Weil ein Schrieb fehlte: Gnadenlose AOK treibt Schuhmacherin in die Armut

"Die haben sie nicht mehr alle", schimpft die 60-Jährige: "Ich bin gerne bereit, meinen normalen Beitrag zu zahlen. Aber nicht das Doppelte. Zumal ich gar nicht krank war."Anfang Januar: Trost beauftragt ihren Steuerberater, der Krankenkasse alle nötigen Unterlagen zu schicken.

"Darauf habe ich vertraut", sagt sie. Erinnerungs-Schreiben der Krankenkasse habe sie gutgläubig weitergeleitet. Immer im Glauben, dass ihr Steuerberater sich darum kümmert. Seit ihr Mann vor neun Jahren gestorben ist, steht sie von morgens bis abends in ihrer Schuhmacherei im Kleinen Biergrund. Den Papierkram kann sie nicht selbst erledigen. "Ich habe da gar keine Zeit für", sagt Trost.Ein Fehler, denn ihr Steuerberater verschludert nach ihren Angaben die Unterlagen, kümmert sich um nichts. Die AOK setzt deshalb ein Einkommen von rund 50.000 Euro als Berechnungsgrundlage an. Unter dem Strich stehen nun zirka 600 Euro Monatsbeitrag.br /br /Als Trost nicht bereit ist zu zahlen, schickt die AOK den Gerichtsvollzieher. Ein Schock für die 60-Jährige, die immer rechtzeitig ihre Rechnungen beglichen hat.Mittlerweile zahlt sie zwar wieder ihren normalen Kassenbeitrag. Von den 3507,10 Euro will die Kran kenkasse aber trotzdem nicht absehen. Obwohl Trost zu keinem Zeitpunkt mehr verdient hat, als in den Jahren zuvor. Im Gegenteil. "Für mich selbst bleibt am Ende des Monats mittlerweile nicht ein Cent übrig", sagt sie verzweifelt: "Wenn ich das jetzt noch zahlen muss, weiß ich nicht weiter."br /br /Die AOK Hessen beeindruckt das nicht. "Von diesem durch den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen vorgeschriebenen Weg weichen wir nicht ab", begründet Pressesprecher Stephan Gill. Laut ihm sei es anderen Versicherten schwer erklärbar, warum die AOK im Fall Trost von den Vorgaben abweichen solle, während andere Mitglieder zahlen müssten. Keinesfalls will Gill die erhöhten Beiträge als Strafe oder Disziplinierungsmaßnahme verstanden wissen. "Natürlich ist das eine Strafe", widerspricht Margarete Trost: "Ich habe ein Dokument zu spät eingereicht und nun wollen die mehr Geld."br /br /Stephan Gill weiß darauf keine eindeutige Antwort und verweist einmal mehr auf die Vorschriften des Kassenverbandes: "Wir werden im Fall von Frau Trost nicht von unserer Forderung absehen."

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