Weniger arme Kinder? Von wegen!

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Martina Ali und Tochter Nesrin vor der Ausgabestelle der Tafel in Offenbach.

Region Rhein-Main – Während die Bundesagentur für Arbeit den Rückgang der Kinderarmut um 13,5 Prozent feiert, zweifeln Betroffene und Tafel-Mitarbeiter aus Offenbach und Frankfurt die Statistik an. Tafel-Chefin Christine Sparr: „Zu uns kommen Woche für Woche mehr arme Kinder.“ Von Christian Reinartz

Die reden ihre Zahlen doch nur schön!“ Die Offenbacher Tafelchefin Christine Sparr ist sauer: „Die Zahl der armen Kinder hier in Offenbach und Frankfurt nimmt nicht ab. Das sehen wir jede Woche an unseren Ausgabestellen.“ Dort würde die Not immer größer.

Hartz-IV-Empfängerin Martina Ali bestätigt Sparrs Einschätzung: „Von wegen weniger arme Kinder. In meinem Bekanntenkreis müssen immer mehr Familien in Hartz IV.“ Auch Nehal El Mongy hat diese Erfahrung gemacht. Sie habe beobachtet, dass sogar zunehmend ehemals gut situierte Familien, plötzlich von der Stütze leben müssten oder für einen Billiglohn jobben würden.

Die offiziellen Zahlen der Mainarbeit scheinen den Bundestrend lokal widerzuspiegeln. Wenn auch nicht ganz so glanzvoll. Demnach ist in Offenbach die Zahl der Hartz-IV-Kinder, bereinigt vom Bevölkerungswachstum, seit 2006 um vier Prozent zurückgegangen, in Frankfurt nur um 3,6 Prozent. Das ist Mittelmaß.

Zweifel an den Zahlen lässt Matthias Schulze-Böing, Leiter der Mainarbeit in Offenbach aber nicht gelten. Er versichert: „Das sind harte Zahlen.“ Diese zeigten gut, wie sich die Armut in der Region entwickelt habe.

Für Christine Sparr ist die Statistik der Arbeitsagentur nicht aussagekräftig. „Das ist Augenwischerei“, sagt sie. „Die haben dort doch nur Leistungsbezieher aufgenommen.“ Dabei würden immer mehr Offenbacher und Frankfurter Kinder in Armut leben, weil deren Eltern nur einen Billiglohn verdienten. „Aber die tauchen in keiner Statistik auf. Sondern bei uns an der Tafel.

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