Vorsicht, wachsamer Nachbar!

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Vorn dort aus wird gefilmt: Leo Huller zeigt in Richtung der Überwachungskamera in der Ecke am Haus seines Nachbarn.

Rodgau –  Leo Huller hat das Gefühl, von seinem Nachbarn von Gegenüber beobachtet zu werden. Der hat vier Überwachungskameras um sein Grundstück aufgehängt. Für Huller ist das ein Eingriff in seinPersönlichkeitsrecht. Er fordert jetzt: „Die Dinger müssen weg!“ Von Mareike Palmy

Ein kleines Holzhüttchen, ein Teich und ein grüner Rasen – Leo Huller könnte es schön haben in seinem gepachteten Garten in Hainhausen, wäre da nicht der Nachbar mit den Kameras. Waren es anfangs nur Blicke, die Huller bei der Gartenarbeit verfolgten, sind jetzt vier Kameras im Einsatz, von denen Huller zumindest annimmt, dass sie ihn beobachten. In jedem Fall fühlt sich der Rodgauer durch die Videoüberwachung seines Nachbarn gestört und kann sich in seinem grünen Paradies, das er seit über 13 Jahren hegt und pflegt, nicht mehr unbefangen bewegen.

Der Hobby-Gärtner fühlt sich in seinem Garten beobachtet.

„Das ist eine Verletzung meiner Persönlichkeitsrechte. An öffentlichen Plätzen muss ich das hinnehmen, aber in meinem Garten will ich mich unbeobachtet fühlen“, sagt der 55-jährige Frührentner. Leo Huller glaubt, er wird permanent überwacht. Doch nicht nur er. Auch jeder, der die öffentliche Straße vor dem Haus des Kameraaufstellers benutzt. „Das ist ein öffentlicher Weg der zur S-Bahn Strecke führt, den er da abfilmt. Bald kommt die Fronleichnamsprozession hier vorbei, die kriegen auch gleich ihr Video gemacht“, sagt Leo Huller verärgert.

Huller hat das Regierungspräsidium eingeschaltet

Seit Januar fühlt sich der Rodgauer im wahrsten Sinne des Wortes im Bilde. Während der Kameramann sich zu der Sache nicht äußern will, ist den Hainhäusern klar, warum: Erst im Winter sei die vordere Hauswand des ortsbekannten Politikers eines Morgens mit Graffiti verschmiert gewesen. Wer dafür verantwortlich ist, weiß man nicht. Jetzt hat er wohl Angst vor weiteren Angriffen, heißt es im Ort. Um herauszufinden, was die Kameras genau filmen, hat Huller nun das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt eingeschaltet. „Mit ihm reden kann ich nicht. Der hat mich schon zirka 15 Mal angezeigt. Das ist mir zu anstrengend, also soll dass das RP regeln“, erklärt Huller.

Dort wurden nun die Kameraeinstellungen überprüft und festgestellt, sie seien nicht auf die „Erdbeeren“ von Leo Huller gerichtet, aber eine der Kameras filme tatsächlich die öffentliche Straße.

Das Ordnungsamt kontrolliert die Kameraeinstellung

„Der Eigentümer hat jedoch versichert, dass ein Servicetechniker die Kameraeinstellung so verändert, dass künftig kein öffentlicher Raum mehr gefilmt wird, sondern nur das Grundstück“, erklärt Gerhard Müller, Sprecher des RP. Ob die Kamera bald in die richtige Richtung filmt, wird das Ordnungsamt Rodgau kontrollieren.

Leo Huller muss die Kameras nun hinnehmen, zumindest solange es keine Hinweise auf eine gezielte Überwachung gibt, heißt es. Denn sind Kameras auf das eigene Grundstück gerichtet, ist das legal.

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