Der Wahnsinn geht weiter

+
Unfälle wie dieser am Offenbacher Kreuz waren dieses Jahr keine Seltenheit.

Offenbach - Das Offenbacher Kreuz stößt an seine Grenzen: Staus oder zähfließender Verkehr gehören für Pendler dort fast schon zur sicheren Gewohnheit. Rückstau und das dortige Fahrbahnsystem sorgen zudem für erhöhte Unfallgefahr. Doch an diesem Problem wird sich in naher Zukunft nichts ändern. Von Dirk Beutel

Lesen Sie außerdem:

Schluss mit dem Flickwerk an der A661

Autobahn-Ausbau im Frankfurter Osten, er fordert: Deckel drauf!

Autofahrerfrust: Teure Umwege statt schneller Anschluss

Die Pendler kennen es schon gar nicht mehr anders: Stau am Offenbacher Kreuz. Ob morgens zur Hauptverkehrszeit oder im Feierabendverkehr. In regelmäßigen Abständen kommt es zur Blechlawine, manchmal sogar mehrmals am Tag. Das zuständige Amt für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt (ASV) kennt das Problem: „Das Offenbacher Kreuz hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Deshalb kommt es dort des Öfteren zu langen Staus. Dieser Knotenpunkt kann den Verkehr nicht immer bewältigen“, sagt ASV-Sprecher Bernhard Külzer. Dass das Autobahnkreuz nicht mehr mit dem Verkehrsaufkommen fertig wird, zieht unweigerlich auch Unfälle nach sich. Külzer: „Die Unfälle geschehen dort überwiegend in den Verflechtungsbereichen des Offenbacher Kreuzes.“

Mit Verflechtungsbereich ist das Fahrbahnsystem gemeint. Pendler wissen Bescheid: Wer auf der A3 etwa aus Frankfurt kommend auf die A661 einfädeln möchte, muss die beiden rechten Spuren, die entweder nach Offenbach oder nach Egelsbach führen, ansteuern. Bei diesem Spurwechsel kommt es nicht selten zum ganz normalen Wahnsinn: Vor allem sperrige Lastwagen erhöhen das Unfallrisiko, wenn sich diese dem Kreuz nähern. Dann sind diese gezwungen nach links auf die Spuren der weiterführende A3 zu fahren, während andere Autofahrer versuchen, nach rechts auf die Abfahrt zur A661 zu gelangen. Gerade im Berufsverkehr kann es sich dabei schnell stauen und die Unfallgefahr wächst. Wie etwa Anfang August, als ein Fahrer in der Abfahrt zur A661 Richtung Offenbach ungebremst in den Rückstau raste, den er offenbar zu spät bemerkt hatte.

20 Prozent mehr Unfälle als 2010

Vergangenes Jahr kam es am Offenbacher Kreuz zu 239 Unfällen, davon kamen 107 durch Stau oder Spurwechsel zustande. Dabei wurden sieben Fahrer schwer und 55 leicht verletzt. Jetzt haben die Unfallzahlen im Vergleich zum Vorjahr nochmal zugelegt, wie die Frankfurter Polizei bestätigt: „An diesem Knotenpunkt verzeichnen wir aktuell im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 20 Prozent“, sagt Sprecher Alexander Kießling.

Um den Verkehr einigermaßen zu regulieren und das Unfallrisiko etwas einzudämmen sollen sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlagen dienen: „Damit kann die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Verkehrsaufkommen oder der Witterung gesteuert werden“, erklärt Külzer. Trotzdem: „An einem Umbau des Offenbacher Kreuzes, zum dem auch die Anschlussstelle Offenbach der A3 gehört, führt kein Weg vorbei“, sagt Külzer. Doch scheitert eine baldige Erweiterung und damit eine Entschärfung wie so oft am Geld. Külzer: „Ein Umbau des Offenbacher Kreuzes ist nicht vor 2017 zu erwarten.“

Kommentare