Wie ungesund ist der Platzmangel?

Alamierende Zustände an Frankfurter Schulen: Unterricht im Container ist Alltag

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Frankfurter Schüler sind oft in zu kleinen Klassenräumen untergebracht.

Frankfurt  – In Frankfurter Schulen herrscht akuter Platzmangel. Deshalb werden immer mehr Kinder in Containern unterrichtet. Doch wie förderlich ist das für die Leistungsfähigkeit? Von Angelika Pöppel 

Die Frankfurter Schulen bröckeln, sie sind veraltet und gnadenlos überfüllt. Deshalb werden immer mehr Schüler in Container abgeschoben. An 58 Schulen in Frankfurt wird der Unterricht in zusätzlichen Containern abgehalten – fast ein Drittel aller Schulen. Kritiker sorgen sich um die Lernfähigkeit der Kinder. Platzmangel ist das Hauptproblem. „Es werden unterschiedliche Container eingesetzt, aber die meisten bieten weniger als drei Quadratmeter Platz pro Kind“, sagt Christoph Baumann  Mitglied der Bildungsgewerkschaft GEW. Das sei viel zu wenig. Bei mindestens fünf Quadratmetern pro Kind müsste ein Klassenzimmer für 30 Kinder schon 150 Quadratmeter groß sein – in der Realität sieht es aber ganz anders aus. Nach neuesten pädagogischen Konzepten benötigen Klassenräume auch Platz für Computer, Leseecken und Ausweichräume für kleinere Gruppenarbeiten. Festgelegt ist es nicht, wieviel Platz jedem Kind zum Lernen zusteht. Zum Vergleich: Gesetzlich stehen Büromitarbeitern acht bis zehn Quadratmeter zu. „Die Stadt Frankfurt hat sich nur um eine Minimalversorgung gekümmert und das ist so auch rechtens“, sagt Baumann.

Drei Quadratmeter pro Kind sind zu wenig

Auch die FDP kritisiert: „Frankfurts Schulen leiden unter dem massiven Sanierungsstau, der in den letzten Jahren entstanden ist“, sagt Stefan von Wangenheim, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Römerfraktion. Die Situation an Frankfurts Schulen sei alarmierend – gezieltes Handeln sei gefordert.

Natürlich ist das alles eine Frage der Kosten. Am Montag wird beim Bildungsausschuss darüber entschieden, welche Schulen in den kommenden Jahren wie viel Geld für die Sanierung und somit die Beseitigung der Container erhalten. Entschieden wird somit auch, über die Zukunft der Wöhlerschule. Das Gymnasium hat als Negativ-Beispiel für die Unterbringung in Containern Schlagzeilen gemacht. Die zusätzlichen Räume wurden nur als Übergangslösung für den Ansturm der G9-Jahrgänge aufgestellt. Doch sie stehen bis heute, weil die Schülerzahlen stetig steigen. Es gibt kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, die Räume sind schlecht gedämmt und zu klein. „Über Nacht kühlen die Räume komplett aus, am Morgen sammelt sich das Kondenswasser auf den Tischen, die Heizung bringt nicht viel, da die Wärme wegen der dünnen Wände und undichten Fenster wieder verloren geht“, beklagt Schulelternbeirat Clemens Fischer, der sich für einen Austausch der Container einsetzt.

Bildungsausschuss entscheidet über Sanierungspläne

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Es gibt auch moderne Container, die in wenigen Fällen sogar mehr Komfort bieten, als die Räume im Schulgebäude. Denn auch die alten Klassenzimmer bieten zu wenig Platz. „Die Schülerzahlen steigen, aber es gibt nicht genug Platz und auch nicht genug Grundstücke auf die ausgewichen werden könnte“, sagt Martin Müller-Bialon, Referent im Bildungsdezernat. Viele Schulen, wie die Bergiusschule und die Elisabethenschule werden in naher Zukunft saniert. Und auch dort steht den Kindern die Auslagerung in Container bevor. „Es ist nicht schön, aber es gibt keine Alternative“, sagt der Referent.

Lehrer Christoph Baumann ist sicher, dass der extreme Platzmangel und die schlechten Bedingungen nicht förderlich für Konzentration und Leistungsfähigkeit der Kinder sein kann. Aber: „Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber, also auch keine Vergleichswerte“, sagt er und fügt hinzu: „Nach pädagogischen Leitlinien ist allerdings der Raum der dritte Pädagoge.“

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