Wurzeln und Kerze für  1900 Euro verkauft

Offenbach – Alles begann als die Roma-Frau Linda M. (24) – angeblich eine Wunderheilerin aus Offenbach – im baden-württembergischen Aalen vor einem Modeladen Susanne M. (34) aus Frankfurt ansprach. „Sie sehen sehr unglücklich aus. Soll ich ihnen helfen?“, fragte sie. Da erzählte ihr die gelernte Verwaltungsangestellte: „Ich habe große Sorgen. Das Sorgerecht für meine Tochter hat mein geschiedener Mann, und außerdem habe ich große Sehnsucht nach meinem Freund Mario.“ Die Roma-Frau wusste Rat. „Kaufen Sie eine Wurzel und eine Kerze aus Lourdes, damit kann ich den Teufel austreiben“, versprach sie. Von Klaus Reimann

Im April 2007 kaufte die Unglückliche Wunderkerze und Wurzel für 1900 Euro. Später ließ sie sich dazu überreden, zur Teufelsaustreibung zum Schutz ihrer Tochter nochmal insgesamt viermal Geld in einem McDonald‘s in Frankfurt zu übergeben. Zusammen über 26.000 Euro.

Susanne M. verschuldete sich. Mehrmals rief sie nachts bei Linda an, die ihr versprach: „Sie bekommen ihr Geld zurück.“ Doch bis heute kam nichts.

Am Mittwoch im Prozess vor einem Frankfurter Schöffengericht legte der Verteidiger von Linda M. für seine Mandantin ein Geständnis ab. Ihr damaliger Mann habe sie unter Schlägen gezwungen, immer mehr Geld zu ergaunern. Sie habe von dem Geld nichts abbekommen.

Richter Weise verurteilte die angebliche Wunderheilerin zu 18 Monaten Haft für fünf Jahre zur Bewährung. Außerdem muss sie den entstandenen Schaden wieder gutmachen und der Geschädigten 18.000 Euro zurückzahlen – in monatlichen Raten von 300 Euro.

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