Vermieter lehnen Hartz-IV-Empfänger ab: Familie kämpft gegen die Obdachlosigkeit

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Keiner will Christian und Stefanie Wiederspahn und ihren Kindern Dominik (hinten) und Jannik-Elias eine Unterkunft geben.

Mühlheim – Weil schwarze Schafe unter den Hartz-IV-Empfängern einfach keine Miete zahlen, lehnen immer mehr Vermieter diese von vornherein ab. Tausenden in der Region könnte deswegen schon bald die Obdachlosigkeit drohen. Von Christian Reinartz

Christian Wiederspahn ist ein großer Mann mit breiten Schultern. Nur seine dunklen Augen zeigen, wie wenig Kraft der Mühlheimer Familienvater noch hat. Seit Monaten suchen er und seine Frau nach einer neuen Wohnung für sich und die beiden Kinder. 50 Besichtigungstermine haben sie hinter sich gebracht und 50 Absagen bekommen.

Dabei müssten sie schon seit dem 1. August aus ihrer Dietesheimer Erdgeschoss-Wohnung ausgezogen sein. Ihnen wurde wegen Eigenbedarf gekündigt. „Uns will einfach keiner haben“, sagt Wiederspahn mit gebrochener Stimme. Selbst bei der Mühlheimer Wohnbau-Gesellschaft stieß Wiederspahn auf taube Ohren, dabei hatte der Kreis die Wiederspahns direkt an die Wohnbau verwiesen. „Aber von denen hören wir immer nur, dass nichts frei ist“, sagt der Familienvater verzweifelt. Was er aber nicht versteht: „Von Leuten die dort wohnen, weiß ich, dass in den Häusern sehr viele Wohnungen frei stehen und zu vermieten sind.“

Kein Job - keine Wohnung?

Ralf Petzold, Geschäftsführer der Wohnbau erklärt: „Wir haben über 200 Bewerber, die auf eine solche Wohnung warten, wie sie die Wiederspahns suchen.“ Viele davon hätten eine ähnlich tragische Geschichte vorzuweisen. „Das liegt daran, dass es immer weniger Sozialwohnungen gibt“, so Petzold.

Kreissprecher Ralf Geratz-Krambs kennt die Situation aus der täglichen Praxis im Amt. „Die Vermieter sind misstrauisch geworden, weil immer wider Leistungsempfänger das Mietgeld einfach für sich behalten, anstatt es dem Vermieter zu überweisen.“ Möglich macht das eine umstrittene gesetzlichen Regelung, die dafür sorgen soll, dass die Betroffenen den verantwortungsvollen Umgang mit Geld erlernen. Doch dass der Schuss bei vielen offenbar nach hinten losgeht, hat bei der Verabschiedung wohl niemand bedacht. Zwar kann der Kreis im Falle eines Missbrauchs das Geld direkt an den Vermieter zahlen. Aber eben erst dann.

Schon 50 Wohnungen haben die Wiederspahns besichtigt

Christian Wiederspahn weiß von diesem Problem: „Wir haben deshalb jedem Vermieter vorgeschlagen, das Geld direkt vom Amt bezahlen zu lassen. Aber da gehen die gar nicht darauf ein.“

Ralf Geratz-Krambs findet die aktuelle Gesetzeslage deshalb unsinnig: „Denn so müssen die aufrichtigen Hartz-IV-Empfänger darunter leiden.“

Doch ob unsinnig oder nicht: Die Wiederspahns brauchen schnell eine Bleibe, sonst sitzen sie auf der Straße. Geratz-Krambs bestätigt: „Zwar würden wir versuchen zu helfen, aber letzten Endes würde es für die Familie die Obdachlosigkeit bedeuten, wenn sie keine Wohnung findet.“

So weit will es Ralf Petzold aber nicht kommen lassen. Nach der Anfrage des EXTRA TIPPs gibt es auf einmal Hoffnung für die Wiederspahns. Der Geschäftsführer verspricht: „Sobald eine Wohnung frei wird, kommen die Wiederspahns in die engere Auswahl.“

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