Teil III der Eintracht-Serie

Boateng: Ein „Prince“ ohne Star-Allüren

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Kevin-Prince Boateng

Frankfurt - Es war der 15. August im letzten Jahr, da ploppte das Gerücht auf, die Frankfurter Eintracht wolle Kevin-Prince Boateng verpflichten. Den Kevin-Prince, den „Bad Boy“ des Fußballs, der auf der Kanareninsel bei UD Las Palmas kickte und längst aus den Augen und dem Sinn der deutschen Fans war. Von Peppi Schmitt

Viele, ich gehörte dazu, haben das für einen Scherz gehalten. Was will die Eintracht denn mit dem? Doch es war kein Scherz. Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Ferdi Bobic haben tatsächlich ernst gemacht. Boateng war ein Thema, Boateng wurde geholt. Es war die beste Entscheidung der Frankfurter „Macher“ in den letzten Jahren. An diesem Tag hat der Erfolgsweg begonnen, der am 19 .Mai zum vorläufigen Höhepunkt geführt hat.

Es hat sich herausgestellt, dass Boateng genau jener Typ Mensch und Spieler war, den die Frankfurter gebraucht haben. Er ist nicht gekommen, um noch ein bisschen in der Bundesliga zu kicken. Nein, der „Prince“ hat Frankfurt als Herausforderung betrachtet. Und als Chance, in Deutschland noch einmal den Beweis anzutreten, welch guter Fußballer er ist. Und wie gereift er als Mensch war. Von Anfang an gab es viele freundliche Worte und kluge Aussagen. Doch Worte können Schall und Rauch sein. Nicht so bei Kevin-Prince Boateng. Die Eintracht hat bekommen, was sie erhofft hatte. Einen Spieler, der den Unterschied ausmacht. Einen meinungsstarken Profi und einen skandalfreien Profi. Auch Boateng hat bekommen, was er sich gewünscht hat. Eine Bühne für seine fußballerischen Künste. Eine Plattform, um sein Image aufzupolieren.

„Prince ist ein Leadertyp, einer, der immer gewinnen will“, hatte Niko Kovac gesagt, der einst in Berlin mit dem ganz jungen Boateng zusammengespielt hatte. Am 18. August, also nur ein paar Tage später wurde Boateng offiziell vorgestellt. Und zwei Tage danach hat er in Freiburg sein erstes Spiel für die Adler bestritten. „Ich will helfen, dass die Eintracht konstanter spielt als in der letzten Saison“, hat er in seiner ersten Pressekonferenz gesagt, „vielleicht klappt es ja dann mit Europa oder wieder mit dem Pokalfinale, das wir dann aber gewinnen.“ Nicht nur ein guter Spieler, sondern auch noch Hellseher.

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Als Boateng am Tag nach dem Triumph von Berlin auf dem Römerbalkon gefeiert wurde, hatte er die Fans und die gesamte Öffentlichkeit schon längst überzeugt. Dass er auch als Entertainer Menschen Freude bereiten konnte, war nur eine Zugabe. Im Spiel gegen die Bayern hatte er seine vielleicht beste Saisonleistung gezeigt. Immer präsent, furchtlos, clever, ein „Krieger“, wie es der Trainer formulierte, der „Anführer“, wie die Medien zu Recht feststellten. Es war beileibe nicht sein einzig gutes Spiel. Boateng hat 31 Bundesligaspiele bestritten, sechs Tore erzielt.

Er hat all das erfüllt, was von ihm erhofft worden war. Privat eher zurückhaltend, ein Häuschen am Stadtrand, eben nicht mitten drin im großen Trubel. „Ich brauche auch mal meine Ruhe“, sagt er. Auf dem Spielfeld hat er viele Positionen ausgefüllt, mal im Mittelfeld gespielt, mal defensiver, mal offensiver, mal ganz vorne wie im Finale. Er ist ein Star der besten Sorte, einer ohne Starallüren. Er ist intern geachtet, was er sagt, hat Gewicht. Er hat den jungen Kollegen Marius Wolf quasi „adoptiert“, hat ihm früh eine große Karriere vorausgesagt. Das wird wohl auch so kommen. Boateng ist ein „Helfer“, mit Rat und Tat.

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Auch abseits des Spielfeldes hat er seinen Mann gestanden. Er ist im Bereich des Profifußballs einer der größten Kämpfer gegen Rassismus, er hat klare politische Vorstellungen, er hat den Vereinspräsidenten Peter Fischer in einer Auseinandersetzung mit der rechtspopulistischen Partei AfD öffentlich unterstützt. Prince ist ein Freund klarer Worte. Sogar seinen alten Kumpel, den Trainer, hat er nicht verschont, als dieser seinen Wechsel zu den Bayern bekanntgegeben hatte. „Wir waren alle geschockt“, räumte Boateng freimütig ein. Und hat dann gleich wieder Verständnis gezeigt und auf dem Spielfeld mitgeholfen, dass die Ära Kovac in Frankfurt positiv zu Ende gegangen ist. „Jetzt haben wir den Pokal, jetzt kann er zu Bayern gehen“; hat er lachend gesagt.

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Ganz am Ende der Saison, vor dem Pokalfinale, waren leichte Zweifel aufgekommen. Boateng hatte nach einer Verletzung aus dem Halbfinale etwas geschwächelt. Die Gesundheit spielte ein paar Wochen nicht mit, die Kraft schien auszugehen. Doch der Prince hat gekämpft. Und hat den Kampf gewonnen, gegen sich selbst und dann gegen die Bayern. Mit Blick auf diesen 15. August im letzten Sommer bleibt festzuhalten: Die Verpflichtung von Boateng war eine „Win-win-Situation“ für alle. Die Eintracht hat endlich wieder einen Star. Und Boateng wird wohl nirgendwo so geliebt wie in Frankfurt.

Quelle: op-online.de

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