„Ich habe Feuer in den Adern“

Bewegender Abschied bei Eintracht Frankfurt: Fischer weint mit Niko Kovac

+
Abschied beim letzten Heimspiel von Eintracht Frankfurt: Trainer Niko Kovac.

Als die Euphorie nach dem 3:0 (1:0) gegen den Hamburger SV ein wenig abgeebbt war, richtete Axel Hellmann den Blick aufs Wesentliche.

Frankfurt - „Wir haben jetzt noch zwei Endspiele“, sagte der Vorstand und Vordenker der Frankfurter Eintracht, „deshalb bin ich mit der Saison jetzt schon total zufrieden“. Die Eintracht spielt am nächsten Samstag auf Schalke um die Europa-League-Teilnahme und eine Woche später in Berlin gegen die Bayern um den DFB-Pokal (Liveticker zum DFB-Pokal-Finale hier). Rechtzeitig für die Finals haben die Frankfurter zurück in die Spur gefunden. „Wir haben heute wieder die Eintracht erlebt, wie sie in der Saison gespielt hat“, sagte Trainer Niko Kovac mit ein wenig Stolz in der Stimme. Laufstark waren die Frankfurter, kampfstark, leidenschaftlich. Die gut 45.000 unter den 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Arena, die es mit der Eintracht hielten, feierten nach dem Abpfiff die Mannschaft mit großem Enthusiasmus.

Eintracht Fans ignorieren Trainer Niko Kovac

Der Trainer, der diese Mannschaft in den letzten beiden Jahren dahin geführt hat, war dabei nur eine Randfigur. Das war eigentlich ein wenig schade, aber es war von ihm selbst verschuldet. Die Fans der Eintracht hatten sich eine klare Strategie zurechtgelegt: Sie ignorierten Kovac weitgehend. Es gab keine Missfallenskundgebungen wegen der Umstände des Wechsels nach München, es gab aber auch keine Begeisterungsstürme. Der Stadionsprecher hatte schon beim Verlesen der Aufstellung auf den Namen des Trainers verzichtet. Das sonst üblichen TV-Interview vor dem Spiel auf den Rasen gab es diesmal auch nicht. Die Eintracht-Regie hatte darauf geachtet, dass Kovac nicht ausgepfiffen wird. Nach dem Spiel, in dem die Mannschaft vieles von dem gezeigt hatte, was ihnen Kovac beigebracht hat, stand er bei den Jubelarien ziemlich alleine da. Die Mannschaft ließ sich vorm Fanblock feiern und Alex Meier wurde frenetisch bejubelt.

Alex Meier (r.) traf zum 3 zu 0 gegen den Hamburger SV. 

Peter Fischer nahm Niko Kovac in die Arme

Kovac stand irgendwo in der Mitte des Rasens, in Gedanken verloren. Dann nahte die persönliche Rettung. Der Präsident eilte auf den Platz und nahm Kovac in die Arme. Fischer und Kovac drückten sich innig, es sollen auch ein paar Tränen geflossen sein. „40.000 Zuschauer haben geweint, als Alex Meier eingewechselt wurde“, sagte Fischer, „da können ein etwas kleinerer und ein etwas größerer Mann auch mal weinen.“ Die letzten Wochen hätten keinen Einfluss auf den Respekt, den er Niko Kovac entgegenbringe. „Ich habe kein Kurzeitgedächtnis“, sagte der Präsident, „ich vergesse nicht Nürnberg, ich vergesse nicht die letzte Saison und ich vergesse nicht diese Saison.“ Er wisse genau, wie wichtig Kovac die Eintracht sei.

Eintracht Frankfurt schlägt Hamburg: Bilder

Letztes Heimspiel für Eintracht Trainer Niko Kovac

Für Kovac war es das letzte Heimspiel. Er schäme sich seiner Tränen nicht. „Ich bin Südländer, ich habe Temperament, ich habe Feuer in den Adern, ich zeige Gefühle“, sagte er, „ich habe hier zwei tolle Jahre erleben dürfen“. Er sei überzeugt, „den Verein auf ein sportlich höheres Niveau gehoben zu haben.“ Für den Trainer war deshalb nicht nur der Sieg, sondern die Art und Weise von großer Bedeutung. Alle Zweifel über die Loyalität der Mannschaft wurden in den 90 Minuten weggewischt. Die Spieler sind Kovacs Weg mitgegangen. „Heute hatten wir wieder Feuer“, sagte Routinier Marco Russ, „das war uns zuletzt etwas verloren gegangen“. Kovac ist es gelungen, es wieder zu entfachen.

Eintracht-Zeugnis gegen den HSV

Das Schlusswort von Präsident Fischer zu Niko Kovac

Die Diskussionen um ihn persönlich dürften beendet sein, was dem ganzen Verein nach den zwischenzeitlichen Turbulenzen so richtig guttut. Die Ära Kovac war bislang sehr gewinnbringend für die Eintracht und sie wird, darauf deutet nun einiges hin, in guter in Erinnerung bleiben. Gegen den HSV hatte der 46 Jahre alte Kroate nochmals ein Gefühl für die Mannschaft unter Beweis gestellt. Er brachte anstelle von Luka Jovic den zuletzt fast in der Versenkung verschwunden Sébastien Haller. Der Franzose erzielte zwar keinen Treffer, war aber an der Entstehung des 1:0 durch Marius Wolf und des 2:0 durch Omar Mascarell entscheidend beteiligt. Die Eintracht war wieder Kovacs Eintracht. Schlusswort des Präsidenten: „Niko sagt, wir fahren nach Berlin und wollen den Kübel mitbringen, ich glaube ihm“.

Peppi Schmitt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare