Mannschaft zum dritten Mal umgebaut

Bobic „Manager des Jahres“: „Diese Leute verstehen etwas vom Thema“

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Fredi Bobic

Frankfurt - Jährlich wählt eine Fachjury, unter anderen Joachim Löw und Oliver Kahn, im Auftrag der Fußballzeitschrift „11 Freunde“ den besten Manager einer Bundesliga-Saison. Durchgesetzt hat sich diesmal Fredi Bobic, der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt.

Er sei nicht der Mensch, der auf Ehrungen stehe, schrieb Bobic nun auf Facebook. „Es erfüllt mich aber mit Stolz, wenn ich die Zusammensetzung der Jury beachte“, schrieb er, „da haben Menschen ihr Votum abgegeben, die etwas vom Thema verstehen." Der 46 Jahre alte Bobic hat sich in den zwei Jahren seines Wirkens in Frankfurt, in der er die Mannschaft quasi zweimal umgekrempelt hat, viel Respekt erarbeitet. Mit dem Pokalsieg im Rücken kann er sich voller Selbstvertrauen daran machen, die Eintracht auf das nächst höhere Level zu hieven. Die absolute Rückendeckung im Verein ist ihm gewiss. „Diese Wahl bestätigt Fredis Arbeit bei uns und unsere Entscheidung für ihn“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Steubing. Schon bald will Steubing den bis 2019 laufenden Vertrag mit Bobic und dessen Vorstandskollegen Axel Hellmann und Oliver Frankenbach verlängern.

Bislang hat sich die Eintracht auf dem Transfermarkt eher defensiv verhalten. Bobic lässt sich Zeit, Qualität geht vor Schnelligkeit. Auch vor einem Jahr sind die besten Entscheidungen erst kurz vor dem Rundenstart gefallen. Da hatte er unter anderen Ante Rebic zurückgeholt, nachdem sich die Eintracht noch ein paar Wochen zuvor nicht zu einer Weiterbeschäftigung des kroatischen Angreifers hatte durchringen können. Nun gilt Rebic als eine der höchstgehandelten Aktien im internationalen Fußball. Die Leistungen des Kroaten bei der WM, am Donnerstag gekrönt durch seinen Treffer gegen Argentinien, werden es der Eintracht zwar schwer machen, ihn zu halten. Aber es könnte ihr leicht fallen, ihn zu einem für Frankfurter Verhältnisse absoluten Rekordpreis zu verkaufen. Rebics Ablöse ist frei verhandelbar, allerdings wäre der Vorgängerverein AC Florenz prozentual an einem Weiterverkauf beteiligt. Angeblich geht es da um 30 Prozent.

Auch Kevin-Prince Boateng aus Spanien war einer der Last-Minute-Transfers aus dem letzten Jahr, die die Erfolge erst möglich gemacht haben. Manchmal schlägt Bobic aber auch ganz früh zu. Zum Beispiel bei Sébastien Haller, der vor einem Jahr als erster Neuzugang präsentiert worden war. Es war eine weitere kluge Entscheidung, auch wenn der Franzose nach einem Blitzstart im ersten Halbjahr im zweiten in seinen Leistungen stagniert hatte.

Bobic arbeitet eng mit Manager Bruno Hübner zusammen und verlässt sich auch auf das Urteil von Ben Manga. Der firmiert offiziell bei der Eintracht als „Kaderplaner“. In der Öffentlichkeit taucht er so gut wie nie auf. Intern wird ihm ein großer Teil der erfolgreichen Transfergeschäfte zugeschrieben. Manga hat sich mit Unterstützung von Bobic ein Netz von „Scouts“ aufgebaut. Darin hängen geblieben ist unter anderem auch ein junger Mann namens Luka Jovic. Der Stürmer gilt als Rohdiamant, steht im WM-Aufgebot Serbiens. Das Beste: Der Leihvertrag mit Benfica läuft noch ein weiteres Jahr und eine Kaufoption wurde vereinbart.

Bobic hat die Eintracht-Mannschaft schon zweimal umgebaut. Möglich, dass er es nach der Rückkehr aus seinem Mexiko-Urlaub jetzt zum dritten Mal tun wird. Nicht alle Neuen sind eingeschlagen, das ist normal. Aber Substanz ist bei allen vorhanden. Manchmal ist nur Geduld vonnöten, die intern mehr aufgebracht wurde als extern. Bestes Beispiel: Jonathan de Guzman. Der erfahrene Holländer hatte keinen wirklich guten Start, im Finish der Saison, auch im Finale, hat er dann sein ganzes Potential abgerufen.

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Andere Neue aus dem letzten Sommer gehören längst zum Stammpersonal, Danny da Costa und Carlos Salcedo, mit Abstrichen Gelson Fernandes und Simon Falette. Ob Fernandes und Falette allerdings dauerhaft tragfähige Lösungen sind und ob die jungen Daichi Kamada und Marijan Cavar wirklich das Zeug für die Bundesliga haben, wird erst die Zukunft zeigen. Das Einkaufen aber liegt Bobic, dem Frankfurter Baumeister. Vor allem dafür wurde er zum besten Manager gewählt.

Quelle: op-online.de

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