Eine Analyse

Deshalb stürzt Eintracht Frankfurt in der Rückrunde nicht ab

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Eintracht Frankfurt um Mijat Gaćinovic ist gut in der Spur.

Frankfurt -  Die Sonne hat gestrahlt am Mittwochmorgen beim Training der Frankfurter Eintracht. Das Wetter passt in diesen Tagen zur Leichtigkeit mit der den Frankfurter Profikickern die Arbeit von der Hand beziehungsweise dem Fuß geht. Von Peppi Schmitt

Ein paar Blicke auf die erste Übungseinheit der Woche nach den Siegen gegen Donezk und in Hannover zeigen: Da strotz eine ganze Mannschaft vor Selbstvertrauen, da wird zwar hart trainiert, aber vieles geht auch fast wie von selbst. Natürlich würde der Trainer so etwas nie zugeben, aber den Beobachtern drängt sich dieser Eindruck auf. Der Ball läuft beim Training in einer Schnelligkeit, Flüssigkeit und Sicherheit durch die Reihen, dass die Erfolge aus den letzten Monaten fast schon logisch erscheinen.

‘Wie am Schnürchen‘ ist in diesem Fall keine Floskel. Die Leistungen auf der internationalen Bühne, aber auch die Resultate in der Liga unterstreichen, dass die Eintracht mehr und mehr wie eine Spitzenmannschaft auftritt. Im ersten Halbjahr gab es eine Serie von elf ungeschlagenen Spielen in den beiden Wettbewerben, jetzt sind es auch schon wieder acht. Das kann kein Zufall sein.

Dabei haben die Frankfurter aktuell sogar drei Punkte weniger auf dem Konto als vor genau einem Jahr. Doch damals folgte unter Trainer Niko Kovac und in Zusammenhang mit dessen Abgang nach München ein unerwarteter Einbruch, der über Wochen nicht aufzuhalten schien und erst vom Pokalsieg am Ende der Saison überdeckt wurde. Jetzt deutet nichts darauf hin, dass die Eintracht komplett aus der Bahn geraten könnte.

Dafür sind zwei Gründe ausschlaggebend. Zum einen ist es Trainer Adi Hütter besser gelungen, mit den Kräften der Spieler hauszuhalten. Der österreichische Fußball-Lehrer beweist viel Geschick in der Trainingssteuerung und dem persönlichen Umgang mit den Spielern. Dass es zu Anfang dieser Woche auf Wunsch der Mannschaft zwei freie Tage gegeben hatte, ist nur ein kleiner Ansatz, um zu verhindern, dass die Kräfte am Ende der Saison in einer Art und Weise zur Neige gehen, wie es in den letzten beiden Jahren bei allen Trainerqualitäten Niko Kovac nicht hingekriegt hat.

Zum anderen kann der Frankfurter Trainer aus den Vollen schöpfen. Kein einziger Spieler hat am Mittwoch beim Training gefehlt, alleine Timothy Chandler hat nach seiner Knieoperation aus dem letzten September noch nicht mit voller Kraft mitgearbeitet. Alle anderen aber sind einsatzfähig. Am Mittwoch waren es 23 Feldspieler und drei Torhüter, die sich bei bester Laune auf dem Platz getummelt haben.

Er habe die „Qual der Wahl“ sagt Hütter und lächelt dabei. Ganz allgemein lieben Trainer diese Art von „Qualen“, weil freie Auswahl besser ist als keine Auswahl. Und im speziellen Fall ermöglichen sie dem Eintracht-Coach körperliche Belastungen mit mehr oder weniger kleinen „Rotationen“ auszugleichen. Es gehört zu Hütters Kernkompetenzen, die Vielfältigkeit im Kader mit all den kleinen und großen Konkurrenzkämpfen mit Fingerspitzengefühl zu moderieren. Diese menschliche Qualität wird neben der fachlichen als Trainer in den nächsten Wochen gefragt sein, wie sich zuletzt in Hannover zum ersten Mal öffentlich gezeigt hatte, als Mittelstürmer Sébastien Haller sich über eine eigentlich logische Auswechslung über Gebühr geärgert hatte.

Der Trainer hat das Problemchen mit Gelassenheit auf kleiner Flamme gekocht. Hütters personelle Variationsmöglichkeiten bewegen sich auf hohem Niveau. In der abwehrenden Abteilung stehen mit den Wintereinkäufen Martin Hinteregger und Almamy Touré und nach der Rückkehr des verletzten Kapitäns David Abraham so viele gute Spieler zu Verfügung wie seit vielen Jahren nicht mehr. Marco Russ und Simon Falette, in der Vorrunde noch häufig eingesetzt, spielen aktuell gar keine Rolle.

Im defensiven Mittelfeld, im ersten Halbjahr noch eine Problemzone, gibt es nun einen großen Konkurrenzkampf. Gelson Fernandes steht nach Verletzung wieder zur Verfügung, auch Lucas Torró hofft auf einen baldigen Einsatz. Makoto Hasebe wurde zuletzt wieder im Mittelfeld eingesetzt, Sebastian Rode ist sowieso unverzichtbar. Mit Johnny de Guzman hat eine Stammkraft aus der jüngeren Vergangenheit aktuell kaum noch eine Chance, Marc Stendera ist noch weiter weg vom Team als vorher.

Als dies ist Ausdruck hoher Qualität im Aufgebot. Über die Stürmer braucht man sowieso keine Worte mehr zu verlieren. Drei Spieler von solcher Klasse wie Ante Rebic, Luka Jovic und Sébastien Haller haben sonst nur die ganz Großen der Branche. Und mit Goncalo Paciencia steht noch einer dahinter, der im Training zeigt, dass auch er Akzente setzen könnte.

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Quelle: op-online.de

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