Vorlese-Onkel sammelte tausende Kinderpornos

Dreieich/Darmstadt – Matthias P. hat Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen. Jetzt wird dem Dreieicher vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht.  Der 48-Jährige ist ein verurteilter Kinderschänder und war  „Vorlese-Onkel“ in einer Dreieicher  Bücherei. Von Norman Körtge

Es ist eine Datenmenge, die selbst erfahrene Polizisten als „immens“ bezeichnen. Auf Festplatten hat Matthias P. etwa 400.000 Fotos, 5000 Filme und zirka 38.000 Textdateien gespeichert – alle zeigen oder beschreiben sexuelle Handlungen an Kindern. Darunter sei „härtestes Material“, beschrieb Richter Jens Aßling die abartigen Szenen.

Den Besitz der Kinderpornos stritt der 48-jährige Angeklagte, der seit Geburt schwer Contergan geschädigt ist und keine Arme hat, bei Prozessbeginn auch nicht ab. Vielmehr gab der in Offenthal lebende Mann eine zumindest für ihn plausible Erklärung dafür ab. Er schaue die Kinderpornos, um reelle Übergriffe auf Kinder zu verhindern.

1999 zu Haftstrafe verurteilt

Denn der in Dreieich aufgewachsene Matthias P. ist ein verurteilter Kinderschänder. Seit 1979 ist er wegen Kindesmissbrauchs zu mehreren Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden. Perverser Höhepunkt war die Zeit zwischen 1997 und 1999, in der es eine Vielzahl von sexuellen Übergriffen auf vernachlässigte Mädchen und Jungen in Ludwigsburg gab. In Stuttgart wurde er zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Damals stellte sich auch die Frage der Sicherungsverwahrung, zitierte Richter Aßling aus dem Urteil. Allerdings schien der voll geständige Dreieicher sich mit seiner pädophilen Neigung intensiv auseinander gesetzt zu haben. So sei er bereit, Situationen zu vermeiden, die ihn in Versuchung führen könnten und dementsprechende Strategien zu entwickeln. Wohl auch deshalb wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.

Seit 2006 Kinderpornos gesammelt

2006 habe er dann nachweislich angefangen, Kinderporno-Material im Internet zu sammeln und auf seinem Computer sowie externen Festplatten abzuspeichern.

Er wolle nie mehr Kindern schaden, sagte er aus. Dass aber auch den Kindern, die auf den Fotos und den Filmen zu sehen sind, Gewalt angetan wird, sei ihm angeblich erst bewusst geworden, nachdem ihm Internetfahnder der Polizei 2009 auf die Spur gekommen waren. Jetzt sei er froh, dass das Zeug weg ist. „Sie sagen das, was die Leute gerade hören wollen“, kommentierte der Richter diese Aussagen.

Dass er wieder Kontakt zu Kindern hatte, begründete P. damit, dass ihn diese immer wieder wegen seiner Contergan-Schädigung angesprochen hätten. So habe er auch nicht „Nein“ gesagt, als er 2007 gefragt worden sei, ob er als ehrenamtlicher Vorleser in der Schul- und Stadtteilbücherei an der Wingertschule in Offenthal tätig sein möchte. Mit Bekanntwerden der Vorwürfe sei diese Tätigkeit 2009 sofort beendet worden, so eine Stadtsprecherin.

Vor Gericht berichtete ein Polizist, dass die Ermittlungen nicht ergeben haben, dass P. sich in dieser Zeit an Kindern vergangen habe. Ihm soll aber bewiesen werden, dass er nicht nur im Besitz von Kinderpornos war, sondern diese auch anderen Internetnutzern zur Verfügung gestellt hat. Der Prozess wird fortgesetzt.

Kommentare