Das verdienen Friseure, Köche, Raumpfleger, Hotelfachleute 

Kein Bock auf Billig-Arbeit

Voller Terminkalender aber keine Entlastung: Maria Torres und die Inhaberin von Main-Haar Trend, Gabriele Reineke, finden keine ausgelernte Teilzeitkraft. Foto: db

Offenbach – Will jetzt keiner mehr als Friseur arbeiten? Die Mitarbeiter des Friseurbetriebes Main-Haar Trend arbeiten seit Monaten voll durch, obwohl die ganze Zeit nach einer ausgelernten Teilzeitkraft als Entlastung gesucht wird. Doch bisher hat sich niemand auf die Stelle beworben. Von Dirk Beutel

Das Auftragsbuch ist voll, aber die Akkus sind leer. Gabriele Reineke, Inhaberin des Friseursalons Main-Haar Trend und ihre langjährige Mitarbeiterin Maria Torres suchen seit Anfang April händeringend nach einer Teilzeitkraft, die sie entlastet. Obwohl sie sämtliche Möglichkeiten für eine Stellenanzeige ausgenutzt haben, gab es darauf keine einzige Bewerbung. Von der Agentur für Arbeit gab es in der Zeit 23 Vorschläge. Doch von denen tauchten am Ende nur drei Bewerberinnen tatsächlich auf, und das nur, um den beiden Friseurinnen mitzuteilen, warum ihnen der Job nicht in den Kram passt.

Von Urlaub kann Friseur-Inhaberin nur träumen

„Von uns beiden darf im Moment auf keinen Fall einer krank werden, denn alleine kann man den Laden nicht führen“, sagt Reineke, die seit 40 Jahren in diesem Beruf arbeitet und weiß, wie der Hase läuft. „Und von Urlaub können wir erstmal nur träumen“, sagt Torres. Denn scheinbar niemand will den Job in ihrem Laden: 20 Stunden die Woche, Bereitschaft auch freitags und samstags zu arbeiten, dafür wird nach Tarif bezahlt.

Fachkräftemangel hat auch Friseurhandwerk erreicht

Doch das ist für viele ausgelernte Friseure offenbar nicht attraktiv. In der Tat, wie Sarah Heeder-Himmelreich, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands des hessischen Friseurhandwerks, weiß: „Der Fachkräftemangel hat auch das Friseurhandwerk erreicht. Und auch, wenn wir immer noch die höchsten Zahlen bei weiblichen Auszubildenden verzeichnen, werden es immer weniger.“ Dass es schwierig ist, eine ausgebildete Teilzeitkraft in dieser von Frauen dominierten Branche zu finden, ist für Heeder-Himmelreich nachvollziehbar. Viele sind nach der Geburt eines Kindes nicht voll berufsfähig. Und auch danach möchten viele Frauen vor allem vormittags arbeiten, weil sie dann ihre Kinder gut behütet in einer Kita wissen. Da passt dann auch der Samstag als Arbeitstag nicht ins Alltagsleben hinein, wenn man Zeit mit der Familie verbringen möchte. Doch das wiederum passt den Betrieben nicht: „Vormittags ist so gut wie keine Auslastung. Das Hauptgeschäft läuft ab Mittwochnachmittag.“

Es besteht hoher Bedarf

„Es ist allgemein schwierig, im Grunde in jedem Handwerksberuf, eine Fachkraft zu finden“, sagt Regina Umbach-Rosenow von der Offenbacher Agentur für Arbeit. Auf der anderen Seite können sich Friseure auf Arbeitssuche derzeit ihren Arbeitsplatz in der Stadt und im Kreis Offenbach sogar aussuchen. „Es besteht derzeit ein hoher Bedarf“, sagt Umbach-Rosenow: „Da kann es durchaus sein, dass die Bewerber bereits vorher eine Stelle angenommen haben, sich aber bei den restlichen Agentur-Angeboten nicht abgemeldet haben.“

Das verdienen sie: Friseure, Köche, Raumpfleger, Hotelfachleute

Friseure,Köche, Raumpfleger, Hotelfachleute – mies bezahlte Jobs gibt es zuhauf. Und sie alle haben eines gemeinsam. Nur noch wenige wollen sie machen.

Schon vor einem Jahr berichtete der EXTRA TIPP über das Problem, dass fast niemand mehr im Hotelfach arbeiten will. Zu schlecht ist die Bezahlung, zu unbequem die Arbeitszeiten. Kein Wunder, denn nicht selten reicht das Gehalt nicht mal für Miete und Essen aus.

Neben den Friseuren und Hotelfachangestellten trifft es besonders hart die Raumpfleger. Sie verdienen gerade mal 21.000 Euro brutto, nachzulesen auf www.zehn.de. Nicht viel besser sieht es bei Fleisch- und Wurstwarenherstellern aus. Da liegen am Ende des Jahres nur etwa 1500 Euro mehr in der Lohntüte. Sogar ausgelernte Köche bekommen gerade einmal knapp 25.000 Euro. Ein Witz, wenn man bedenkt, was für einen Knochenjob sie absolvieren.

Besonders krass: Eine pharmazeutisch kaufmännische Angestellte kommt gerade mal auf 20.000 Euro. Wenn man die Verantwortung im Umgang mit Medikamenten bedenkt, eine Farce.

Auffällig ist, dass die meisten Niedriglohn-Jobs Dienstleistungsberufe sind. Sie werden vor allem von Frauen ausgeübt. Tariflöhne gibt es meist gar nicht, oder aber sie sind sehr gering.

Aber warum sind die Löhne überhaupt so niedrig? Das liegt vor allem an dem starken Konkurrenzkampf in einigen Branchen. Firmen oder Kleinunternehmer unterbieten sich gegenseitig mit immer günstigeren Angeboten auf Kosten ihrer Angestellten.

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