besonderes bei Barkok entdeckt, etwas, was ihn von den anderen unterschied.

Gleich in seinem ersten Bundesligaspiel am 20. November 2016 in Bremen katapultierte sich Barkok in die Schlagzeilen. Kurz nach seiner Einwechslung gelang ihm in letzter Minute der 2:1-Siegtreffer mit einem spektakulären Schlenzer von der Strafraumgrenze. Wie auf einer Wolke bewegte er sich in den Wochen danach, begeisterte die Fans. Ein Star schien geboren. Gleich in seiner ersten Saison ist der damals noch 18-jährige A-Jugendliche auf 27 Spiele gekommen, im Derby gegen Mainz hat er noch ein zweites Tor geschossen. Die öffentliche Frage lautete: Wo hatte die Eintracht ihn so lange versteckt?

Im zweiten Jahr, eigentlich seinem ersten kompletten als Profi, ist es dem immer freundlichen Barkok so gegangen wie vielen Talenten vor ihm. Er konnte nicht alles halten, was er versprochen hatte. Weniger Spiele, weniger Selbstvertrauen, weniger gute Leistungen – es war ein Teufelskreis. Am Ende gehörte er nicht mehr so oft dem Kader an, fand aber weiter Spielpraxis in der U20-Nationalmannschaft des DFB. Und jetzt stellt sich die Frage, wie die Eintracht mit diesem Spieler weiter umgehen will. Vermutlich wird es so kommen, dass sich der neue Trainer Adi Hütter zunächst selbst ein Bild verschaffen wird vom Leistungspotenzial. Es sei denn, die Italiener aus Turin meinen es wirklich ernst und legen eine lukrative Offerte vor. Bislang gebe es „kein Angebot“, versichert Manager Hübner. Was nicht ist, kann aber ja noch werden.

Traumtore in letzter Minute: Bilder & Videos

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare