Keiner weiß, was passiert

Gibt es genügend U3-Betreuungsplätze?

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Der kleine Simeon freut sich. Er hat bereits einen U3-Betreuungsplatz.

Region Rhein-Main – Ab dem 1. August soll Deutschland familienfreundlicher sein. Dann haben alle Eltern einen Rechtsanspruch darauf, dass ihrem Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein U3-Betreuungsplatz zur Verfügung steht. In der Pflicht stehen die Kommunen. Von Norman Körtge

Und die wissen nicht, was auf sie zukommt.

Bürgermeister Dieter Zimmer sieht Dreieich auf der Zielgeraden. 30 weitere U3-Betreuungsplätze sollen in dem Neubau an der Hegelstraße in Sprendlingen entstehen, zu dem er am Dienstag den ersten Spatenstich setzte. Zielgerade heißt, die einst von der Bundesregierung ermittelte Bedarfsquote von 35 Prozent zu erreichen. Doch ob das wirklich das Ziel ist, weiß der Rathaus-Chef selber nicht: „Es ist eine fiktive Zahl.“

"Eine unschöne Situation"

Anders ausgedrückt: Wenn 40, 50 oder 60 Prozent der Dreieicher Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz brauchen, hat die Stadt ein Problem, da die Eltern einen Rechtsanspruch darauf haben. Klagen drohen. „Eine unschöne Situation“, fasst Zimmer zusammen. Schon jetzt ist die finanzielle Belastung enorm: Von den etwa 920.000 Euro Baukosten trägt die Kommune 470.000 Euro. Später kommen die Betriebskosten hinzu, und ob es überhaupt genügend Erzieher gibt, kann er noch nicht sagen. Ironie klingt mit, wenn der Bürgermeister abschließend sagt: „Das Gute ist, dass es den anderen Kommunen nicht anders geht.“

Heftige Kritik vom Städte- und Gemeindebund

Dass kann Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebund es mit Sitz in Mühlheim, nur bestätigen. Gerade in den Ballungsräumen stünden die Kommunen vor enormen Problemen in Sachen genügend Plätze für die U3-Betreuung. Mit einer Klagewelle von Eltern rechnet er nicht, da der juristische Weg sehr langwierig und mühsam sei und sich betroffene Eltern Alternativen suchen würden. Aber die Juristen des Gemeindebundes stünden parat, um den Mitgliedskommunen beizustehen. Schelzke beklagt vor allem die nicht ausreichende finanzielle Unterstützung durch den Bund, die die Kommunen in die Zwangslage bringt. Denn Rechtsanspruch zu geben ohne ausreichende finanzielle Mittel zu gewährleisten sei „sittenwidrig“.

Wer wird noch schwanger?

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Mit einer positiv besetzten „gespannten Erwartung“ sieht Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas dem 1. August entgegen. Positiv deswegen, weil seine Stadt wohl einen Versorgungsgrad von 60 Prozent aufweisen wird. Dennoch gebe es eine kleine Warteliste. Schwierig sei die Prognose: Habe man bei Kita-Plätzen knapp drei Jahre Vorlauf für die Planung gehabt, sei es bei der U3-Betreuung weniger als ein Jahr. „Mal schauen, wer noch so alles schwanger wird“, sagt Thomas mit einem Augenzwinkern.

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