Wirbel um Kroko-Ausbruch: War es ein gefährlicher Werbe-Gag?

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Rene Renz streichelt Frankfurts bekanntestes Krokodil, den 65-jährigen Ali.

Frankfurt – Alligator Ali sorgt für Aufruhr. Am Samstag vor einer Woche krabbelt das 65-jährige Krokodil unbeirrt durchs Frankfurter Ostend. Wenig später wird es von seinen Pflegern wieder eingefangen. Peta-Aktivisten sind schockiert: „Das hätte ein Kind das Leben kosten können“, warnen sie. Es sei möglicherweise ein gefährlicher PR-Gag gewesen. Auch der Dietzenbacher Kroko-Experte Orazio Martino sagt: „Das darf nicht passieren!“ Von Jennifer Dreher

Was denn genau vorgefallen ist, erklärt Aussteller Rene Renz vom Land der Reptilien, das noch bis zum 29. August an der Honsellbrücke gastiert. „Ali ist ein sehr fauler und träger Alligator. Nachts darf er sich im Zelt frei bewegen. Ich denke, die vibrierenden Bahngleise und die Zuggeräusche, die den Balzlauten der Alligatoren ähneln, haben ihn munter gemacht, sodass er unters Zelt hindurch gekrabbelt ist“, vermutet der 25-Jährige. Ein Werbe-Gag sei es aber nicht gewesen. „Dann hätten wir ihn tagsüber ausbrechen lassen und direkt auf der Hanauer Landstraße. Das wäre werbewirksam gewesen“, berichtet Renz. Und auch Werner Weigele vom Land der Reptilien sagt: „Wenn es nur darum ginge, einen Werbe-Effekt zu erzielen, dann hätten wir Ali vor ein Frankfurter Zeitungshaus gelegt.“

Peta erinnert an schwere Unfälle bei Familie Renz

Orazio Martino

Ob Werbe-Gag oder nicht: Die Tierrechtsorganisation Peta fordert seit langem ein Wildtierverbot in Zirkussen und mobilen Shows. „Es gab schon mehrere Zwischenfälle wie 2002, als ein Krokodil der Familie Renz einen Dompteur in den Kopf biss und ihn schwer verletzte. Zudem wurde ein Alligator auf der Autobahn überfahren, weil die Transportertür nicht richtig verschlossen war“, zählt Carola Schmitt, Sprecherin von Peta auf. Sie glaube nicht, dass die Familie Renz ihre Tiere unter Kontrolle hat und artgerecht hält. „Ein Krokodil braucht eine Fläche von einem Viertel-Fußballfeld. Das ist in der Ausstellung nicht gegeben“, kritisiert sie. Zudem bezweifelt sie die Friedlichkeit der Alligatoren. „Wenn es ein Werbe-Gag war, wie es bei vielen Zirkussen üblich ist, dann ein sehr gefährlicher sowohl für das Krokodil als auch für den Menschen.“ Das sieht Orazio Martino, der selbst Alligatoren besitzt, anders. „Solange man einem Mississippi-Alligator nicht zu nahe kommt, kann nichts passieren. Die sind sehr friedlich. Aber das Krokodil selbst hätte sich verletzten können. Ich lasse meine Alligatoren nie aus den Augen“, sagt er.

In Zukunft wird Ali bewacht

Daran wollen sich auch in Zukunft Alis Tierpfleger halten. „Damit das nicht nochmal passiert, haben wir eine Nachtwache installiert. Die Alligatoren sind 24 Stunden unter Beobachtung“, berichtet Renz.
Das reicht Carola Schmitt nicht. Sie fordert: „Erst wenn die Leute nicht mehr zu der Ausstellung gehen, wird das Leid der Reptilien beendet.“ Ein Aufruf, dem Rene Renz entgegen hält: „Nach Alis Ausbruch waren drei Leute vom Frankfurter Veterinäramt da und haben nichts zu beanstanden gehabt. Normalerweise kommt bei einer Kontrolle nur einer. Wir wissen genau, was unsere Tiere brauchen und versorgen sie bestmöglich“, verteidigt er die Reptilien-Ausstellung: „Die Leute sollten sich am besten vor Ort selbst ein Bild machen, dass es den Tieren hier gut geht.“

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