Weil Königstein teuer ist, droht Seniorin die Obdachlosigkeit

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Tochter Andrea Fröhlich (links) sorgt sich, dass ihre Mutter Charlotte Libbach keine Bleibe findet.

Königstein – Charlotte Libbach muss ausziehen. Warum, weiß die 71-Jährige nicht. Ihr Vermieter hat eine Räumungsklage durchgesetzt. Nur noch wenige Tage bleiben der Seniorin, bis sie die kleine Wohnung verlassen muss. Doch im teuren Königstein und mit kleiner Rente findet sie keine neue Bleibe. Von Julia Renner

Schon am 31. August hätte Libbach die Wohnung in der Altstadt räumen müssen, maximal drei Wochen Aufschub hat sie noch bekommen. Diese Zeit ist bald abgelaufen. Eine neue Bleibe hat sie aber noch nicht gefunden. „Wir haben lange und intensiv nach einer neuen Wohnung gesucht“, sagt Libbachs Tochter Andrea Fröhlich.

Sie selbst wohnt in Münster bei Dieburg, etwa eine Stunde Autofahrt von Königstein entfernt. Doch dort möchte Charlotte Libbach nicht leben, sie hängt an Königstein. „Außerdem bin ich herzkrank, habe hier ganz in der Nähe einen guten Arzt. Dort kann ich zu Fuß hingehen“, sagt die Seniorin. Denn ein Auto hat sie schon längst nicht mehr. Auch einige gute Freundinnen habe sie im Ort.

Ihre letzte Hoffnung war die Seniorenwohnanlage in der Georg-Pingler-Straße. Die gehört der Stadt. Libbach stellte einen Antrag, sprach mehrmals mit Verwaltungs-Mitarbeitern, sogar mit Bürgermeister Leonhard Helm hatte sie einen Termin. Doch genützt hat es nicht: Sie bekommt keine Wohnung in der Anlage. „Mir wurde gesagt, dass keine Wohnungen frei sind“, sagt Libbach.

Ein Dach über dem Kopf, aber kein Wunschdomizil

Und nicht nur das. „Es gibt eine Warteliste“, sagt Bürgermeister Helm. Außerdem seien einige Wohnungen in der Seniorenwohnanlage in sehr schlechtem Zustand. Die Stadt sei sich nicht einmal sicher, ob die Anlage überhaupt sanierbar sei. „Mehrere Millionen“ müssten gestemmt werden, um die Wohnungen wieder herzurichten.

Dass es in Königstein alles andere als leicht ist, eine günstige Wohnung zu bekommen, weiß Leonhard Helm. Sollte Charlotte Libbach tatsächlich obdachlos werden, wird ihr ein möbliertes, einfaches Zimmer gestellt. „Dann hat sie nur noch ein Dach über dem Kopf, aber kein Wunschdomizil“, sagt Helm. Ein Zuhause sei das nicht.

Dass Libbach einen kompletten eigenen Hausstand hat, interessiert in einem solchen Fall niemanden. Dafür muss sie dann selbst einen Aufbewahrungsort anmieten.

Die 71-Jährige hofft, dass sie in der letzten Minute noch eine Wohnung findet. Für die könnte sie maximal 430 Euro warm zahlen. Mehr gibt die Rente nicht her. „Es wäre zu schön, in Königstein bleiben zu können“, sagt sie.

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