Arbeitsplätze werden verlagert

Verdeckter Stellenabbau bei Vodafone in Eschborn?

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Claudia Rösler arbeitet als Bereichsleiter-Sekretärin beim Mobilfunkanbieter Vodafone in Eschborn. Ihre Arbeitsstelle soll verlagert werden.

Eschborn – Obwohl der Mobilfunkanbieter Vodafone schwarze Zahlen schreibt und sich offiziell zum Standort Eschborn bekannt hat, plant der Konzern etwa 360 Arbeitsstellen nach Düsseldorf zu verlagern. Von Dirk Beutel

Doch der Betriebsrat wittert verdeckten Stellenabbau: Wer nicht umziehen will, verliert seinen Job. Das könnte auch Claudia Rösler passieren. Doch die 47-Jährige will um ihren Arbeitsplatz kämpfen.

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Claudia Rösler ist eine selbstbewusste Frau, die weiß was sie will. Und was sie nicht will: Seit über 14 Jahren arbeitet die Schwalbacherin für den Mobilfunkanbieter Vodafone in Eschborn. Ende vergangenen Jahres hat sie erfahren, dass ihre Arbeitsstelle nach Düsseldorf verlagert werden soll. So wie über 350 andere. Ein Neuanfang in der nordrhein-westfälischen Landes-Hauptstadt kommt für die 47-Jährige aber nicht in Frage. Rösler ist im Rhein-Main-Gebiet fest verwurzelt. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder. Dazu kommt, dass sie bereits einen tragischen Neuanfang hinter sich hat: Ende 2007 wurde sie am Brustwirbel notoperiert. Die Folge: Acht Monate kein Gefühl in den Beinen. Sie musste von null anfangen und wieder laufen lernen. Seitdem ist sie zu 50 Prozent schwerbehindert. Noch heute muss sie zum Physiotherapeuten. „Und wer einem geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen, zu dem hat man besonderes Vertrauen, den will man nicht verlieren“, sagt Rösler.

Rösler hat sich immer aufopferungsvoll für ihr Unternehmen engagiert. Als mit dem Fall des Festnetzmonopols 1998 in ihrer Firma (damals noch Arcor) fast schon Goldgräberstimmung herrschte, arbeitete sie wie viele ihrer Kollegen weit über den pünktlichen Feierabend hinaus. Als ihr damaliger Chef 2008 nach Düsseldorf versetzt wurde, pendelte sie mit dem Zug sechs Monate lang von Eschborn nach Düsseldorf, bis ihr die Anstrengungen zu viel wurden. Aber ein Umzug war für sie schon damals keine Option, zumal ihre Mutter zu dem Zeitpunkt schwer krank war. „Ich kann die Entscheidung des Unternehmens nicht verstehen. Vor allem deshalb, weil ich mich voll engagiert habe“, sagt Rösler. Sie wie auch der Betriebsrat vermuten, dass es sich bei der Job-Verlagerung nicht um strategische Entscheidungen handelt, sondern um einen verdeckten Stellenabbau. Denn: Wer nicht mitzieht, hat Pech gehabt.

„Ich lasse mir das nicht gefallen und werde um meinen Job kämpfen“, sagt Rösler. Sie weiß: In ihrem Alter und mit einer Schwerbehinderung wird es auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade einfach. Eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch wäre vermutlich schon ein Glücksfall. Ihren Weggang will die Schwalbacherin so lange wie möglich hinauszögern: Rösler: „Wenn ich gehen muss, dann nicht mit hängendem Kopf, sondern mit einem guten Gefühl.“

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