Kampf um jedes Zimmer

Keine Wohnung, weil Sofiia Ukrainerin ist

Frankfurt – „Wenn die Vermieter meinen ukrainischen Akzent hören, sagen sie gleich ab“, ärgert sich Jura-Studentin Sofiia Kokotchykova.  Seit Monaten sucht sie eine Wohnung – vergeblich. Besonders Erstsemester sind verzweifelt auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen. Von Jennifer Dreher

„Viele haben erst vor einer Woche den Bescheid von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen bekommen“, sagt Christamaria Weber vom Studentenwerk in Frankfurt. Mitte Oktober beginnen an Frankfurts Hochschulen die Vorlesungen.

Zirka 7500 Erstsemester strömen dann in die Hörsäle. 800 davon kommen aus dem Ausland. „Viele kommen mit der Illusion zu uns, dass ein Wochenende reichen würde, um eine günstige Wohnung zu finden. Das ist selten so“, berichtet Weber. Der Wohnungsmarkt in Frankfurt sei für jeden Suchenden problematisch. „Aber beim knappen Budget der Studenten wird es noch schwieriger“, bestätigt Katrin Wenzel, PR-Leiterin des Studentenwerks.

Frankfurter Studenten geben rund 325 Euro für Miete aus

Frankfurter Studenten geben durchschnittlich 325 Euro für Miete inklusive Nebenkosten aus. Damit ist Frankfurt laut einer Erhebung vom Deutschen Studentenwerk Spitzenreiter in Deutschland.

Als Sofiia Kokotchyova ihr Studium begonnen hatte, half ihr das Glück. „Ein Bekannter konnte mir eine Wohnung vermitteln“, erinnert sie sich. Ihr Eigen nennt sie eine 18-Quadratmeter große Einzimmerwohnung. Viel lieber würde sie mit ihrem slowakischen Freund zusammen wohnen. Aber das erweist sich als Problem. Zum einen seien die Wohnungen zu teuer, zum anderen steht ihre Staatsbürgerschaft dem Wohnungsglück im Weg, so die Jura-Studentin. „Die Bürgschaft meiner Eltern will niemand anerkennen. Dabei ist mein Vater Arzt“, berichtet sie.

Dieses Problem treffe fast alle ausländischen Studierenden. „Häufig müssen sie wochenlang in Hostels oder Jugendherbergen unterkommen“, sagt Weber. Die Wohnheime seien voll, die Wartelisten lang. Selbst provisorisch eingerichtete Notzimmer seien alle belegt.

Mit Plakaten auf Misere aufmerksam machen

Mit Plakaten in Frankfurter S- und U-Bahnen macht das Studentenwerk seit einer Woche auf die Misere der Studierenden aufmerksam. „Es kamen schon mehr Vermieter auf uns zu, aber das ist bei weitem nicht genug“, bedauert Weber.

Die ideale Wohnung für den Studenten sei in Campusnähe und sollte für eine Person 300 Euro warm kosten. „Der Bafög-Höchstsatz liegt bei 643 Euro“, sagt Weber. Sie hofft, dass sich mehr Vermieter melden und appelliert an die Frankfurter: „Auch wer für zwei, drei Monate ein Zimmer vermieten kann, hilft damit ungemein.“

   

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