Schlaflos durch rasant steigenden Güterschienenverkehr in Frankfurt

Zug um Zug: Bahnterror

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Hunderte Güterzüge fahren jeden Tag durch Offenbach. Dicht vorbei an den Wohnhäuser

Region Rhein-Main – Laute Güterzüge rütteln täglich die Nerven tausender Frankfurter auf. Mit neuen Bremsen an alten Zügen will die Deutsche Bahn den Krach jetzt reduzieren. Doch mit dem Ausbau des Schienenverkehrs droht noch mehr Lärm. Von Mareike Palmy

Die Region Rhein-Main steht vor einem rasanten Wachstum des Schienenverkehrs. Laut Prognosen wird sich die Anzahl der eingehenden Güterzüge bis zum Jahr 2025 verdoppeln. Besonders auf den Schienen im südhessischen Raum wird es künftig dann noch enger. Und lauter. Denn Hessen beheimatet mit dem Frankfurter Hauptbahnhof auch Europas meistfrequentierten Schienenverkehrsknoten. An einem normalen Werktag fahren hier etwa 140 Güterzüge durch. Dabei sind die Schienenkapazitäten der Region schon jetzt nicht ausreichend. Am Engpass Bahnhof Frankfurt Stadion zum Beispiel fädelt das DB Netz täglich fast 600 Fern-, Güter- und Regionalzüge samt S-Bahnen über stark ausgelastete Weichen und Schienenstränge.

Zu viele“, findet Andrea Volkwein, Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses „Bahnane“, das sich gegen Güterzugverkehr durch Wohngebiete einsetzt. Denn viele Anwohner der Bahnstrecken leiden massiv unter dem Bahnlärm, der durch die in engem Takt verkehrenden Güterzüge verursacht wird. Vor allem nachts. Denn die Güterzüge sind hauptsächlich in der Nacht unterwegs, wenn der Personenverkehr die Gleise freimacht. Dann donnern sie teilweise mit einem Pegel von mehr als 100 Dezibel an den Häusern vorbei.

375 Millionen Tonnen bewegen sich durchs Land

Der Schienenverkehr in Frankfurt nimmt in den nächsten Jahren massiv zu. Schon jetzt fahren täglich hunderte Güterzüge an den Wohnhäusern wie hier in Offenbach vorbei.

Der Güterverkehr wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Für den Ausbau des deutschen Schienennetzes heißt das, dass zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr geschaffen werden müssen. Vor allem in Frankfurt“, sagt Bahnsprecher Hans Georg Zimmermann. Denn allein im vergangenen Jahr wurden auf Deutschlands Schienen so viele Güter transportiert, wie seit 1992 nicht mehr: Laut statistischem Bundesamt bewegten In- und ausländische Eisenbahngesellschaften insgesamt 375 Millionen Tonnen durchs Land.
Am stärksten betroffen sind in Frankfurt Teile von Ginnheim, Bockenheim, Berkersheim, Harheim, Eschersheim, der Heilsberg, die Stadtmitte und das Gallus. Die Anwohner der geplanten Main-Weser-Strecke leiden schon jetzt massiv unter dem Bahnlärm. Zwar prophezeite die Deutsche Bahn, der Ausbau diene nur der S-Bahn, mittlerweile ist die Strecke jedoch als Entlastungsstrecke für Güterzüge aus dem Rheintal vorgesehen und die Güterzugzahl soll sich mindestens verdreifachen.

Flüsterbremse soll kommen

Dabei hat sich die Deutsche Bahn den Lärmschutz groß auf ihre Fahne geschrieben. Ab Mitte Dezember sollen rund 180.000 Waggons mit der sogenannten „Flüsterbremse“ ausgestattet werden. Zudem stehen im Gesamtkonzept der Lärmsanierung auch weite Teile des Rhein-Main-Gebiets auf dem Plan: „Die Reduzierung des Schienenlärms ist ein zentrales Unternehmensziel der Deutschen Bahn. Die Lärmemissionen sollen daher bis zum Jahr 2020 halbiert werden“, sagt Bahnsprecher Zimmermann.

Bahnane-Vorstandsvorsitzende Andrea Volkwein kann über solche Aussagen jedoch nur müde lächeln: „Die vielen Güterzüge werden den Lärmpegel und die Erschütterungen insbesondere nachts erheblich ansteigen lassen. Meterhohe Lärmschutzwände schützen da weder entfernte Grundstücke, noch stellen sie einen Schutz für Erschütterungen dar. Man kann einfach keinen Güterverkehrshauptkorridor durch dicht besiedelte Wohngebiete führen“, so Volkwein.

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