Wann stürzt der erste Flieger ab?

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Absturzgefahr: Die Laser-Attacken rund um den Frankfurter Flughafen steigen massiv. Die Gefahr der Geräte wird unterschätzt.

Frankfurt – Nur noch wenige Minuten bis zur Landung. Die Piloten sind hochkonzentriert. Da passiert es: Ein greller, grüner Strahl trifft das Cockpit. Für einen kurzen Moment ist die Maschine im Blindflug. Schrecksekunden für die Besatzung der Passagiermaschine, die am Montag in Frankfurt landete. Von Mareike Palmy

Der Ursprung der Lichtquelle lag im Industriegebiet Hanau-Wolfgang. Doch die eingeleitete Großfahndung der Polizei blieb ohne Erfolg. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei.

Immer öfter melden Piloten und Lotsen solche Laser-Zwischenfällen. Die Laser sind zwar klein, doch die Wirkung der Pointer ist gewaltig. Kugelschreibergroße Geräte können schon bis zu vier Kilometer weit strahlen. Selbst wenn der Laser nicht direkt ins Auge trifft, so ist die Blendung ein Risiko für das Augenlicht. Im schlimmsten Fall bedeutet das Blindheit und für den Piloten die Berufsunfähigkeit.

Laser-Angriff ist strafbar

„Das ist kein dummer Jungenstreich, sondern ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr. Wir geben den Pilotenfunkspruch sofort an die Polizei weiter, damit die Übeltäter schnell geschnappt werden“, sagt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen. Auch Piloten schlagen Alarm. Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit und selbst Flugkapitän, hört immer öfter von Kollegen über die riskanten Blendangriffe: Meist werden Laser verwendet, deren Einsatz und Verkauf in Deutschland verboten ist, der Besitz ist es allerdings bisher nicht. Deshalb fordert Handwerg auch, die Geräte unter das Waffengesetz zu stellen.

„Die Blendung führt zu Fehlreaktionen. Mehrfach mussten Piloten die Landung abbrechen und durchstarten, weil sie nichts sehen und die Instrumente nicht lesen konnten. Wenn Piloten die Landebahn nicht erkennen, wird es problematisch“, so Ute Otterbein. Ein Absturz über Frankfurt oder ein Landeunfall über einer der Anflugrouten sei zwar unwahrscheinlich, aber nie ganz auszuschließen.

Weltweite Angriffe auf Piloten

117 Laser-Attacken bundesweit zählte die Deutsche Flugsicherung im vergangenen Jahr. Dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, zeigt die regionale Streuung der Angriffe, denn nicht nur Frankfurter Piloten landen im Blindflug. Der Unsinn grassiert weltweit. Und es wird immer mehr: In Deutschland gab es im August dieses Jahr allein 60 Vorfälle.

Dass es sich bei den Laser-Angriffen um eine Straftat handelt, bestätigt Jürgen Linker von der Frankfurter Polizei: „Eine solche Attacke ist kein Witz. Laut Paragraf 315 A muss Strafe gezahlt werden. Im schlimmsten Fall droht eine Haft von fünf Jahren.“

Die Polizei nimmt die sich häufenden Attacken sehr ernst. Das musste kürzlich auch ein 40-jähriger Offenbacher feststellen, der einen Helikopter geblendet hatte, und sich nun in einem Ermittlungsverfahren wegen gefährlichem Eingriff in den Luftverkehr verantworten muss.

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