Sie wollte auf einer Stufe stehen und flog

Von Christian ReinartzMühlheim - Magdalene Vongries ist fit. Regelmäßiges Step-Training im Fitnessstudio ist ihr Lebenselixier. Doch Ende April hat ihr die Leiterin des Mühlheimer World-of-Fitness-Studios unvermittelt gekündigt. Weil Vongries ihre Step-Stufe zu hoch eingestellt hat.

Während die Apothekerin beteuert, schon seit 14 Jahren auf Stufe zwei zu trainieren, meint ihr Trainer, das sei zu anstregend und schlecht für die Gesundheit. Doch Vongries will nicht klein beigeben. Sie kämpft für Stufe zwei.

Alles fing an, als Vongries´ Trainer Hajo Prübenau sie anweist, in seinem Kurs die Step-Stufe herunterzustellen. Die Begründung: Verletzungsgefahr und mögliche Gesundheitsschäden. "Ich habe aber schon immer auf der höheren Stufe trainiert", entgegnet die 50-Jährige: "Auf Stufe eins werde ich nicht einmal warm." Prübenau lässt sich aber nicht erweichen.

Eine nervenaufreibende Diskussion beginnt. Vongries will nicht nachgeben. Der Trainer auch nicht. Selbst als Vongries eine unterschrieben Haftungsausschluss-Erklärung abgeben will, bleibt der Trainer dabei: "Der Step bleibt unten." Er wolle keine Ausnahmen machen, weil "sonst alles 30 Mädels im Kurs die zweite Stufe wollen." Der Streit eskaliert, als Prübenau und die Studioleitung drohen, Vongries mit Hilfe der Polizei aus dem Studio entfernen zu lassen. "Draußen haben schon die Damen meines nächsten Kurses gewartet", sagt Prübenau: "Und sie hat immer weitergeredet."

Magdalene Vongries: "Es war anders." Statt sich auf eine Diskussion einzulassen habe der Trainer ihre Ausschluss-Erklärung zerissen und sofort mit der Polizei gedroht. "Ich bin doch ein freier, erwachsener Mensch und kann selbst entscheiden, was ich mir zumute", regt sie sich auf: "Da brauche ich niemanden, der mich wie ein Kind bevormundet. Schließlich zahle ich dort Beitrag."

Orthopädin Sabine Arentz vom Sportmedizinischen Institut in Frankfurt sieht das ähnlich: "Wer in einem entsprechenden Trainingszustand ist, kann ohne Gefahr auf einer hohen Step-Stufe trainieren." Nur bei untrainierten Menschen sei ein höheres Verletzungsrisiko gegeben.

Die Kündigung will die Apothekerin deshalb nicht ohne weiteres hinnehmen: "Die haben mich unmöglich behandelt". Sie habe sich in allen Punkten korrekt verhalten. Deshalb überlegt sie jetzt, vor Gericht zu ziehen. "Aber wenn sich jemand entschuldigen würde, würde ich dort gerne weitertrainieren", versichert sie.

Darauf wird sie wohl lange warten müssen. Studio-Inhaberin Michéle Wachtel stellt klar: "Ihr Vertrag wurde schon vor Jahren vom Vorbesitzer des Studios aus denselben Gründe nicht verlängert." Das habe sie aber erst mitbekommen, als Vongries sich längst wieder angemeldet habe. Ihre Geduld sei nun erschöpft: "Wenn sich jemand über Jahre hinweg den Anweisungen der Trainer widersetzt, können und wollen wir ihn nicht weitertrainieren."

Kommentare