400 Millionen Euro in zehn Jahren für die Behandlung

Umweltbundesamt: Fluglärm macht krank

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Region Rhein-Main – Tausende Menschen demonstrieren seit Monaten regelmäßig gegen den Fluglärm in der Rhein-Main-Region. Eine Studie des Umweltbundesamtes zur Auswirkungen nächtlichen Fluglärms auf die Bevölkerung belegt eindeutig: Fluglärm macht krank. Von Silke Gottaut

Horst Gölzenleuchter (von links), Paul-Gerhard Weiß, Thomas Jühe und Anja Wollert von der Fluglärmkommission.

Die Forderung des Umweltbundesamtes nach einer achtstündigen Nachtruhe rund um den Frankfurter Flughafen zwischen 22 und sechs Uhr ist wohl begründet. Bei sieben bis acht Stunden liegt laut einer Studie das Schlafbedürfnis bei über 18-Jährigen. Kindern sollte eine Nachtruhe von zwölf Stunden gegönnt werden. Die gesundheitlichen Folgen einer nicht gewährten Nachtruhe referierten zwei Experten des Umweltbundesamtes während der Sitzung der Fluglärmkommission am Mittwoch, die aus Vertreter von Flughafen-Anreinerkommunen sowie von Luftfahrtfirmen besteht.

Betroffene können zum Beispiel unter Schlafstörungen, Leistungsbeeinträchtigungen, Herz-Kreislaufstörungen, Entwicklungsverzögerungen oder Depressionen leiden. Die Kosten für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betragen am Flughafen Frankfurt schätzungsweise 400 Millionen Euro – bezogen auf zehn Jahre.

Zudem belegt die Studie, dass erwachsene Fluglärmgeplagte mit zunehmenden Alter mehr Beruhigungs- und Schlafmittel zu sich nehmen, als nicht Betroffene. Wobei Frauen mehr von den Medikamente einnehmen als Männer.

Außerdem wurden in der Sitzung zwei durch die Stadt Raunheim im Jahr 2011 beauftragte Untersuchungen zur Wirkung von passiven Schallschutzmaßnahmen vorgestellt. Diese zeigen, dass die Belästigungswirkung nächtlichen Fluglärms in Form erinnerbarer oder nicht erinnerbarer Aufwachreaktionen selbst in schallgeschützten Schlafzimmern besteht.

Doch trotz der Forderung des Umweltbundesamtes nach einer längeren Nachtruhe von 22 bis sechs Uhr, zu der keine Starts und Landungen erfolgen dürfen, konnte sich die Fluglärmkommission nicht einig werden. Stattdessen setzt Thomas Jühe, Kommissionsvorsitzender und Bürgermeister von Raunheim, auf das Nachtflugverbot zwischen 23 und fünf Uhr sowie möglichst wenige Flüge in den Randstunden – also zwischen 22 und 23 Uhr sowie fünf und sechs Uhr.

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