Krematorien wetteifern um Kunden:

Weil‘s Leichengeld gibt, bringen Bestatter Tote nach Offenbach

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Immer weniger Leichnahme werden im städtischen Krematorium am Frankfurter Hauptfriedhof verbrannt. Statt einstmals 4500 sind es mittlerweile nur noch 1500.

Frankfurt – Das Geschäft mit dem Tod ist hart. So hart, dass mittlerweile fast alle Krematorien in der Region den Bestattern Leichenprämien zahlen. Offiziell wird das Leistungsrückerstattung genannt. Das städtische Krematorium auf dem Hauptfriedhof macht bei diesem Trend nicht mit. Und hat deshalb mit schwindenden Aufträgen zu kämpfen. Statt ehemals 4500 Leichname pro Jahr, werden in den vier Hochleistungsöfen nur noch 1500 Tote eingeäschert. Von Christian Reinartz

„Seit der Markt 2003 auch für private Anbieter geöffnet worden ist, wird es für uns immer schwieriger“, klagt Krematoriumsleiter Michael Bleuel: „Von den einstmals 6,5 Stellen sind nur noch fünf übrig geblieben!“ Der Grund: Für jede angelieferte Leiche, lassen die privatwirtschaftlich geführten Krematorien ordentlich Geld springen. Um die 100 Euro. Für die Bestatter ein lohnendes Zubrot, das offenbar auf die Kunden umgelegt werde, so Bleuel. „Bei uns ist eine Einäscherung viel billiger“, erklärt der Krematoriumsleiter: „Weil wir den Bestattern eben nichts zahlen.“ Für die meist emotional aufgelösten Angehörigen sei das im Moment des Todesfalls aber kaum zu durchschauen. „Wer vergleicht denn dann Krematoriumspreise“, so Bleuel.

Die Rechnung der privatwirtschaftlich geführten Krematorien in Offenbach und Obertshausen scheint aufzugehen. Während in Frankfurt die Zahl der Einäscherungen seit 2003 rapide abgenommen hat, laufen im Offenbacher Krematorium des städtischen Eigenbetriebs Eso die Öfen auf Hochtouren. Die Zahlen machen die Lage deutlich. Im einzigen Krematorium Frankfurts werden pro Jahr nur etwa 1500 Leichname eingeäschert. Dagegen stehen über 4000 in Offenbach. Ein Ungleichgewicht, dass sich mit der niedrigeren Einwohnerzahl Offenbachs kaum erklären lässt. Eso-Sprecher Oliver Gaksch dazu: „Wir werden uns zu diesem Thema nicht äußern.“

Der Frankfurter Bestatter Horst Hübener von der Pietät Reukauf bedauert diese Entwicklung. Er selbst bringt Tote immer zum nächstgelegenen Krematorium, also nach Frankfurt. „Kein Kunde will doch, dass der Leichnam seines Verwandten erst noch ewig durch die Gegend gefahren wird, nur damit am Ende für den Bestatter 90 Euro rausspringen.“ Er hat kein Verständnis für die Gier seiner Kollegen und der Krematorien: „Ich halte dieses Gebahren für pietätlos und kann das nicht mit meinem Berufsethos vereinbaren.“

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