„Um 19.15 Uhr kam der Anruf“

Als er denkt, dass die Bayern-Bosse nicht zuhören: Eintracht-Insider packt über Deal aus

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Hat der FC Bayern etwa Eintracht Frankfurt mit moralisch fragwürdigen Mitteln den Trainer weggeschnappt?

Am Montagabend im Radio kann man ja mal etwas offener werden, wenn man denkt, dass die FC-Bayern-Bosse nicht zuhören. Genau das machte jetzt Eintracht-Boss Peter Fischer.

Das Wichtigste zuerst:

  • Peter Fischer (62), Präsident von Eintracht Frankfurt, gab am Montagabend in „Mensch, Otto!“ bei Bayern 3 ein ausführliches Interview. 
  • Er schildert, wie der Kovac-Deal wirklich lief: Demnach sei der Coach am Donnerstag, 12. April um 18 Uhr zu Fredi Bobic gekommen und habe ihm mitgeteilt, dass er zum Rekordmeister wechseln würde. 
  • Der Eintracht-Boss glaubt, dass die Info aus der Münchner Ecke noch am selben Abend an die Medien durchgesickert ist. 
  • Trotz allem drückte er dem FC Bayern gegen Real Madrid die Daumen.

München/Frankfurt - Hat der FC Bayern etwa Eintracht Frankfurt mit moralisch fragwürdigen Mitteln den Trainer weggeschnappt? Diese Vorwürfe standen von manchen rund um die Verpflichtung von Niko Kovac im Raum. Tz.de* berichtet darüber. Vor allem Fredi Bobic zeigte sich stinkig. Er nannte das Vorgehen von Bayern „extrem bedenklich und respektlos“. Markige Worte des Rekordmeisters ließen nicht lange auf sich warten - und generell ging es tagelang hin und her.

Steht für markige Worte: Eintracht-Präsident Peter Fischer.

Die Wogen haben sich seitdem wieder so ein bisschen geglättet. Und Eintracht-Präsident Peter Fischer (62) war wohl ohnehin nie so auf 180 wie Sportdirektor Fredi Bobic. „Im Moment ist die Luft ein bisschen dicker, nicht von mir“, so Peter Fischer, „ich halte es für ein vollkommen normales Geschäft“. Der 2,01 Meter große Präsident der Hessen hat am Montagabend in der Radio-Sendung „Mensch, Otto!“ bei Bayern 3 ein langes Interview gegeben. In dem er auch noch einmal ausgiebig über die Causa Kovac sprach. Und zwar ziemlich offen. Er, der Insider, packt aus, wie der Deal wirklich vonstatten ging. „Es ist nicht fein gelaufen, natürlich wollte ich, dass Niko Kovac länger Trainer bei uns ist, natürlich, logo“, sagt Fischer mit bestimmter Stimme.

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„Das ist an einem berühmten Donnerstag gelaufen mit JA, NIKO, WIR WOLLEN DICH!

„Das ist an einem berühmten Donnerstag gelaufen mit JA, NIKO, WIR WOLLEN DICH!“ - Fischer meint den 12. April, an dem die Kovac-Verpflichtung klar gemacht wurde und auch an die Öffentlichkeit kam. Nur was genau an dem Tag zuvor ablief und ob die Bayern und Kovac über Wochen verhandelt und ein doppeltes Spiel gespielt haben, da gibt es unterschiedliche Ansichten.

„Niko Kovac wusste, dass er eine Option für Bayern München ist“

Laut Fischer stellten sich die Vorzeichen wie folgt dar: „Niko wusste, dass er mit einer von mehreren gehandelten Namen ist und eine Option für Bayern München. Ob er so auch so richtig dran geglaubt hat, dass er in der Mühle dieser drei, vier Kandidaten ist? Die Rahmenbedingungen bei Bayern sind jedenfalls einfach. Bei Bayern München musst du nicht über den Vertrag verhandeln. Da gibt es drei Zahlen: So lange läuft er. Das verdienst du. Und den kannst du als Co-Trainer mitbringen.“

Und dann kam jener Donnerstag ... Fischer sei mit seinem Geschäftsführer in einem italienischen Restaurant gesessen, in einer dunklen Ecke, für ein geschäftliches Gespräch. 19.15 Uhr sei es dann seiner Erinnerung nach gewesen, als der Anruf kam. Am anderen Ende der Leitung: Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Er habe Begriffe wie „Halt dich fest“ und „Die Würfel sind gefallen“ gebraucht - da war dem Eintracht-Präsident klar: Sie haben Kovac an Bayern verloren!

„Um 18 Uhr am Donnerstag ging Niko Kovac zu Fredi Bobic“

Fischer plaudert weiter aus dem Nähkästchen über jenen denkwürdigen Tag: „Um 18 Uhr am Donnerstag ging Niko Kovac zu Fredi Bobic und sagte: ‚Ich habe eben einen Anruf bekommen von Bayern München mit einem Vertragsangebot, das sie mir zusenden. Ich bin mir in den Schlüsselstellen klar. Aber darüber haben wir gar nicht zu diskutieren, weil ich zu Bayern München will.‘ Volles Verständnis!“ Das Telefonat zwischen Fischer und Bobic an jenem Donnerstagabend im italienischen Restaurant ging aber noch weiter. Denn sie vereinbarten, absolutes Stillschweigen zu bewahren über den Deal. 

„Wir haben gesagt: Das bleibt vollkommen unter uns.“ Schließlich standen wichtige Spiele für die Eintracht bevor - das Pokal-Halbfinale gegen Schalke und das Bundesliga-Duell mit Hertha BSC. „Danach kann der Knoten platzen“, so die Vereinbarung. Doch der Knoten - vielmehr die Bombe - platzte noch am selben Abend. Um 21.27 Uhr ging auf Bild.de die Meldung online, dass Kovac bei Bayern-Nachfolger von Jupp Heynckes wird. Fischer über die Momente im Restaurant: „Da kam der Kellner und sagt: ‚Der Kovac zu Bayern München, läuft eben hier, bumm!‘ Auf einmal tausend Anrufe auf meinem Handy.“ 

Wer hat den Deal denn noch am selben Abend an die Bild-Zeitung gegeben? Fischer: „Ganz logisch: Wir hatten das geringste Interesse daran, in der entscheidenden Woche so etwas zu bringen. Wir haben ein Stück weit erfahren, es kommt hier aus der Ecke.“ Damit meint er wohl München - das Radio-Gespräch fand ja in der Landeshauptstadt statt. Aber warum sollten die Bayern den Deal durchsickern lassen, will Bayern-3-Mann Thorsten Otto wissen? „Ja, das ist seltsam. 

Aber: Das sind nicht zwei oder drei Personen bei Bayern München oder Eintracht Frankfurt. Da gibt es einen Manager, da gibt es vielleicht einen Anwalt, da gibt es einen guten oder besten Freund oder einen Halbfreund. Und irgendwo rutscht was raus. Null Komma null Vorwurf von mir an Bayern, wirklich null Komma null. Von der Logik her ist nur klar: Eintracht und unser Umfeld hatte da null Interesse dran. Dann ist es in der Kommunikation ein bisschen verrutscht. Punkt.“

„Hoeneß und Rummenigge hören hier eh nicht zu“

Fischer schilderte am Montag verblüffend offene Details in dem Radio-Interview. Und warum? Die Antwort gibt's im Artikel auf tz.de*.

Armin Linder

tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

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