Kulanz gefordert, aber die Stadt bleibt hart

Wegen Gebühr  für die Trauerhalle: Frankfurter streitet sich mit dem Grünflächenamt

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Stephan Wannovius trauert um seine Eltern und ist im Streit mit dem Grünflächenamt. Es geht um die Gebühr für die Nutzung der Trauerhalle.
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Frankfurt - Stephan Wannovius ist wütend auf das Grünflächenamt Frankfurt. Die Trauerfeier für seine Mutter auf dem Südfriedhof dauerte kürzer als erwartet. Er hofft, dass er nachträglich den günstigeren Tarif wählen kann. Aber das Amt bleibt hart. Von Oliver Haas

Innerhalb eines halben Jahres hat Stephan Wannovius aus Frankfurt-Sachsenhausen seinen Vater und seine Mutter verloren. Bei der Beerdigung seines 95-jährigen Vaters Ende September lief alles reibungslos. Seit jedoch seine Mutter Anfang April bestattet wurde, liefert sich der 58-Jährige einen Streit mit dem Grünflächenamt. Es geht um die Höhe der Gebühr für die Nutzung der Trauerhalle. „Ich hatte zunächst für die Trauerfeier meiner Mutter 30 Minuten Nutzung für 197 Euro gebucht. Aber dann schien mir das zu kurz und habe drei Tage vorher den 45 Minuten-Tarif gewählt, der 295 Euro kostet.“ Am Tag der Beerdigung dauerte die Trauerfeier dann jedoch nur 25 Minuten. „Ich habe dann sofort das Grünflächenamt informiert und darum gebeten, dass mir nachträglich die Gebühr für 30 Minuten Trauerhallen-Nutzung berechnet wird.“

Widerspruch bei Gebühren gewährt keinen Aufschub

Im Briefkasten landete dann aber die Rechnung mit den vollen 295 Euro. „Ich habe das nicht bezahlt und Widerspruch eingelegt“, so Wannovius. Durch die Nichtzahlung erhöhte sich die Rechnung für ihn auf weitere 25 Euro Mahngebühr. Und es kommen noch 50 Euro Kosten fürs Widerspruchsverfahren dazu. Da Wannovius diesen zurückgezogen hat, wurden nur die Hälfte an Widerspruchsgebühren berechnet. Sonst wären knapp 100 Euro angefallen. Amtsjuristin Birgit Wedekind von der Stadt Frankfurt erklärt: „Im Gegensatz zu anderen Verwaltungsakten und Bescheiden hat der Widerspruch bei Gebühren keine aufschiebende Wirkung für die Bezahlung. Ansonsten würden wohl viele Bürger zunächst immer Widerspruch gegen die Zahlung einlegen. Aber die Behörde braucht dieses Geld und muss schließlich damit arbeiten. Stellt sich heraus, dass eine Behörde fälschlicherweise Gebühren gefordert hat, dann werden diese selbstverständlich zurückgezahlt.“ Auch wenn es natürlich tragisch sei, wenn beide Elternteile kurz hintereinander sterben, aber das Amt sei an Recht und Gesetz gebunden und könne da keine Ausnahme machen, so Wedekind.

Viele verschätzen sich mit der Länge der Trauerfeier

Auch Stephan Heldmann, Amtsleiter vom Grünflächenamt sieht keinen Kulanz-Fall: „Die Leute verschätzen sich oft mit der Länge der Trauerfeier. Wenn sie dann etwas länger dauert als gebucht, drücken wir natürlich ein Auge zu und berechnen nichts zusätzlich. Aber in dieser Sache müssen wir hart bleiben.“ Stephan Wannovius reagiert mit Unverständnis: „Wer beide Elternteile innerhalb eines halben Jahres verliert, ist einfach durcheinander.“ Er gebe zu, dass er bei der Zeitplanung der Trauerfeier einen Fehler gemacht habe, aber hatte gehofft, dass die Stadt Kulanz zeigt. Verbittert legt er nach: „Ich werde mich nach dieser Sache in Frankfurt ganz sicher niemals beerdigen lassen.“

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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