Dreieich möchte Spielplätze schließen und Grundstücke verkaufen

Wird Finanzmisere auf dem Rücken der Kinder ausgetragen?

Tobias Quick auf dem Spielplatz an der Bergstraße in Offenthal. Zusammen mit Thorsten Pache möchte der Familienvater verhindern, dass die Anlage der Sparpolitik zum Opfer fällt. Foto: nkö

Dreieich – Die Empörung ist den Offenthaler Eltern deutlich anzumerken. Der Spielplatz an der Bergstraße, auf dem ihre Kinder fast jeden Tag spielen, steht auf einer Streichliste der Stadt Dreieich. Von Norman Körtge

Möglicherweise soll das Spielplatz-Grundstück verkauft werden, um Kosten zu sparen und den Schuldenberg abzubauen.

0,4 – diese Zahl geht Tobias Quick nicht aus dem Kopf. Der Offenthaler hat sie in dem 22-seitigen Papier „Kienbaum Nr. 5 – Schließung und Verkleinerung städtischer Spiel- und Bolzplätze“ entdeckt. Von 0,4 Quadratmetern Spielplatzfläche pro Einwohner geht die Consulting-Firma Kienbaum, die der Stadt Dreieich Einsparvorschläge unterbreitet, aus. Bei den insgesamt 38 Spiel- und Bolzplätzen in Dreieich kommt Kienbaum schließlich auf eine Quote von 1,27. Viel zu hoch meinen daher die Kienbaum-Sparfüchse. Deshalb hat der Magistrat beschlossen, elf aufgelistete Anlagen zu schließen beziehungsweise die Grundstücke zu verkaufen. Darunter das an der Bergstraße.

„Woher nimmt Kienbaum die 0,4?“, fragt sich Quick. Er recherchierte lange im Internet, schaute bei anderen Städten nach, aber eine so niedrige Zahl fand er nirgends. Auf Nachfrage des EXTRA TIPPs erklärt die Dreieicher Stadtverwaltung, dass Kienbaum die 0,4 aus eigenen Erhebungen gewonnen habe.

Der Hessische Städtetag und der Hessische- Städte- und Gemeindebund (HSGB) jedenfalls geben keine Empfehlungen ab. Vielmehr müsse bedarfsgerecht entschieden und die Öffentlichkeit einbezogen werden. Auch spielt die Altersstruktur eine Rolle. „So dürfte regelmäßig der Bedarf in kleineren nordhessischen Gemeinden, die ungleich stärker als der Durchschnitt vom demographischen Wandel betroffen sind, niedriger anzusetzen sein als in einer wirtschaftlich prosperierenden Stadt mit großen Neubaugebieten, die regelmäßig junge Familien anzieht“, sagt Florian Christopher Weber vom HSGB.

Wasser auf die Mühlen von Tobias Quick und seinem Mitstreiter Thorsten Pache, die mittlerweile knapp 100 Unterschriften gesammelt haben. In dem Wohngebiet rund um den Spielplatz findet ein ausgeprägter Generationenwechsel statt, schreiben sie in einem Brief an Bürgermeister Dieter Zimmer, den Magistrat und die Stadtverordneten. Zirka 25 Kinder wohnen in der direkten Umgebung des Spielplatzes mit dem alten Baumbestand, den sie als „kleines Juwel in unserer Stadt, ein Kleinod des sozialen Miteinanders der verschiedenen Generationen“ bezeichnen. Auch deshalb wehren sie sich gegen eine mögliche Verlagerung zur Kita Rückertsweg. Dort, so befürchten sie, gebe es nicht mehr die Möglichkeit, dass zeitgleich Kinder im Sand spielen, größere Kinder klettern, Jugendliche und Erwachsene Federball- und Tischtennis spielen können.

Und ganz generell fragen Quick und Pache: Sind unsere Kinder nicht unser höchstes Gut? Wer hat die Finanzmisere zu verschulden? In dem Schreiben liefern sie auch eine Antwort: „Sicher nicht unsere Kinder.“

In der Bürgerversammlung am Montag, 17. Juni, um 19 Uhr in der Philipp-Köppen-Halle in Offenthal, Friedhofstraße 1, wollen die Spielplatzbefürworter ihr Anliegen zur Sprache bringen. Außerdem auf der Tagesordnung: Die Nahversorgung in Offenthal und die Gestaltung der Ortsdurchfahrt nach Fertigstellung der Ortsumfahrung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare