Wenn der Nachbar zum Feind wird

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Mit geballter Faust: Nachbarschaftsstreitigkeiten werden immer erbitterter geführt.

Region Rhein-Main – Kriegsgebiet Gartenzaun: Dass Nachbarn oft in Streit geraten, ist nichts Neues. Doch immer häufiger wird daraus ein regelrechter Krieg. Das haben die Schiedsmänner der Region festgestellt. Zwei aktuelle Fälle zeigen, welches Ausmaß das annehmen kann. Von Christian Reinartz

Margitta Massing hat Angst, ihren Briefkasten zu öffnen. Hat Angst, dass schon wieder Kataloge mit ihrer Adresse auf der Rückseite darin liegen. Jeder einzelne dokumentiert, dass jemand Margitta Massing terrorisieren will. „Ich weiß, dass es jemand aus der Nachbarschaft ist“, sagt die Hainburgerin. Auch ihre längst verstorbenen Eltern litten unter dem Post-Terror (der EXTRA TIPP berichtete). Höhepunkt des Nachbarschafts-Kriegs: „Die haben mein Haus einfach beim örtlichen Immobilienmakler zum Verkauf angeboten“, berichtet Massing. Auch die Polizei konnte ihr bisher nicht helfen: „Weil ich nichts beweisen konnte.“

Beweisen kann auch Nadine Schmittdiel aus Heusenstamm nichts. Doch die junge Mutter ist sicher: „Leute aus der Nachbarschaft haben unsere Autos nun schon zum fünften Mal beschädigt.“ Sie ist sicher, dass es sich um gezielte Anschläge handelt. „Ich parke manchmal, wenn ich mit meinen beiden Kindern nach Hause komme ein Stück auf dem Gehweg“, sagt Schmittdiel. „Aber das passt einem bestimmten Herrn nicht.“ Sie und ihr Mann hätten wegen dem Terror sogar schon überlegt, wegzuziehen. Schmittdiel: „Da fühlt man sich doch nicht mehr sicher.“

Für den Offenbacher Schiedsmann Werner Frei gehören solche Fälle längst zum Tagesgeschäft. „Die Nachbarschaftsstreitigkeiten werden immer schlimmer.“ Das hat der 68-Jährige, der seit 24 Jahren im öffentlichen Auftrag Streit schlichtet, beobachtet. Sein Kollege Helmut Trebus aus der Kreisstadt Dietzenbach bestätigt: „Früher wurden Meinungsverschiedenheiten beim Sonntagsfrühschoppen besprochen. Großmut bei Bagatellen zeigt heute keiner mehr.“

Den Grund für die immer häufigere Eskalation sieht Trebus in der „durchfremdeten“ Gesellschaft, in der sich die Nachbarn nicht mehr kennen.“ Schiedsmann Werner Frei ergänzt: „Gerade in dieser Region kommt es durch die räumliche Enge gehäuft zu solchen Streits.“ Da bestünden die Leute mitunter wegen zwei Zentimetern Gehwegplatten auf ihr Recht.

Beide Schiedsmänner sehen im Streitfall nur eine Möglichkeit, einer solchen Eskalation sicher zu entgehen: „Rechtzeitig den Schiedsmann einschalten und Probleme offen ansprechen.“ Sonst wird aus dem harmlosen Streit schnell ein erbitterter Krieg am Gartenzaun.

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