Über 30 Jahre im Besitz: Jetzt will das Bauamt seine Hütte plattmachen

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Hat die Hoffnung fasst schon aufgegeben: Gerhard Berg dürfte seine eigene Wochenendhütte eigentlich gar nicht mehr betreten.

Groß-Umstadt – Genau 33 Jahre besitzt Gerhard Berg eine kleine Jagdhütte am Rande des Groß-Umstädter Stadtteils Kleestadt. Weil er seinen Rückzugsort allerdings nur als Freizeithäuschen nutzt, droht das Kreisbauamt plötzlich mit Abriss. Von Dirk Beutel

So oft er kann, fährt Gerhard Berg von seiner Heimat Erzhausen quer durch den Landkreis nach Kleestadt in sein Freizeithäuschen, um dort die Ruhe zu genießen. Aber damit ist es seit ein paar Monaten vorbei. Denn die Kreisbauaufsicht will Gerhard Bergs Hütte jetzt dem Erdboden gleichmachen. Für den 68-Jährigen ein Schock.

Doch warum sollen die Bagger rollen? Grund ist ein Erlass des Landes Hessen aus dem Jahr 1998, der die Bauaufsichtsbehörden auffordert, gegen illegale bauliche Anlagen in Außenbereichen vorzugehen. Und Gerhard Bergs Hütte steht laut Flächennutzungsplan auf einer landwirtschaftlichen Fläche. „Das bedeutet, dass nur privilegiert Vorhaben, wie etwa ein Jagdhütte dort zulässig sind“, erklärt Frank Horneff, Sprecher der Bauaufsicht des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Weil Gerhard Berg aber kein Jäger ist und seine Hütte nur für sein privates Vergnügen nutzt, handelt es sich um einen illegalen Bau, dem die Abrissbirne droht. „Aus Kulanz wurde Herrn Berg eine Frist bis zum 31. Dezember 2016 eingeräumt, damit er die baulichen Anlagen auf dem Grundstück beseitigen kann“, sagt Horneff. Mit anderen Worten: Gerhard Berg soll in den nächsten fünf Jahren alles entfernen, was er dort aufgebaut hat.

Er will sich nicht unterkriegen lassen

Der Pensionär hat damit zwar schon begonnen, will sich aber nicht unterkriegen lassen: Immer wieder legt er fristgerechte Widersprüche ein. Auch auf ein angeordnetes Nutzungsverbot der Hütte: „Eigentlich dürfte ich hier gar nicht drin sein, wenn ich nicht rechtzeitig Einspruch eingelegt hätte“, sagt Berg, der seine Hütte unbedingt erhalten will. Deshalb schlug der 68-Jährige der Bauaufsicht einen Kompromiss vor: Indem er seine Hütte der Jagdpächterin Mechthild Meyer überschreibt und sie damit zur gesetzeskonformen Jagdhütte macht.

Doch auch dies ist laut Behörde keine Option: „Bei der Zulassung von Jagdhütten wird die Einschränkung gemacht, dass der Jagdpächter mehr als 40 Kilometer von seinem Revier entfernt wohnen muss“, schildert Horneff. Bergs Hütte ist von Meyers Wohnort Seligenstadt aber nur 19 Kilometer entfernt.

Nach über 40 Seiten Schriftverkehr, weiß Gerhard Berg nicht mehr weiter. Jeder seiner Kompromissvorschläge wurde in den Wind geschlagen: „Überhaupt empfinde ich die ganze Art und Weise wie mit mir umgegangen wurde äußerst bürgerfeindlich.“ Er muss es wissen. Er war 25 Jahre in der Hessischen Landesverwaltung tätig.

„Wenn´s hart auf hart kommt, soll sich irgendjemand die Hütte einfach abbauen und sonstwo wieder aufbauen. Geld will ich schon lange keins mehr“, sagt Berg und ärgert sich: „Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich diese Hütte gar nicht privat nutzen darf, hätte ich sie nie gekauft.“

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