Mysteriöse US-Funkstation wird aufgerüstet

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Geheimnis hinter Stacheldraht: Offiziell dient die Anlage zur Kommunikation der US-Streitkräfte. Andere vermuten dahinter eine Agentenfunkanlage.

Egelsbach – Versteckt im Egelsbacher Wald betreibt das US-Militär nach ihren Angaben eine Kaserne. Doch dieser Stützpunkt wird im Gegensatz zu anderen nicht geräumt, sondern ausgebaut. Kurzwellenhörer vermuten, dass die Anlage für den Agentenfunk benutzt wurde. Von Mareike Palmy

„Danger. High Voltage. Restricted Area“, warnt ein Schild am Maschendrahtzaun in roten Buchstaben. Ein Security-Auto dreht Runden um das Areal und bewacht es. Stacheldraht und schwenkbare Kameras sichern das verborgene Antennenfeld. Ein Bagger verrichtet dort seinen Dienst. Baumaschinen stehen herum. Neugierige Blicke wiegelt ein Wachmann am Eingangstor sofort ab. „What'cha want?“, fragt er. Auf die Frage nach dem Zweck dieser Einrichtung heißt es bloß: „No comment“. Selbst die Anzahl der dort arbeitenden Menschen will er nicht verraten. Auch ein herbeigeeilter Mitarbeiter bügelt sämtliche Fragen mit „No comment“ ab.

Auch Experten und Funkern gibt der Sender östlich der A5 ein Rätsel auf. Zwei große Antennenfelder und drei Radome versetzen in Staunen. Elke Herberger, Sprecherin der US-Landstreitkräfte in Europa verrät nur so viel: „Die Anlage wird vom US-Verteidigungsministerium betrieben. Sie dient der Führung und Steuerung der Kommunikation im militärischen Einsatzgebiet“.

Auch Stadt Egelsbach ist ratlos

Die Egelsbach Transmitter Site, wie das Objekt offiziell heißt, soll mit der US-Airbase entstanden sein. Nur im Gegensatz zu dieser wird hier nicht abgezogen, sondern aufgerüstet. Immer wieder waren in den vergangenen Monaten Bauaktivitäten zu beobachten. In jüngster Zeit wurde ein weiteres Radom mit geschätzten fünf Metern Durchmesser errichtet.

Selbst im Rathaus in Egelsbach ist man ratlos: „Die Gemeinde hat bei der US-Armee nachgefragt, was da vorgeht, aber da ist nichts zu erfahren. Sicherlich, das ist eine Funkanlage, aber das Areal ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs amerikanisches Hoheitsgebiet und Egelsbach hat keine Befugnis darüber“, sagt Stadtsprecher Manfred Kraus.

Auch bei Funkern lassen die monströsen Antennen Raum für Spekulationen. Es wird vermutet, dass von der Station aus heute nicht nur gesendet, sondern auch abgehört wird. „Das ist noch immer und war es auch damals, eine Abhöranlage. Dass der CIA dort auch mitgemischt hat, ist wohl sicher“, meinen Insider. Der Funktechniker Mike Höhn aus Frankfurt ist sich sicher, dass die Anlage eine sogenannte Nummernstation ist. Er gehört zu einer Gruppe von Fachleuten, die sich mit Geheimdienstsignalen beschäftigen. Solche Nummernstationen übertragen kodierte Nachrichten und dienen der Kommunikation mit Agenten. Die dabei verwendete Frauenstimme wird „Cynthia” genannt. In einer ZDF-Doku erklärt Höhn, dass die Cynthia-Stimme mit einem Empfänger selbst ohne Antenne in Umgebung der Funkstation hörbar gewesen sei.

Selbst der Chaos Computer Club (CCC), die größte europäische Hackervereinigung, hat sich mit der Station befasst. Im Magazin des CCC heißt es: „Es ist unklar, warum man die Station nicht demontiert. Die Beobachtungen bestätigen den Verdacht, dass der Sender ausgebaut wird. Über die zukünftige Aufgabe dieses Senders kann man nur spekulieren.“

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