Zensus-Stau im Briefkasten: Amt schickt ständig falsche Fragebögen

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Walter Wick und Tochter Beate Parlesak mit den Briefumschlägen, in denen sich die Fragebögen für die vermeintlichen Eigentumswohnungen der Familie befanden.

Frankfurt – Walter Wick ist ein pflichtbewusster Bürger. Als ein Fragebogen des Zensus 2011 kam, war für den 85-Jährigen klar: Den fülle ich gleich aus. Als Wohnungseigentümer war er ausgewählt worden. Jedoch nicht nur einmal, sondern mehrfach. Seitdem erhält er ständig neue Bögen – obwohl er nur eine Wohnung hat. Von Julia Renner

„Die decken mich hier mit Papier ein“, sagt Wick und zeigt auf einen ganzen Stapel Umschläge und Fragebögen auf seinem Tisch. Der Bornheimer hat eine Wohnung im Ostend. Als deren Eigentümer wurde er für den aktuellen Zensus befragt. „Den habe ich zusammen mit meiner Tochter gleich übers Internet ausgefüllt und weggeschickt“, sagt Walter Wick. „Damit war der Fall für uns abgehakt.“

Für das Statistische Landesamt, das die Befragungen durchführt, allerdings nicht. Es kam wieder Post, mehrfach. Nicht jedoch für die Wohnung des 85-Jährigen, sondern für solche, die ihm überhaupt nicht gehören. Mal gingen die Briefe an ihn, mal an seine Frau Ruth, mal an beide.

Wick rief schließlich die Hotline an – vergeblich. „Ich habe es bestimmt 20 bis 30 Mal versucht“, sagt er. Ständig sei besetzt gewesen. Nur einmal hatte er Glück. Der Mitarbeiter, den er am Telefon hatte, wies ihn jedoch brüsk ab. Begründung: Am Telefon könne man solche Beschwerden nicht entgegen nehmen. In der Zwischenzeit bekam auch Wicks Tochter, Beate Parlesak, mehrfach Post. Ihr gehören drei Wohnungen, und auch sie sollte Bögen ausfüllen für Wohnungen, die ihr nicht gehören. „Ich weigere mich, das ständig auszufüllen“, sagt Parlesak und fragt sich: „Wie weit geht eigentlich meine Bürgerpflicht?“ Sie und ihr Vater fühlten sich langsam belästigt.

Walter Wick ist sauer. „Scheinbar sind die nicht dran interessiert, das Problem aus der Welt zu schaffen.“ Der Senior hat nun auch Sorge, dass er 300 Euro Strafe zahlen muss. Denn die droht denjenigen, die die Zensus-Fragebögen nicht ausfüllen und zurückschicken.

Beim Statistischen Landesamt in Wiesbaden bemüht man sich um Beschwichtigung: „Wir haben uns mit der Familie in Verbindung gesetzt und uns entschuldigt“, sagt Berthold Müller, der bei der Behörde für den Zensus zuständig ist. Die Ursache für den Fehler könne man allerdings nicht genau ausmachen.

Die Daten bezieht das Landesamt von Oberfinanzdirektionen und aus Registern von Kommunen – und die könnten falsch sein. Auch „menschliches Versagen“ durch Tippfehler könne er nicht ausschließen.

Dass allerdings die Hotline unterbesetzt sei, davon will Müller nichts wissen. „35 Leute sitzen an den Telefonen und versuchen, es den Anrufern so einfach wie möglich zu machen.“Der Frankfurter Walter Wick ist erleichtert, dass das Problem dank des EXTRA TIPPs jetzt gelöst ist. „Und jetzt hoffe ich, dass auch wirklich keine Post mehr kommt.“

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