Viel Stacheldraht für viele leere Flaschen

Von Norman KörtgeOffenbach/Dietzenbach/Münster - Stacheldraht, Videokameras und Bewegungsmelder - die Ware hinter den meterhohen Zäunen ist begehrt und wird deshalb massiv geschützt. Obwohl sie ohne Inhalt ist. Leere Flaschen.

Doch auf das Leergut der Getränkehändler haben es immer wieder Diebe abgesehen. Der Schaden geht in die Tausende.

Sie kommen immer im Schutz der Dunkelheit und meistens am Wochenende. Ihr Ziel sind die Grundstücke von Getränkegroßhändlern wie in der Offenbacher Brockmannstraße. "Medo" hat hier seinen Sitz. Tausende von Getränkekisten lagern dort. Die vollen Kästen sind für die Einbrecher nicht interessant. Zu schwer. Aber die mit leeren PET-Flaschen sind einfach zu tragen.

"Damit lässt sich schnell bares Geld verdienen", weiß "Medo"-Geschäftsführer Michael Meyer: "Die Kästen und Flaschen kann man ja überall zurück geben oder in Automaten stecken."

Die einzelnen Pfandbeträge erscheinen niedrig: zwischen acht und 25 Cent pro Flasche, 1,50 Euro für den Kasten. Aber die Masse macht es: "Einmal wurden 80 Kästen auf einmal geklaut", erinnert sich Meyer. Mehr als 50 Anzeigen hat er bereits gestellt. Den Schaden durch geklautes Leergut beziffert er in den vergangenen Jahren auf zirka 10.000 Euro.

"Wir haben die Zäune immer höher gebaut", erzählt Meyer. Im vergangenen Monat wurde "Medo" gleich zweimal heimgesucht. Doch Zeugen machten den Dieben jeweils einen Strich durch die Rechnung. Sie informierten rechtzeitig die Polizei.

Beim ersten Mal waren es zwei Männer, die allerdings ohne ihre Beute von 17 Pfandkisten vor der anrückenden Polizei flüchten konnten. Zwei Wochenenden später schnappte die Polizei dann aber zwei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche, die versuchten zwölf Wasserkästen wegzuschaffen.

Während die Polizei nicht von einem Phänomen sprechen will, geht Meyer von organisierten Gruppen aus. "Ich glaube, die sprechen sich ab, wo man am besten was holen kann", meint der Offenbacher.

Leergut-Klau ist aber nicht nur auf die Stadt am Main beschränkt. "Wir haben uns regelrecht eingebunkert", berichtet Petra Herbert-Völk von der Firma "Getränke Herbert" aus Dietzenbach. Wie viel in den vergangenen Jahren geklaut worden ist, kann sie nicht sagen. Aber sie hätten auf die Vorfälle mit diversen Sicherungsmaßnahmen reagiert.

In Münster greifen die Diebe selbst am helllichten Tag zu. "Wenn viel Leergut da ist, wird es manchmal erst vor der Halle gelagert", erzählt Marco Pfletschinger von der Grünewald GmbH. Da der Betrieb an einer Durchgangsstraße liegt, würden dreiste Gelegenheits-Gauner die Chance nutzen, um ein paar Kästen ins Auto zu laden. Nachts ist alles eingeschlossen. Pfletschinger schätzt, dass im Jahr Leergut im Wert von 300 bis 400 Euro geklaut wird.

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