Wenn illegale Knaller zu Geschossen werden

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Sie sind Feuerwerk-Profis: Ursula Balzer und Sohn Peter verkaufen in ihrem Ladengeschäft ausschließlich Marken-Knaller, die geprüft sind.

Region Rhein-Main – Feuerwerk aus Polen gibt es derzeit an vielen Straßenecken zu kaufen. Dabei bergen die Ost-Knaller große Gefahren. Sie sind so minderwertig, dass bei der Explosion kleine Tonstückchen aus dem Inneren zu gefährlichen Geschossen werden können. Von Christian Reinartz

Das ist wirklich gefährlich“, warnt Ursula Balzer. Sie ist die Chefin von Frankfurts Feuerwerksbetrieb Nummer eins. Seit 40 Jahren ist Feuerwerk ihr Beruf. Niemand kennt sich besser aus mit den explosiven Mischungen. Niemand weiß besser, welche unglaubliche Kraft hinter Knallern stecken kann, die kein Prüfsiegel der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) tragen. „Viele von denen sind so billig gebaut, dass bei der Explosion kleine Tonstückchen umhergeschleudert werden“, sagt Balzer: „Das kann ganz schnell ins Auge gehen.“

Schuld an der Misere sind aber nicht nur die Knallkörper aus Polen, sondern auch die Hersteller, die immer grenzwertigere Knaller herstellen. Die Zulassungsrate der BAM veranschaulicht den Böller-Wahnsinn. Fast 70 Prozent des dort untersuchten Feuerwerks erhält kein Siegel. Darf also auf dem deutschen Markt eigentlich nicht verkauft werden. „Über welche dunklen Kanäle das Zeug dann doch vertrieben wird, kann man nur vermuten“, heißt es bei der Polizei. Die ist in Sachen Böllern aber weitestgehend machtlos. Pressesprecher Alexander Kießling: „Für uns ist es im Grunde unmöglich diesen Böllern auf die Schliche zu kommen, da meistens im Privaten geknallt wird.“ Und selbst wenn man mal einen besonders lauten Knall höre, seien die Jugendlichen meist schon über alle Berge. „Wir gehen davon aus, dass wir erst in der Neujahrswoche merken, wie viel Schaden die illegalen Böller angerichtet haben“, sagt Kießling. Er rechnet vor allem mit aufgesprengten Zigarettenautomaten oder Briefkästen. „Das schafft kein legal erhältlicher Silvesterknaller.“

Wie man sicher geht, dass das Feuerwerk nicht zur bösen Überraschung wird, sollte die Tipps von Feuerwerkerin Ursula Balzer beachten.

So knallt‘s sicher

1. Finger weg von Knallern, wenn man angetrunken ist, sonst neigt man zu gefährlicher Selbstüberschätzung.

2. Grundsätzlich genügend Abstand zum Feuerwerk halten und andere Menschen im Umkreis warnen.

3. In die Hände von Kindern und Jugendlichen gehören keine Knaller, die für Erwachsene sind

4. Nur Feuerwerkskörper mit BAM-Nummer verwenden.

5. Vor der Zündung genau die Betriebsanleitung lesen. Unter keinen Umständen mehrere Böller gleichzeitig zünden oder zusammenbinden.

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