Wut, Trauer und Protest

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An der Frankfurter Hauptwache versammelten sich am Montagabend über 1200 Menschen

Region Rhein-Main – Die Welt hält den Atem an: Atom-Alarm in Japan. Nach dem Killer-Erdbeben und dem Todes-Tsunami kämpft der Nippon-Staat gegen den unsichtbaren Tod. Voller Angst blickt der Rest der Welt nach Fernost. Auch die Rhein-Main-Region zittert mit dem Inselstaat. Der EXTRA TIPP hat fünf Tage voller Anteilnahme und Betroffenheit zusammengefasst. Von Mareike Palmy

+++Montag+++ „Tief erschüttert“ schreibt Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth einen Brief an ihre Amtskollegin Fumiko Hayashi in der künftigen Partnerstadt Yokohama.

Auch Hanaus Stadtchef Claus Kaminsky lässt ein Kondolenzbuch im Rathaus auslegen, in dem Hanauer ihr Mitgefühl bekunden können.

Offenbach hat noch keine offizielle Nachricht aus der Partnerstadt Kawagoe. Trotzdem drückt auch OB Horst Schneider seine Solidarität per Brief aus.

Eine Reihe regionaler Unternehmen bangt währenddessen um Mitarbeiter und Kollegen im Land der aufgehenden Sonne. Darunter der Heraeus-Konzern in Hanau und die IHK in Offenbach. Der japanische Autohersteller Honda, dessen Deutschland-Sitz in Offenbach ist, hat den Betrieb in Japan eingestellt.

Zwischenzeitlich kehren zehn Mitarbeiter des Offenbacher Kraftwerkherstellers Areva, die zum Zeitpunkt des verheerenden Erdbebens im japanischen Unglücksreaktor waren, nach Deutschland zurück. „Wir hatten pure Angst!", beschreiben sie die Situation vor Ort.

Die ist langsam in geringerem Ausmaß auch am Frankfurter Flughafen zu spüren. Die Lufthansa lässt ab sofort alle Flugzeuge, die aus Japan zurückkommen, auf Strahlung überprüfen. Die Lufthansa lässt ab sofort alle Flugzeuge, die aus Japan zurückkommen, auf Strahlung überprüfen.

Die japanische Flagge.

Indes beteiligen sich einige tausend Hessen an Mahnwachen gegen die Atompolitik, wie in Seligenstadt, Dietzenbach, Ober-Roden, Jügesheim oder Dreieich.

+++Dienstag+++ Kurseinsturz an der Frankfurter Börse. Die Katastrophe wirkt sich auf den Aktienindex aus. Hessische Ökostromanbieter melden steigende Kundenzahlen.

Gleichzeitig beschließt die Bundesregierung die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke auszusetzen: Biblis A geht noch am Freitag bis mindestens Juni vom Netz. In dieser Zeit soll das AKW einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden.

Wegen der radioaktiven Strahlung fliegt die Lufthansa ab sofort nicht mehr nach Tokio. Nur noch die japanischen Städte Osaka und Nagoya werden angesteuert. Unterdessen erwägt die hessische Landesregierung, Passagiere auf radioaktive Strahlung zu untersuchen.

Wieder finden Mahnwachen in der Region statt. In Darmstadt spricht der evangelische Kirchenpräsident Volker Jung bei einer Andacht für die Opfer.

+++Mittwoch+++Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach meldet erhöhte Radioaktivität in Tokio. Zudem erhält die Lederstadt Nachricht aus Kawagoe, die sich für das Mitgefühl bedankt. Gleichzeitig rufen Parteien der Stadt zu Spenden auf.

Inzwischen hat auch die deutsch-japanische Gesellschaft in Frankfurt, mit ihren mehr als 500 Mitgliedern zum Spenden aufgerufen. Auf deren Internetseite ist auch eine Suchmaske um Personen aus dem Erdbebengebiet zu finden.

+++Donnerstag+++ Der Offenbacher Konzern Areva „verschiebt“ eine vorgesehene Atomlieferung an den Atommeiler Fukushima.

Angesichts der Katastrophe in Japan ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund in Frankfurt zum Protest gegen Atompolitik auf.

Zur gleichen Zeit kontrolliert Flughafen-Betreiber Fraport alle Flieger aus Japan auf Strahlenbelastung. Bislang sind keine verstrahlten Flugzeuge gelandet. Die Lufthansa-Frachttochter Cargo startet zudem einen Hilfsflug, um die japanische Bevölkerung mit Hilfsgütern zu unterstützen.

Unterdessen befürchtet der deutsche Maschinenbau Lieferengpässe in den nächsten Wochen.

+++Freitag+++ Im Landtag kommt der Umweltausschuss zu einer Sondersitzung zusammen. Thema ist die Atom-Situation in Hessen.

Das Bundesumweltministerium empfielt die Strahlenmessung der aus Japan kommenden Passagiere am Flughafen.

Gleichzeitig bieten Offenbacher an, Bürger aus Kawagoe aufzunehmen. Für Samstag ist wieder zu Schweigermärschen hessenweit aufgerufen.

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