Zwangsgeld gefordert, obwohl Amtstierärztin es besser wusste

+
Ulrike Pachzelt ist mittlerweile samt Rehbock Rudi in den Neckar-Odenwald-Kreis umgezogen.

Mühlheim – Der Kreis Offenbach hat wider besseren Wissens wochenlang versucht, über 7000 Euro Zwangsgeld bei Igelinsel-Chefin Ulrike Pachzelt zu vollstrecken, weil sie ihren Rehbock Rudi nicht ausliefern wollte. Während der Kreis jetzt zurückrudert, erhebt die Tierschützerin schwere Vorwürfe: „Das Veterinäramt wollte mich fertig machen und finanziell unter Druck setzen.“ Von Christian Reinartz

Der Streit um Ulrike Pachzelts Rehbock Rudi schwelt schon lange, die Fronten sind verhärtet. Während der Kreis Pachzelt den Bock wegnehmen wollte, attestierte der einzige vereidigte Gutachter für Wildtierhaltung, dass Rudi bei ihr leben könne (nachzulesen unter www.extratipp.com)

Gerichtsvollzieher vor der Tür

Unbeeindruckt davon verhängte das Kreisveterinäramt eine Strafe nach der anderen. Über 7000 Euro Zwangsgeld waren zuletzt zusammen gekommen. „Sogar der Gerichtsvollzieher stand vergangene Woche vor meiner Tür und wollte das Geld“, sagt Pachzelt.

Dabei war Pachzelt schon vor Wochen zusammen mit Rehbock Rudi in den Neckar-Odenwald-Kreis geflüchtet, befand sich also gar nicht mehr im Einzugsbereich des Kreises Offenbach. Ihre Igelinsel hat sie geschlossen. Das Zwangsgeld war demnach hinfällig. Der Kreis will davon aber erst aus der Presse erfahren haben, heißt es in einer Mitteilung des Kreises.

Kreis hat keine Forderung mehr

Allerdings hat der Kreis in Person der Amtstierärztin Evelin Jugl, offenbar schon lange von dem Umzug gewusst. Trotzdem wurde weiter versucht, die Zwangsgelder zu vollstrecken. Das bestätigt die Aussage der in Banden-Württemberg zuständigen Amtstierärztin Rebecca Schmidt. „Es gab schon vor längerer Zeit ein Telefonat mit dem Kreis Offenbach in dem auch über den Rehbock gesprochen wurde“, bestätigt Schmidt.

Als der EXTRA TIPP den Kreis damit konfrontiert, geht auf einmal alles ganz schnell. Kreissprecherin Kordula Egenolf: „Sämtliche Forderungen gegenüber Frau Pachzelt bestehen nicht mehr.“ Grund für die weiterlaufenden Zwangsgeldmahnungen sei ein interner Kommunikationsfehler gewesen. Das Mahnverfahren sei einfach weiter gelaufen, weil die Mitteilung des Veterinäramtes bei der zuständigen Stelle nicht angekommen sei, versucht sich Egenolf in einer Erklärung.

Für Ulrike Pachzelt sind solche Ausflüchte eine Farce. Sie hat keinen Zweifel: „Das Veterinäramt wollte mir eins reinwürgen und mich finanziell unter Druck setzen, weil ich nicht gespurt habe. Aber Dank des EXTRA TIPPs ist dieses Treiben jetzt vorbei.“

Kommentare