Neues Gesetz betrifft Fahrradfahrer und Reiter

„Wir werden aus dem Wald verbannt“

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Hat der Spaß bald ein Ende? Vor allem Mountainbiker sehen sich durch das neue Waldgesetz erheblich in ihrem Hobby eingeschränkt.

Taunus – Ein neues Waldgesetz für Hessen ist in Arbeit. Darum läuten Mountainbiker, Fahrradfahrer und Reiter die Alarm-Glocken. Grund: Sie fühlen sich gemaßregelt und fürchten, dass sie aus den Wäldern ausgesperrt werden. Laut Umweltministerium werden jedoch mehr Freiräume geschaffen.  Von Dirk Beutel

Das sehen Waldbesitzer gar nicht gern: Mountainbiker auf einer selbstgebauten Trail-Rampe.

Die Wut über das geplante neue Waldgesetz ist Thomas Kleinjohann deutlich anzuhören. Der Bundesvorsitzende des Verbandes „Deutsche Initiative Mountain Bike“ geht auf Konfrontation mit der Hessischen Landesregierung, die gerade an einem Entwurf für ein neues Waldgesetz arbeitet, und hat dafür eine Online-Petition gegen den Gesetzesentwurf ins Leben gerufen. Das Echo der Petitions-Befürworter ist größer als vermutet: In wenigen Tagen haben sich über 25. 000 Menschen in die Liste eingetragen.

Naturerlebnis hoch zu Roß: Auch Reiter im Taunus fühlen sich ihrer Rechte beraubt.

Worum geht´s? Die Mountainbiker sehen sich ihrer Grundrechte beraubt. Laut dem neuen Gesetz dürften sie nicht mehr auf unbefestigten Wegen ihre Runden drehen, sondern nur noch dort, wo auch ein Auto fahren kann. Kleinjohann: „Eine völlig überzogene Regelung. Damit verlieren wir 75 Prozent unserer Wege.“ Denn Mountainbiker bevorzugen vor allem schmale, naturnahe Wege. „Schon jetzt sind im Taunus diverse Pfade gesperrt“, sagt Kleinjohann. „Mit Sicherheit einige zurecht, trotzdem überschreiten da einige ihre Kompetenzen.“ Darüber hinaus seien die Bußgelder völlig unverhältnismäßig. Im schlimmsten Fall kämen auf erholungssuchende Waldbesucher Geldstrafen bis zu 100.000 Euro zu, wenn man sich im Wald nicht vorschriftsmäßig verhalte.

Auch Otto-Normal-Fahrradfahrer können es kaum fassen: „Will sich eine Gruppe zum Radfahren treffen, muss man den Waldbesitzer um Erlaubnis fragen. Das kann´s nicht sein“, sagt Holger Küst, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Kreisverband Main-Taunus. Das betreffe auch die Geocacher.

In das gleiche Horn blasen die Geländereiter. Aber nur vereinzelt. Frank Mechelhoff, der seit Jahren die Wälder im Hochtaunus für sein Hobby nutzt, kritisiert: „Sowohl der Hessische Reit- und Fahrverband als auch die Vereinigung der Freizeitreiter scheinen die Tragweite nicht zu erkennen.“ Auch Mechelhoff macht mittlerweile mit einer eigenen Online-Petition gegen das neue Waldgesetz mobil. Er will sich mit Händen und Füßen wehren: „Wir werden durch das neue Gesetz regelrecht aus dem Wald verbannt.“

Thorsten Neels, Sprecher des Umweltministeriums, hält dagegen: Das Radfahren abseits von befestigten Wegen sei sowieso die ganze Zeit verboten gewesen. „Es wird so getan, als sei alles im Wald erlaubt, das stimmt aber nicht.“ Denn der momentane Gesetzestext lässt Raum für Interpretation: Es ist nicht definiert, was ein befestigter Weg ist. Das werde nun geregelt. Zumal das ursprüngliche Gesetz aus den siebziger Jahren stamme. Aus einer Zeit, in der Fahrräder höchstens mit einer Drei-Gang-Nabenschaltung ausgestattet waren. Mit dem neuen Gesetz werde dem neuen Freizeitverhalten der Fahrradfahrer Rechnung getragen. Neels: „Im Grunde ändere sich nichts. Aber mit dem neuen Gesetz sind wir in der Lage, mehr spezielle Angebote für Mountainbiker zu schaffen.“ Das war vorher nicht möglich. Waldbesitzer könnten dann entsprechende Pfade oder lenkerbreite Singletrails freigeben, die etwa im Wald lebende Wildtiere nicht stören. Außerdem relativiert der Sprecher: Keine Gruppe müsse sich vorher anmelden. Das sei lediglich bei offiziellen Veranstaltungen der Fall. Auch das war vorher die Regel. „Wir wollen vermeiden, dass es zu Konflikten unter den Waldbesuchern und der Natur kommt“, sagt Neels.

Denn vor allem in den Mittelgebirgen, wie im Taunus, entstünden illegale Singletrails und Downhillpfade. Dazu komme es vor, dass schwarze Schafe mitten im Unterholz Sprungschanzen bauen. Christian Raupach, Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes, betont: „Wir wollen, dass der Wald für jeden zugänglich ist. Aber bitte nicht überall, sondern nur dort, wo es auch erlaubt ist.“

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