Wegen Preiswahnsinn an der Tanke: Viele besorgen sich illegal Sprit

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Statt Diesel kippen viele Privatleute, wie in dieser nachgestellten Szene, billigeres Heizöl in den Tank ihrer Dieselfahrzeuge. Der Treibstoff ist allerdings rot eingefärbt, sodass der Zoll die Täter überführen kann.

Taunus – Die Ölkonzerne schrauben die Treibstoffpreise trotz Finanzkrise höher und höher. Das macht Sprit zum Luxusgut. Immer häufiger wird deshalb versucht, auf illegalem Weg günstig an Treibstoff zu kommen. Von Christian Reinartz

Mit Schlauch und Kanister zapfen dreiste Sprit-Diebe nachts Treibstoff aus parkenden Fahrzeugen (Foto nachgestellt).

Besonders beliebt bei Gaunern: Der Heizöl-Trick. Wer nämlich einen Diesel fährt, könnte auch billiges Heizöl tanken. Der Liter kostet zur Zeit etwa 50 Cent weniger, als an der Tanke. Doch das ist illegal. Eine empfindliche Geldstrafe ist sicher, Haftstrafen bis zu mehreren Jahren sind möglich. Die Kontrolleinheit Verkehrswege des Hauptzollamts in Darmstadt und die Kollegen des Hauptzollamts Gießen sind Tag für Tag auf den Straßen der Region unterwegs, um Sprit-Banditen dingfest zu machen. Egal ob Rentner, junge Frauen oder Brummi-Fahrer, sie alle sind im Visier der Beamten um Zöllner Christian Schwarz auf Autobahnen ebenso wie auf Bundes- oder Landstraßen.

Den Betrug nachzuweisen ist kein Problem, sagt Schwarz. Mit einem „Heber“ entnehmen die Zollbeamten zunächst eine Probe aus dem verdächtigen Kraftstofftank. Diese wird in einem Schauglas begutachtet. Ist das Diesel gelblich, darf der Kontrollierte weiterfahren. Ist es rötlich, wird es eng. Der Grund: Heizöl wird in Deutschland rot eingefärbt mit dem Farbstoff „Solvent Yellow 124“. „Da ist sofort klar, dass jemand beim Tanken sparen wollte“, berichtet Schwarz. Aber nicht immer ist den Steuer-Gangstern so einfach beizukommen. Mittels spezieller Heizöl-Bleiche aus dem Internet versuchen die Gauner die Zollbeamten hereinzulegen. Schwarz stellt klar: „Wir haben einen speziellen Indikatortest, der selbst unsichtbare Rückstände des zugesetzten Rot-Farbstoffs nachweisen kann.“ So mancher selbstsichere Heizöl-Tanker sei so überführt worden. Wer am Fiskus vorbei tankt, wird von den Zollfahndern in die Mangel genommen. „Dann wird bis ins kleinste Detail ermittelt“, sagt Schwarz. Das ist möglich, da in Deutschland ausschließlich die Besitzer von Ölheizungen Heizöl ordern dürfen. Hohe Liefermengen können so auf Jahre zurückverfolgt werden. „Finden wir einen besonders hohen Verbrauch vor, muss sich der Täter auch dafür verantworten.“ Die meisten Heizöl-Gangster sind, so Christian Schwarz, Privatmänner oder Bauern. „Jedoch gibt durch die Finanzkrise auch immer mehr Speditionen, die versuchen, auf diese Weise Geld zu sparen.

Polizei ist nahezu machtlos

Eingefärbtes Heizöl aus einem Autotank.

Während der Zoll also alle Hände voll zu tun hat, ist auch die Polizei in Sachen Treibstoff unterwegs. Professionelle Diesel-Diebe brechen in der Region einen Tank nach dem anderen auf. Nachts zapfen die Sprit-Diebe mit Schlauch und Kanister den teuren Kraftstoff ab.

Die Polizei ist nahezu machtlos, denn die dreisten Diebe suchen sich meist abgelegene Ecken in Industriegebieten für ihre Beutetour aus, heißt es bei der Polizei: „Wir gehen davon aus, dass diese Leute professionell arbeiten, denn die Mengen die da geklaut werden, müssen ja auch irgendwie abtransportiert werden.“

Weniger professionell sind die Zechpreller an den Taunus-Tankstellen. Die Masche ist simpel. Volltanken und wegfahren ohne zu bezahlen. Die meisten Tankstellenpächter überwachen zwar mit Videokameras, doch nicht immer sind die Täter ausfindig zu machen, weiß der zuständige Polizeioberkommissar bei der Polizeistation Bad Homburg. „Oft fahren die Täter vermummt vor und benutzen veränderte oder gestohlene Kennzeichen.“ Dass immer mehr Betreiber Videokameras einsetzten, helfe da nur wenig.

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