Bürgermeister Thomas sieht keine neue Fakten

Gutachten: Bringt Fiege den Verkehr ins Stocken?

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Im Hintergrund wächst der Fiege-Bau in die Höhe, vorn fließt der Verkehr über die K128. Über die Auswirkungen der Ansiedlung des Logistik-Centers bei Dieburg gibt es verschiedene Meinungen.

Dieburg – „Stau, Luftverschmutzung und Unfallgefahr“ – so lautet der Titel eines Gutachtens, das die Bürgerinitiative „Bebauung Dieburger Dreieck“  (BIBDD) dem EXTRA TIPP in dieser Woche zur Verfügung gestellt hat. Von Jens Dörr

Diplom-Mathematiker Heinz J. Reining prognostiziert darin markante Veränderungen der Verkehrssituation rund um Dieburg, Münster und Altheim und sogar Folgen bis nach Babenhausen und Darmstadt.

Als Grund für das drohende Unheil auf den Straßen nennt Reining den Bau des riesigen Logistikcenters des Unternehmens Fiege, das derzeit zwischen Dieburgs Osten, Münsters Süden und Altheims Nordwesten entsteht, Mitte 2015 in Betrieb genommen werden und mehrere hundert Lkw- und Pkw-Bewegungen pro Tag mit sich bringen soll.

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Dieburger sollen entscheiden

Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas, der die Fiege-Ansiedlung wie fast alle Stadtparlamentarier befürwortet, kann in den Warnungen der BIBDD wenig Neues erkennen, plädiert aber für Veränderungen am einspurigen B26-Abschnitt zwischen Dieburg und Babenhausen.

„B26 und B45 erreichen in der Hauptverkehrszeit bereits jetzt die Grenzen ihrer Belastbarkeit“, schreibt Reining. Er erwarte 450 Lkw-Bewegungen pro Tag zusätzlich, was den Schwerlastverkehr in der Region auf einen Schlag um zehn Prozent erhöhe.

Pro Tag 700 Lkw-Fahrten

Hinzu kämen pro Arbeitstag 700 Pkw-Fahrten von Mitarbeitern und Besuchern. Staus vor Darmstadt, auf der B45 Richtung Groß-Umstadt und am Hanauer Kreuz, wohin Lkw und Pkw abfließen würden, gebe es schon heute ständig. Dies werde sich verschärfen. Vom Lärm seien besonders Münster und Altheim betroffen. An Münsters Westen führt die B45 Richtung Offenbach und Hanau in Hochlage vorbei.

An Altheim geht sehr nah die B26 Richtung Babenhausen und Aschaffenburg vorbei. In Darmstadt, wo der Schwerlastverkehr aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg tagsüber zu bestimmten Zeiten durchfahren darf, um etwa auf die A67 zu gelangen, entstünden weiterer Lärm und eine noch höhere Feinstaubbelastung.

Überfordert sei bald schon die Ampelanlage am „Dieburger Dreieck“, wo sich K128 und B26 treffen und die B26 aus Darmstädter Richtung kommend nicht mehr zwei- sondern nur noch einspurig verläuft. In der Tat gibt es dort jetzt schon längere Wartezeiten durch den Baustellenverkehr. Tagsüber fahren Lkw im Minutentakt die Fiege-Großbaustelle an, auf der mehr als 50 Millionen Euro verbaut werden.

Bürgermeister Thomas sieht keine neue Fakten

Bürgermeister Thomas sieht die Kritikpunkte der BIBDD, die kürzlich wegen formaler Fehler mit einem Bürgerbegehren scheiterte, als „seit Monaten bekannt und allesamt im Rahmen des Offenlegungsverfahrens abgearbeitet“ an. „Die Verkehrsthemen und auch die Kritikpunkte der BI wurden im Rahmen der Bauleitplanung sehr ausführlich erörtert und gutachterlich begleitet.

Das aktuelle Papier soll jetzt wohl den Charakter eines Gutachtens haben, das noch einmal neu und sachlich die gesamte Problematik durchleuchtet, es enthält aber keine neuen Aspekte“, urteilt der Rathaus-Chef: „Die wesentlichen Annahmen der BI waren unzutreffend und sind es immer noch.“

Ausbau der Knotenpunkte an der B26

Zukünftige Planungen der B 26 seien zudem unabhängig von dem derzeitigen Bauvorhaben zu sehen. Thomas hierzu: „Nachdem klar wurde, dass derzeit und wohl auch mittelfristig keine Mittel für einen ‘großen Ausbau’ der Straße zur Verfügung stehen, haben wir – die Bürgermeister von Babenhausen, Münster und Dieburg – uns darauf verständigt, dass wir zumindest einen Ausbau der Knotenpunkte bei Altheim und Hergershausen und eine Sicherung des Radverkehrs parallel zur B 26 fordern.“

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