Au Weiher!

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Dunkle Wolke über den Schultheis-Weiher: Dem badesee droht die Schließung. 

Offenbach – Offenbach läuft trocken! Nach und nach brechen der Stadt auch noch die letzten Bademöglichkeiten weg. Jetzt bringt die CDU die endgültige Schließung des Schultheis-Weihers wegen der immer wiederkehrenden Algen-Seuche ins Spiel. Dann hätte die Großstadt Offenbach nur noch das Schwimmbad auf der Rosenhöhe und damit weniger Bademöglichkeiten als Kleinstädte im Umkreis. Von Christian Reinartz

Wer Offenbacher ist und im Sommer plantschen gehen will, muss bald wohl auf umliegende Städte ausweichen, um ein paar Schwimmzüge machen zu können. Dabei war die Stadt mit Tambour-Bad, Stadt-Bad und Park-Bad noch Anfang der 90er-Jahre reichlich ausgestattet. Doch die Badeanstalten wurden der Stadt zu teuer und geschlossen. Seitdem gibt es in der Stadt nur das kleine Schwimmbad auf der Rosenhöhe und den oft algenverseuchten Schultheis-Weiher.

Und der könnte jetzt ebenfalls dichtgemacht werden – endgültig. Das bringen die CDU-Politiker Simon Grüttner und Tobias Männche ins Spiel: „Wenn sich am Schultheis-Weiher die Situation nicht grundlegend verändert, muss die dauerhafte Badegelegenheit als endgültig gescheitert angesehen werden.“ CDU-Chef Peter Freier ergänzt: „Dann muss man über eine Schließung nachdenken.“

Badeort ist schon lange eine Problem

Raus aus der Stadt, rein ins Schwimmbad:

Hier können Offenbacher baden gehen. Denn außer dem kleinen Schwimmbad auf der Rosenhöhe und dem oft algenverseuchten Schultheis-Weiher gibt es im Umkreis einige tolle Alternativen. Der EXTRA TIPP hat die nächsten Bademöglichkeiten samt Adresse und Entfernung (von der Stadtmitte aus) zusammengestellt:
1. Badesee Nieder-Roden, Rodgau-Ring-Straße, 19 Kilometer
2. Badesee Langen, Kleinseeschneise, 14 Kilometer
3. Freibad Dietzenbach, Offenthaler Straße 85, 12,5 Kilometer
4. Schwimmbad Obertshausen, Badstraße 19, acht Kilometer
5. Schwimmbad Heusenstamm, Jahnstraße 50, 5,5 Kilometer
6. Schwimmbad Mühlheim, Ringstraße 1, 5,5 Kilometer

Jedes Jahr aufs Neue wuchern im Weiher nämlich giftige Blaualgen, die den Badespaß zunichte machen. Schon im Juni 2009 berichtete der EXTRA TIPP über die immer wiederkehrende Misere. Und darüber, dass die teure Sanierungsmaßnahme offenbar nichts bringt. Damals beteuerte Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach: „Wir sind gerade dabei, den See zu trainieren. Im Moment kann er sich schon relativ gut selbst regenerieren.“ Im Juni 2010 beschließt die Stadt, lästige Wasserpflanzen abzumähen, damit sie Badenden nicht an den Füßen kitzeln. Dabei halten Wasserpflanzen Blaualgen in Schach.

Damals wiegelte Projektleiter Helmut Teichmann ab: „Der See ist in einem so guten Zustand, dass das keine Auswirkungen haben wird.“ Und auch jetzt, im Juni 2011, ist der See wieder mit Blaualgen belastet. Zwar ist er nicht gesperrt, aber Hinweisschilder warnen vor einem Bad. Bürgermeisterin Birgit Simon dazu: „Dieser See ist in Ordnung und stabil. Dass sich Blaualgen bei einer extremen Witterung wie in den letzten Wochen bilden, ist normal.“

See verschlingt bereits über eine Million Euro

Für Peter Freier ist das eine Farce, denn der Schultheis-Weiher sei mittlerweile zum Millionengrab für die Offenbacher Stadtfinanzen geworden. Über eine Million Euro seien bisher schon in den Badebetrieb investiert worden – trotzdem wuchern die Algen.

Außer dem verseuchten Weiher bleibt den Offenbachern also nur das kleine Schwimmbad auf der Rosenhöhe. Für Männchen und Grüttner ein Witz: „Für eine Großstadt mit über 120.000 Einwohnern ist das eindeutig zu wenig.“

 

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