Zu verwirrend: Tempo-100-Werbung gefährdet den Straßenverkehr

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So geht´s nicht: Marketingleiter Olav Lindmayer zeigt die Version der Werbekampagne, die laut Behörde den Verkehr gefährdet.

Groß-Zimmern – Weil ein Tempo-100-Verkehrsschild die neue Reklame von Killer Sports ziert, muss der Fitnessstudio-Betreiber 240 Plakate überkleben und zahlt drauf. Von Dirk Beutel

„Wir wollten mit unserer Werbung nichts Böses anrichten“, erzählt Olav Lindmayer. Trotzdem hat der Marketingleiter bei Killer Sports in Groß-Zimmern nur Ärger mit der neuen Kampagne. Etwa 240 Plakate wurden in Münster, Dieburg, Groß-Umstadt, Reinheim und Roßdorf aufgestellt. Auf ihnen ist ganz deutlich ein Tempo-100-Schild zu erkennen. Vergleichsweise winzig wirkt das rechts platzierte Prozentzeichen. Lindmayer erklärt: „Wir wollten nur auf ein neues Angebot bei uns hinweisen, bei dem die Kunden 100 Prozent sparen können“.

Mediengestalter-Azubi Michael Richter mit der neuen Version.

Doch nicht jeder ist mit diesem kreativen Einfall einverstanden: Die Gemeinde Mühltal erhebt Einspruch bei der Unteren Verkehrsbehörde wegen der Schilder. Die Beschwerde landet bei Behördenleiter Wolfgang Röhrig: „Verkehrszeichen dürfen im Verkehrsraum nicht zu Werbezwecken benutzt werden. Man könnte sie im Vorbeifahren für echte Schilder halten.“
Röhrig konfrontiert Olav Lindmayer mit dem Sachverhalt und bietet ihm einen Kompromiss: „Die Behörde war sehr kulant und hat von einer Geldstrafe abgesehen, weil wir die Schilder umgehend überklebt haben“, berichtet Lindmayer. Allerdings sind durch das Neuplakatieren zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 1000 Euro entstanden. Doch der Marketingleiter weiß, dass der Abbau der Schilder inklusive Ordnungswidrigkeitsanzeige wesentlich teuerer gekommen wäre. Vor allem, wenn es aufgrund der Tempo-100-Werbung zu einem Unfall gekommen wäre. Röhrig: „Ich könnte mir vorstellen, dass der Verantwortliche für die Reklame in die Haftung miteinbezogen werden kann“.

Tatsächlich ist niemand mit Tempo 100 durch die Städte und Gemeinden gerast. Auch die Schilder sind längst überklebt worden. Anstelle eines roten Rings ziert nun ein gelbes Ortseingangsschild mit der Aufschrift 100 Prozent die Werbung. Nachfrage bei Wolfgang Röhrig: „Hierbei handelt es sich zwar auch um ein Verkehrsschild. Allerdings wirken diese nicht annähernd so verwirrend auf den Verkehr wie ein Schild, das die verbindliche Höchstgeschwingkeit regelt“, erklärt Röhrig.

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