Schmerzen wegen falschen Prothesen

Hoffnung für Rentnerin nach Zahnarzt-Pfusch

+
Elfie Schunk sitzt mit einem Ordner voller Schreiben nach einem Ärztepfusch traurig da. Das Buch Zahnarztlügen zeigt ihr, dass sie nicht allein mit dem Ärger da steht.

Mörfelden-Walldorf  - Elfie Schunk wurde Opfer eines Zahnarzpfuschs. Nicht nur starke Schmerzen belasten sie, sondern auch der ganze Ärger. Nun macht ein anderer Arzt ihr wieder Hoffnung – vielleicht kann sie bald wieder normal essen. Von Silke Gottaut

„Mittlerweile ist es weit aus mehr als Körperverletzung“, sagt Elfie Schunk. „Ich kann weiterhin nur Babybrei, Kartoffelbrei oder mal eine Banane essen.“ Schunk hatte sich vor genau einem Jahr neue Ober- und Unterkieferprothesen in einer Zahnarztpraxis in Mörfelden-Walldorf einsetzen lassen. Doch statt mit den neuen Zähnen wieder genussvoll essen zu können, hat sie beim Kauen und Beißen starke Schmerzen. Ihre Fehlbehandlung wurde von einem Experten bestätigt: Laut einem Gutachter ist die Passform der Prothesen unzureichend und sie müssen ausgetauscht werden.

Ärztepfusch: Neue Zahnprothesen falsch eingesetzt

Mit dieser Information geht die Rentnerin zu ihrer Praxis. Doch die möchte von der Angelegenheit nichts mehr wissen. Elfie Schunk erhält ein Schreiben über eine „Vereinbarung über einen Vertragswandel“ zum Unterschreiben. Das Dokument besagt, dass sie sich einen neuen Zahnarzt suchen kann und sie ihren Eigenanteil von über 2000 Euro nach Rückgabe der Prothesen zurück bekommt. Dafür darf sie aber keine weiteren Ansprüche stellen.

Schunk zeigt die Zahnarztpraxis an

Unter Druck gesetzt und völlig fertig mit den Nerven, geht sie zu ihrer Krankenkasse und unterschreibt. Doch das bereut die Rentnerin sofort und legt umgehend Widerspruch ein. Die Krankenkasse hat jedoch bereits eine Kopie des Schreibens an die Zahnarztpraxis geschickt. Diese verlangt nun ein Original von der Walldorferin, da es sonst nicht gültig ist. Doch dieses Exemplar unterschreibt Schunk nicht. Im Gegenteil: Sie zeigt die Praxis wegen Ärztepfuschs an und nimmt sich einen Anwalt. In einem Brief heißt es: „Entgegen dem Einverständnis und unter Missachtung von Datenschutzbestimmungen sei dieses Schreiben jedoch an die Behandlerin weitergeleitet worden. Diesem Verhalten wird ausdrücklich widersprochen. Darüber hinaus begehrt die Mandantin Schmerzensgeld gegenüber der Behandlerin.“

Neuer Arzt lässt sie wieder lächeln

Doch dies ist nicht der einzige Ärger der Rentnerin. „Ich bin fix und fertig. Nun hat mich ein anderer Zahnarzt bitter enttäuscht.“ Schunk war nun zur Behandlung in Frankfurt. Der Zahnarzt dort versprach ihr in der Praxis die Prothesen auszuwechseln für insgesamt 5000 Euro. Doch Tage später landete der Kostenvoranschlag im Briefkasten: Über 11.000 Euro wollte er. Für Schunk absolut nicht zahlbar. „Der Alptraum nimmt kein ein Ende. Ich möchte endlich wieder normal essen können.“ Hoffnungslos wechselt sie erneut den Zahnarzt. Auf Empfehlung einer Bekannten geht sie nach Mainz. Und dieser Zahnarztbesuch am vergangenen Mittwoch lässt Schunk endlich wieder lächeln: „Es ist wie ein Lottogewinn. Es ist so toll. Ich kann es noch gar nicht fassen.“ Der Mainzer Arzt behandelt die Rentnerin für knapp 3800 Euro. Davon beträgt ihr Eigenanteil nur 1552 Euro. „Ich bin so glücklich. In sechs Wochen geht die Behandlung los. Ich kann es kaum noch abwarten wieder normal essen zu können.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare