Verzweifelte Wohnungssuche: Hartz IV-Familie ohne Wasser

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Jamin Halimi dreht am Wasserhahn in der Hospitalstraße 12 in Offenbach. Aber schon seit Monaten kommt dort kein Tropfen mehr raus. Verzweifelt sucht er eine neue Wohnung für die Familie seines Sohnes.

Offenbach – Seit einem halben Jahr lebt die Offenbacher Familie Halimi ohne fließend Wasser in der Hospitalstraße. Der Hausbesitzer hat die Leitung gekappt. Die Suche nach einer neuen Wohnung gestaltet sich schwieriger als gedacht. Von Norman Körtge

Zumindest mollig warm ist es im dritten Stock der Hospitalstraße 12. Die Elektroleitung ist intakt und damit funktioniert auch die elektrische Heizung. Ganz anders sieht es mit dem Wasserhahn in der Küche aus. Seit einem halben Jahr kommt dort schon kein Tropfen mehr raus. Das gleiche gilt für die Brause in der Duschkabine gleich daneben. Dort stehen die Eimer mit denen die vierköpfige Familie Halimi mühsam das Wasser die Treppen hinaufschleppt.

Es ist nicht einfach eine neue Wohnung zu finden“, erzählt Jamin Halimi, der die Familie seines Sohnes Dzezair tatkräftig unterstützt, seitdem sie während eines sich in die Länge ziehenden Hauseigentümerwechsels im vergangenen Spätsommer zwischen die juristischen Fronten geraten ist. Das Problem: Trotz einer Vormerkung im Grundbuch hat eine Eigentumsumschreibung noch nicht stattgefunden. Für die Halimis fühlt sich niemand zuständig. Für Jamin Halimi ist aber nicht nur das eine Belastung. Immer wenn er bei einem neuen Vermieter vorstellig wird und angibt, dass die Familie seines Sohnes von Hartz IV lebt, wird er abgeblockt.

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Halimis weiter ohne Wasser

Ein Problem, dass Alexander Schantz von der Wohnraumberatung der Caritas-Tochtergesellschaft CariJob in der Bieberer Straße 51 kennt. „Es gibt da immer wieder Vorbehalte“, berichtet Schantz. An der Befürchtung, dass keine Miete gezahlt würde, könne es nicht liegen. Die zahle bei Hartz IV-Empfänger schließlich das Amt. Wenn alle Parteien zustimmen, würde die Miete sogar direkt vom Amt an den Vermieter überwiesen. „Was gibt es denn besseres als den deutschen Staat als Bürgen zu haben“, meint Schantz. Eigentlich müsste es für eine vierköpfige Familie wie die Halimis in Offenbach verfügbaren Wohnraum geben, der die Kriterien erfüllt. 

Michelle Serret Grinvalds und Alexander Schantz sind bei Carijob in Offenbach für die Wohnraumberatung zuständig.

84 Quadratmeter stehen ihnen zu, je nach Baujahr der Wohnung gibt es dafür bis zu 548,52 Euro Kaltmiete und 310,80 Euro Nebenkosten. Schwieriger sei es Single-Wohnungen zu finden, da diese auch von Studenten begehrt sind, sowie bei Familien mit mehr als vier Mitgliedern, weiß Schantz aus Erfahrung. Allerdings stellt er auch klar, dass CariJob nur eine Beratung und keine Vermittlung anbietet. „Wir stellen die Infrastruktur zur Verfügung. Die Leute müssen aber selbst aktiv werden“, so Schantz, der dabei hilft, dass seine Klienten eine Struktur in ihre Herangehensweise und Suche bekommen. Telefon, Fax und Kopierer stehen in der Bieberer Straße 51 bereit und tagesaktuelle Wohnungsangebote sind ausgelegt.

Jamin Halimi war diese Woche wieder da und hat vier neue Angebote mitgenommen. Noch hat er keine Wohnung für seinen Sohn gefunden. Ob es diesmal von Erfolg gekrönt ist, konnte er noch nicht sagen

Die Wohnraumberatung von Carijob in Offenbach ist unter (069) 985582980 zu erreichen. Wer beraten werden möchte, benötigt eine Zuweisung vom Jobcenter.

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